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Familienforschung, Unkategorisiert

Genealogentag Gotha 2015, Thema Hexenprozesse

Am 3. Tag des Genealogentages in Gotha berichtigte Museumsdirektor Dr. Lehmann aus Schmalkalden mit seinem sehr eindrücklichen Vortrag über die Hexenverfolgung viele Klischees über dieses dunkle Kapitel der europäischen Geschichte. Neben dem Holocaust stellen die Hexenprozesse die größte nicht kriegsbedingte Katastrophe durch Menschen an Menschen dar – so nach Aussage von Dr. Lehmann. Der Referent erläuterte, dass nicht nur Frauen, Hebammen oder beispielsweise Rothaarige verurteilt und ermordert wurden – wie dies oft gedacht wird – , sondern auch viele Männer und Kinder; Angehörige aller Berufs- und Altersgruppen in Städten und Dörfern wurden Opfer des Massenwahns. 2017 wird in Schmalkalden ein Deutsches Dokumentationszentrum zur Geschichte der Hexenverfolgungen eröffnet, in dem entsprechende Unterlagen wie etwa Prozeßakten eingesehen werden können.

Gedenktafel-Hexenverfolgung-Trier-Simeonstift

Eine Gedenktafel am Simeonstift in Trier erinnert
an die dortige Hexenverfolgung

8. Oktober 2015/von Konstanze Wandersleb
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2019/09/genealogentag-gotha-209-6.jpeg 800 1067 Konstanze Wandersleb https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Konstanze Wandersleb2015-10-08 10:35:162022-02-24 15:28:12Genealogentag Gotha 2015, Thema Hexenprozesse
Familienforschung, Unkategorisiert

Vortrag Clemens Kech beim Genealogentag in Gotha

Clemens Kech2

Clemens Kech

„Wir verkaufen Emotionen“

Als einen der abschließenden Vorträge des Deutschen Genealogentages in Gotha präsentierte unser Kollege Clemens Kech eine interessante Darstellung über den Beruf des Genealogen. Es ging um die Tatsache, dass Familienforschung nicht nur das Eruieren von nackten Zahlen, Namen und Fakten zu den Vorfahren darstellt, sondern auch die Möglichkeit zur emotionalen Identifizierung mit den eigenen Ahnen bietet.
Vortrag-Clemens-Kech-Genealogentag-Gotha-2Das Gefühl, zu einer Familie oder einer anderen „community“ zu gehören, verleiht Stolz und eine Identität. „Imagined communities“, Gemeinschaften, die man sich vorstellt oder denen man sich zugehörig fühlt, verteilen sich über mehrere Daseinsebenen: man kann sich einer Stadt oder Nation verbunden fühlen, gleichzeitig Bayern-Fan und katholisch sein, eine bestimmte politische Partei wählen und einem Berufsstand angehören. Gemeinsamkeiten, gleiche Interessen und Ansichten prägen das Zugehörigkeitsgefühl. Eine gemeinsame Geschichte sowie das kollektive Gedächtnis stehen hier im Hintergrund und sind ausschlaggebend für eine Vergemeinschaftung.
Vortrag-Genealogentag-1Durch die Familienforschung werden Daten zusammengetragen und es ergibt sich zunächst ein Beweis der Blutsverwandtschaft mit den Ahnen. Wir erhalten aber auch Kenntnis über deren oft wechselnde Wohnorte, über Ihre Tätigkeiten oder Vermögensverhältnisse – ein facettenreiches Bild von den persönlichen Lebensumständen der Vorfahren entsteht. Instinktiv sucht man nach Gemeinsamkeiten mit den Ahnen. Je intensiver sich die Kenntnis von vergangenen Generationen gestaltet, desto mehr wird das Gefühl gefördert, einem Kollektiv anzugehören – ein Wir-Gefühl stellt sich ein. Auch wir von Pro Heraldica bieten somit durch die professionelle Dienstleistung der genealogischen Forschung eine Chance, sich ganz persönlich und emotional mit der Familie und den eigenen Vorfahren zu befassen. Wir arbeiten dabei unter Hinzuziehung von Originalquellen wie zum Beispiel Kirchenbüchern. Internet-Datenbanken werden ebenfalls ausgewertet, jedoch sind diese Einträge nicht immer zuverlässig und müssen durch Prüfung der Ausgangsdokumente gesichert werden. Schriftliche Belege für aufgefundene Daten machen die Arbeit 100%ig vertrauenswürdig und durch sie erhalten die emotionalen Aspekte der Resultate erst Beständigkeit.
Die Genealogie macht inzwischen 80% des Dienstleistungsumsatzes von Pro Heraldica aus. Seit dem Genealogie-Boom der 1990er Jahre hat sich dieser Geschäftszweig verzehnfacht. Unter der Regie von Historikern, Fachgenealogen, Redakteuren und Heraldikern wurden seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1972 über 40.000 Kundenaufträge auf dem Gebiet der Heraldik und Genealogie durchgeführt, wobei unsere Kunden seither immer jünger, weiblicher und internationaler wurden. Unsere Forschungen werden von ca. 300 Profis in Sachen Genealogie vor Ort in Archiven im In- und Ausland durchgeführt. Spektakuläre Ergebnisse wie etwa eine Inka-Prinzessin unter den Vorfahren sind dabei selten, bereichern jedoch den Genealogenalltag ungemein.
Mit drei Schlagwörten leitete Hr. Kech zum Genealogie-Endprodukt von Pro Heraldica über:
Vortrag-Genealogentag-21. Narrare – erzählen. Die reinen Daten einer Familienforschung benötigen ein gewisses Maß an Aufbereitung. Dies geschieht durch unsere Chroniken, die neben der Dokumentation von Fakten auch die Familiengeschichte erzählen und z.B. mit Familienphotographien bereichern. Die persönliche Geschichte einer Familie wird hier in die jeweilige Regional- und Weltgeschichte eingebunden und lebensnah erzählt. Mündliche Familienüberlieferungen, Erinnerungsberichte und Biographien finden hier ebenso Eingang wie auch Landkarten der Herkunftsregionen der Vorfahren. Eine solche persönliche Chronik ist ein Unikat, das garantiert immer emotional berührt und auf das auch künftige Generationen noch stolz sein werden. Oft werden Auftraggeber zu Tränen gerührt, wenn sie das fertige Produkt der eigenen Familienchronik in Händen halten. Ein gedrucktes Werk über die Familie wird von Generation zu Generation weitergegeben, es verleiht ein Gefühl der Zugehörigkeit und Identität; man hinterläßt Spuren und es hilft, den Platz im Leben zu finden und zu verstehen.
Nicht nur für Familien, auch für Firmen ist eine Identität und ein Wir-Gefühl der beteiligten Personen von großer Bedeutung. Professionell gestaltete Firmengeschichten können hierbei helfen und sind zudem ein guter Werbeträger. Pro Heraldica hilft seit Jahren familiengeführten Unternehmen mit einer langen Tradition bei der Erstellung von Firmenarchiven und Firmenchroniken.
Vortrag-Genealogentag-3Hier fällt das 2. Stichwort: praesentare – vorzeigen, vorführen, präsentieren. Genealogische Zusammenhänge können anhand von Stammbäumen und Ahnentafeln graphisch dargestellt werden. Diese Kunstwerke verdeutlichen den Platz eines Individuums innerhalb einer langen Kette von Ahnen; der Stammbaum bzw. die Ahnentafel als visuelles Produkt wird zum Medium der Identitätsfindung. Ein solches Produkt ist zudem ein ästhetischer und repräsentativer Blickfang und kann den Betrachter begeistern.
Vortrag-Genealogentag-4Der lateinische Begriff für „begeistern, beseelen, etwas mit Leben erfüllen“ wurde als 3. Schlagwort vorgestellt: animare. Daraus leitete der Referent die These ab, dass Traditon nicht die Anbetung der Asche ist, sondern die Weitergabe des Feuers. Als Feuer soll in der Genealogie die Begeisterung für die Familie und die Familienidentität gelten, welche an nächste Generationen weitergegeben wird und welche aktiv gelebt wird, z.B. durch das Vorlesen von Familienchroniken, Erzählen von Familiengeschichten oder die Präsentation heraldischer Produkte wie das Tragen von Siegelringen und Wappen, die inzwischen häufig bei jüngeren Familienmitgliedern großen Anklang finden.
Pro Heraldica hat das Feuer der Begeisterung an Genealogie und Heraldik in den letzten Jahren international weitergegeben: seit 2013 gibt es eine Tochtergesellschaft in den USA. Weitere Expansionen sind in Frankreich, Italien und Skandinavien geplant. Darüber hinaus ist vor wenigen Wochen unsere internationale Registrierungsplattform, der eHerold, an den Start gegangen, mit dem Wappen aus aller Welt auf ihre heraldische Richtigkeit geprüft und rechtssicher registriert werden.

Vortrag-Genealogentag-5

Was die Gegenwart anbelangt, so können wir festhalten, dass die Ahnenforschung sowohl inhaltlich als auch formal ein sehr emotionales Geschäftsfeld darstellen kann. In ihrem Kern hat die Ahnenforschung das Potential, sogenannte „imagined communities“ zu erzeugen, welche durch den Abgleich zwischen Merkmalen und Eigenschaften der lebenden Generation und den überlieferten Informationen, die der Genealoge recherchiert, hervorgerufen werden. Vortrag-Genealogentag-6Hieraus kann ein Zugehörigkeitsgefühl und die Identifikation mit der Gruppe resultieren sowie auch Verständnis für die Ahnen und die Familie. Auf der formalen Seite hält die Aufbereitung der Forschungsergebnisse in Form einer erzählenden Familienchronik (narrare) und der Darstellung in Form eines Stammbaumes/Ahnentafel (praesentare) weitere Gefühlsmomente bereit, die auch geeignet sind, langfristig zu begeistern. Und so können auch wir Genealogen mit Stolz sagen: „Wir verkaufen Emotionen.“
Mit diesem dynamischen und innovativen Vortrag inspirierte Hr. Kech das Fachpublikum zu neuen Ideen und Sichtweisen.

Vortrag-Clemens-Kech-Genealogentag-Gotha-1

5. Oktober 2015/von Konstanze Wandersleb
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2019/09/genealogentag-gotha-209-1.jpeg 800 1067 Konstanze Wandersleb https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Konstanze Wandersleb2015-10-05 10:59:282022-02-24 15:28:35Vortrag Clemens Kech beim Genealogentag in Gotha
Familienforschung

67. Deutscher Genealogentag – Tag 2

Der liebe Petrus meinte es sehr gut mit unserer fünf-köpfigen Delegation bestehend aus Birgit Scheible, Frank Lueken, Konstanze Wandersleb, Clemens Kech und Rita Koch (v.l.n.r.) beim 2. Veranstaltungstag des 67. Deutschen Genealogentages. Kaiserwetter am Nationalfeiertag erwärmte die Gemüter und brachte die Kongressteilnehmer vor allem in der barocken Parkanlage der Orangerie zum fachlichen Wissens- und Erfahrungsaustausch zusammen. Dank vielfältigen und spannenden Themen waren aber auch die Vortragsräume in Kulturhaus, Stadtbibliothek und dem Orangerie-Gebäude gut besucht. Bei anregenden Gesprächen fand der Tag mit volkstümlichem Rahmenprogramm einen zünftigen Abschluss.

Gotha 2 (0) Gotha 2 (1) Gotha 2 (2) Gotha 2 (3) Gotha 2 (4) Gotha 2 (5) Gotha 2 (6) Gotha 2 (8) Gotha 2 (9)

3. Oktober 2015/3 Kommentare/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2015/10/Gotha-2-0.jpg 480 502 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2015-10-03 23:30:402022-02-24 15:29:0767. Deutscher Genealogentag – Tag 2
Familienforschung, Unkategorisiert

Startschuss zum 67. Genealogentag in Gotha

Vor wenigen Stunden hat in Gotha der 67. Deutsche Genealogentag begonnen – und Pro Heraldica ist mit fünf Genealogen vor Ort. Nicht nur die Tatsache, dass wir morgen den 25. Jahrestag der Deutschen Einheit begehen werden, ist für uns Stuttgarter eine Reise nach Thüringen wert. Interessante Fachvorträge – u.a. von unserem Mitarbeiter Clemens Kech – Kontakte, Ausstellungen und eine spannende Stadtgeschichte erwarten uns.

Dirk Weissleder eröffnet den 67. Genealogentag

Dirk Weissleder eröffnet 67. Genealogentag

Um 18 Uhr heute Abend begrüßten uns im Kulturhaus zu Gotha drei Gastgeber: Christian Kirchner von der AGT (Arbeitsgemeinschaft Genealogie Thüringen e.V.), Dirk Weissleder (Vorsitzender des DAGV) und Knut Kreuch, Oberbürgermeister der Stadt. Im Beisein Seiner Hoheit Prinz Andreas von Sachsen-Coburg und Gotha erklärte Christian Kirchner die Gastgeberstadt Gotha zur „Hauptstadt der Genealogie“ – warum? Das sollte später OB Kreuch noch herausstellen. Dankbar zeigte er sich, dass die genealogische Forschung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 uneingeschränkt wieder möglich geworden ist. Und Dirk Weissleder fügte hinzu, dass nach 25 Jahren endlich Formulierungen wie „Wessi“ oder „drüben“ der Vergangenheit angehören sollten. So steht diese Tagung unter dem Motto: „25 Jahre deutsche Einheit – freies genealogisches Forschen“.

Il Gotha ist Spitze

Il Gotha ist Spitze

Dann stellte OB Knut Kreuch, ein begnadeter Entertainer, seine Stadt vor und begründete in einer kurzweiligen und höchst unterhaltsamen Live-Show, warum „Gotha adelt“ – das Motto der Stadt. Prinz Andreas hatte 2001 die Kunstschätze in Gotha zusammengeführt. Unzählige Erstmaligkeiten und Einmaligkeiten stammen aus Gotha oder sind auf Gothaer zurückzuführen. Die Queen sowie Angehörige anderer Königshäuser lassen sich auf einen Gothaer Fürsten, Herzog Ernst der Fromme, der „Opa von Europa“, zurückführen. „Der Gotha“, der Hofkalender, der seit über 200 Jahren Stammtafeln bereit hält, hat hier seinen Ursprung. Zweifelsohne hat die Genealoge in Gotha ein Zuhause!

Der 67. Deutsche Genealogentag wird mit Beiträgen von Teilnehmern aus Deutschland, Schweden, den USA und anderen Ländern mit vielen spannenden Themen rund um die Ahnenforschung alle Freunde der Genealogie in Ihren Bann ziehen.

quod erat demonstrandum.
quod erat demonstrandum.
OB Kreuch in seinem Element
OB Kreuch in seinem Element
Volles Kulturhaus
Volles Kulturhaus

Christian Kirchner bei seiner Eröffnungsrede
Christian Kirchner bei seiner Eröffnungsrede

 

2. Oktober 2015/von Birgit Scheible
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2015/10/Startschuss-Genealogentag-5.jpg 480 720 Birgit Scheible https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Birgit Scheible2015-10-02 23:24:172022-02-24 15:29:42Startschuss zum 67. Genealogentag in Gotha
Familienforschung, Unkategorisiert

Familiengeschichten aus dem Netz

Fast täglich finden wir neue Geschichten im Netz über interessante Familienforschungen. Selbst wir, die wir täglich mit diesem Thema arbeiten und man meinen sollte, wir haben schon alles gesehen, finden immer wieder neue Dinge im Netz.

Aus den vielen Meldungen haben wir einfach mal drei Beiträge herausgepickt, die wir ihnen zeigen wollen:

Familientreffen der Müllerleiles

Da ist zum einen die Geschichte der Müllerleiles aus dem badischen Schuttertal, die bereits zum 4. Mal ein Treffen für alle recherchierten Vorfahren organisiert haben. In diesem Jahr mit 170 Teilnehmern. Die privaten Forscher haben bereits 4897 Menschen mit dem Nachnamen Mullerleile ausfindig gemacht und laut eigener Aussage ist die Forschung noch längst nicht am Ende. Manche Teilnehmer des Treffens waren eigens hierfür aus den USA angereist. Die Nachnamen reichen Muellerleile, Mullerleile, Mullerlile, Millerlile, Millerlie, Millerleili bis Müllerleily. (Quelle: Badische Zeitung)

Geoffrey Rush in „Who do you think you are?“

Und dann ist da auch noch die Geschichte des Schauspielers und Oskarpreisträgers Geoffrey Rush, der sich in der australischen Serie „Who do you think you are“ auf die Suche nach seinen Wurzeln gemacht hat. Es hat sich herausgestellt, dass er von deutschen Immigranten abstammt, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts nach Australien ausgewandert waren. Der Vater des Urgroßvaters ­seiner Mutter Merle, Johann Willms, war in Deutschland professioneller Musiker. So konnte er seine künstlerischen Wurzeln nach Deutschland zurückverfolgen. In der Sendung Who do you think you are machen sich regelmäßig prominente auf die Suche nach ihren Vorfahren, wobei sie von professionellen Ahnenforschern begleitet werden. (Quelle: TheAustralien.com)

Der älteste Familienbetrieb der Welt

Oder die Meldung über das japanische Gasthaus, das bereits von mehr als 46 Generationen der gleichen Familie geführt wird.

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Quelle: http://facebook.com/faktastisch

Dies sind beispielhaft nur drei Meldungen, die uns in letzter Zeit im Netz begegnet sind. Wir möchten versuchen, Ihnen regelmäßig interessante (Kurz-)Geschichten oder Web-Fundstücke an dieser Stelle zu zeigen, die wir interessant finden.

7. August 2015/1 Kommentar/von Alexandra Scheiderbauer
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2015/08/11143343_1101922646538746_5866846519202885699_o.jpg 720 720 Alexandra Scheiderbauer https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Alexandra Scheiderbauer2015-08-07 10:24:422018-11-08 11:11:00Familiengeschichten aus dem Netz
Unkategorisiert, Familienwappen, Familienforschung

XXXII. Weltkongress für Heraldik und Genealogie in Glasgow

Congress-2016-GlasgowVom 10. August bis 13. August 2016 wird der XXXII. Weltkongress für Heraldik und Genealogie in Glasgow, Schottland, stattfinden. Der Kongress, der alle 2 Jahre an wechselnden Orten ausgetragen wird, wurde im Jahr 2010 von Pro Heraldica in Stuttgart ausgerichtet. Der Kongress 2016 findet in der Trades Hall statt. Der Veranstaltungsort wurde 1791 von Robert Adam ein Jahr vor seinem Tod entworfen und 1794 fertiggestellt.

Der Kongress in Schottland beginnt am Mittwoch, den 10. August 2016, morgens mit einer feierlichen Eröffnungsrede, danach folgen 2 1/2 Tage Vorträge in  3 verschiedenen Räumen. Im Anschluss daran folgt am Samstag eine Sightseeing Tour, bei der heraldische Sehenswürdigkeiten im Westen und Zentralschottland besichtigt werden können. Hier geht´s zum Kongressprogramm

Außerdem überschneidet sich der Kongress mit dem Edinburgh Festival. Ein Besuch des Festivals lässt sich optimal mit einem Besuch des Kongresses kombinieren.

Über Glasgow

Glasgow ist mit über 1,2 Millionen Einwohnern im Umkreis die größte Stadt in Schottland. Im Gegensatz zu Edinburgh ist die Geschichte von Glasgow kirchlich und kaufmännisch geprägt und nicht königlich. Glasgow wuchs in der Mitte des 18. Jahrhunderts schnell heran durch den Transatlantik Handel von Tabak, Baumwolle, Zucker und vielen anderen Gütern. Die Blütezeit von Glasgow war im 19. Jahrhundert, als viele der historischen Gebäude errichtet wurden.

St. Mungo’s Cathedral

Die Stadt hat sich um die St. Mungo’s Cathedral gebildet, die manchmal auch St. Kentigern genannt wird. St. Mungo’s Cathedral stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist damit der eindrucksvollste Ausdruck gotischer Architektur in Schottland.

Glasgow University

Die Glasgow University gehört zu den führenden Universitäten der Welt. Sie wurde 1451 gegründet und ist damit die zweitälteste Universität Schottlands nach St. Andrews.

24. März 2015/von Alexandra Scheiderbauer
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2015/03/Congress-2016-Glasgow.jpg 347 99 Alexandra Scheiderbauer https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Alexandra Scheiderbauer2015-03-24 11:56:492018-11-08 10:56:11XXXII. Weltkongress für Heraldik und Genealogie in Glasgow
Familienforschung

Vortrag Dr. Rolf Sutter auf der Rootstech

Gute-Heraldiker

Wir haben bereits in früheren Beiträgen über den Besuch von Petra Heimbach und Dr. Rolf Sutter von Pro Heraldica bei der diesjährigen Rootstech berichtet.

Im Rahmen der Veranstaltung hat Herr Dr. Sutter gemeinsam mit Petra Heimbach einen Vortrag mit dem Titel „Die Kunst zeitgemäßer Heraldik“ gehalten, den wir Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten wollen. Er gibt einen kurzen und leicht verständlichen Abriss über die Heraldik.

Wappen-HerkunftAngefangen damit, was Heraldik überhaupt ist und wie die ersten Wappen entstanden sind. Ebenfalls geht der Vortrag darauf ein, welche Gestaltungsrichtlinien in der Heraldik gelten und aus welchen Bestandteilen ein heraldisch korrektes Wappen besteht.

Außerdem wird erläutert, was ein gutes Wappen ausmacht und warum es wichtig ist, bei der Gestaltung eines Wappens auf erfahrene Heraldiker zu setzen.

Im Original wurde der Vortrag auf englisch gehalten, wir haben für Sie sowohl die englische als auch die deutsche Version bereitgestellt.

  Vortrag Dr. Sutter / Rootstech 2015 / englisch (PDF)

  Vortrag Dr. Sutter / Rootstech 2015 / deutsch (PDF)

10. März 2015/von Alexandra Scheiderbauer
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2015/03/Gute-Heraldiker.jpg 341 235 Alexandra Scheiderbauer https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Alexandra Scheiderbauer2015-03-10 10:46:542018-11-08 10:50:22Vortrag Dr. Rolf Sutter auf der Rootstech
Familienforschung

Stammbaum: So entsteht eine Mehrfertigung

Ein handgezeichneter Stammbaum oder eine Ahnentafel auf Hautpergament ist für viele unserer Kunden die Krönung ihrer Ahnenforschung. Aber was tun, wenn man von diesem aufwändigen Werk eine Mehrfertigung haben möchte?

Auch diesen Wunsch können wir erfüllen. Bis so eine exklusive Mehrfertigung fertig ist, vergeht viel Zeit. Wir möchten Ihnen heute an einem Beispiel zeigen, welche verschiedenen Schritte eine solche Mehrfertigung durchläuft, bis Sie an ihren neuen Besitzer ausgeliefert werden kann.

Stammbaum-Ablauf-Erstellung-Mehrfertigung

Erstellung einer Schwarz-weiß-Zeichnung

Wenn wir einen handgezeichneten Stammbaum oder eine Ahnentafel im Original erstellen, wird die Schwarz-weiß-Zeichnung fotografiert und daraus eine Datei erstellt. Dadurch erst haben wir im Nachhinein die Möglichkeit, eine Mehrfertigung zu erstellen. Die handschriftliche Originalzeichnung dienst also als Vorlage für den Siebdruck.

Siebdruck auf original Rinderhaut

Aus dieser Datei fertigt unser Fotofachlabor anschließend einen Siebdruckfilm. In unserem Beispiel handelt es sich um eine Ahnentafel mit einem Format von 135 x 120cm. Man muss bedenken, dass nur wenige Druckereien überhaupt Siebdrucke in solchen Größen anbieten können. Der Siebdruck wird im Format 1:1 auf original Rinderhaut gefertigt.

Liegt der Siebdruck aus der Druckerei dann vor, beginnt die mühevolle Kleinstarbeit. Der Stammbaumkünstler prüft den Druck und zeichnet wo nötig die Schrift oder die dünnen Verbindungslinien im Stammbaum oder der Ahnentafel nach (Die Verbindungslinien gibt es nur bei der Ahnentafel).

400 Stunden Handarbeit

Anschließend beginnt er mit der Koloration, die, um ein optimales Ergebnis zu erzielen, vollständig von Hand gemacht wird. In der Farbe des Stammes werden verschiedene Brauntöne verwendet. Für die Kolorierung des Baumstammes mit sämtlichen Ästen, Verstrebungen und Zuführungen benötigte der Künstler fast 100 Stunden. Die Einfärbung der Blätter schlägt mit 110 Stunden zu Buche. Die Kolorierung der Ortszene in unserem Beispiel benötigte weitere 30 Stunden, die Kolorierung der Bänder über 10 Stunden und die Kolorierung sämtlicher Wappen nochmals 140 Stunden. Bis das Meisterwerk also fertig war, vergingen also knapp 400 Stunden!

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1.-Mehrfertigung-Ahnentafel-schaefer-schwarz-weiss

13. Januar 2015/3 Kommentare/von Alexandra Scheiderbauer
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2015/01/Mehrfertigung-Ahnentafel-schaefer-fast-fertig-koloriert-mit-kuenstler1.jpg 450 600 Alexandra Scheiderbauer https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Alexandra Scheiderbauer2015-01-13 10:47:522020-09-03 08:54:58Stammbaum: So entsteht eine Mehrfertigung
Kurioses, Familienforschung

Durch Hektik zur letzten Ruhe

HektikDass Hektik und überzogene Eile nicht zu den gesundheitlich förderlichsten Dingen zählen, ist ein Allgemeinplatz. Die alljährlich turbulente Vorweihnachtszeit wie auch die darauf folgende Zeit zwischen den Jahren bis Dreikönig – quasi als deren Gegenpol – haben dies uns jüngst wieder einmal vor Augen geführt. Ja, durch den Ausspruch des Kaisers Augustus „festina lente!“ (Eile mit Weile!) wurde die Mahnung zur Langsamkeit zu einer allseits bekannten Redewendung. Dass Hektik wie in unserem nachfolgend beschriebenen Fall einer Familienforschung aus Bayern sogar als Todesursache herangezogen wurde, genießt jedoch Seltenheitswert – jedoch aus anderen Gründen.

Im Kirchenbuch der Gemeinde Irlbach bei Regensburg vermerkte der Pfarrer seinerzeit bezüglich der Umstände wie Veit S.* zur letzten Ruhe fand folgende Zeilen:

1831 August. Gonnerdorf. Veit S. aedult.
Die 9 huius hora 1 meridie hectica, Sub cura chirurgic Etzinger de Starkenhof, omnibus m. sacramentis provisus mortuus et die 11 a me sepultus est Veit S. Textor in Gonnerdorff, aet. 72 annorum.

Übersetzung:

1831. August. Gonnerdorf. Veit S., Erwachsener.
Am 9. Tag des Monats zur 1. Stunde des Mittags starb Veit S., Weber in Gonnersdorf, in Behandlung des Chirurgen Etzinger von Starkenhof an Hektik, mit allen Sterbesakramenten versehen, und wurde am 11. Tag von mir begraben im Alter von 72 Jahren.

Nur mit viel Fantasie erblickt man nun in vorliegendem Sterbeeintrag einen Beleg dafür, dass bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts das geschäftige Treiben der Weber in der oberpfälzischen Provinz ein Maß erreichte, die den Mann dahingerafft hätte. Nein, vielmehr handelt es sich bei dem lateinischen Wort „hectica“ um einen selten verwendeten historischen Krankheitsbegriff. Dieser verweist darauf, dass der Betroffenen „mit etwas behaftet“ ist. Gemeint ist die fleckige Wangenrötung bei Tuberkulosepatienten, die auch als „hektische Rötung“ bezeichnet wurde. Aufgrund der lange anhaltenden Fieberperioden, die bei einer Tuberkuloseerkrankung auftreten können, wurde die Krankheit auch „hektisches Fieber“ genannt.

Wenngleich die Begriffe „hectica“ und „Hektik“ nun zwei gänzlich verschiedene Dinge meinen, so verbindet sie doch eines. Beide sind falsche Freunde: hectica im linguistischen Sinne, Hektik im täglichen Leben.

(*Name geändert; Quelle: Kath. Kirchenbuch Irlbach, J.H. Barth: Genealogisch-Etymologisches Lexikon Bd.1, S. 403.)

8. Januar 2015/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2015/01/Fotolia_70669553_XS-e1420723596957.jpg 200 200 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2015-01-08 14:30:552015-01-13 14:33:00Durch Hektik zur letzten Ruhe
Familienforschung

Angeklagt von Einsteins Ahnen

EinsteinWir schreiben das Jahre 1705. Ein gewisser Moyses Einstein hatte einen Prozess wegen nicht erbrachter Schuldrückzahlungen angestrengt. Am 29. Oktober kam es schließlich zu Verhandlung. Das richterliche Protokoll besagt:

Der Hebräer Moyses Einstein bringt mehrere Schuldklagen gegen Untertanen des Klosters vor, darunter eine gegen Matthäus W.* auf Zahlung von 5 fl. (Florin) aus einem Pferdetausch. Der Beklagte gesteht, statt der geforderten 5 fl. nur einen Gulden schuldig zu sein und sagt, er habe den Rest bezahlt. Der Hebräer bitte, seiner Rechnung anzuhören, und falls diese falsch sei, wolle er das Doppelte nebst 10 fl. Strafe geben.

Natürlich wurden unsere Forscher bei der Erwähnung des Namens ‚Einstein‘ sofort hellhörig. War dies ein Vorfahr von Albert Einstein, d e m Albert Einstein? – die einhellige Antwort darauf lautet: Ja, denn im Stammbaum des Nobelpreisträgers befand sich tatsächlich ein Vorfahr dieses Namens, der sowohl zeitlich wie geographisch passte. Doch handelte es sich ihm um jenen Moyses Einstein wie in obigem Dokument bezeichnet? – Auch dies kann bejaht werden: tatsächlich reichte Moyses Einstein an jenem Tag im Jahre 1705 gleich mehrere Klagen ein, wobei das Dokument ihn stets als ‚Hebräer E.‘ oder ‚Hebräer‘ bezeichnete; nur bei der ersten Klage wird sein Name komplett ausgeschrieben. Durch Abgleich mit weiteren Urkunden konnte ermittelt werden, dass er der einzige ‚Moyses Einstein‘ zu dieser Zeit im Ort war, womit er einwandfrei identifiziert werden konnte. Die Familie unseres Mandanten wurde also seinerzeit von Albert Einsteins Vorfahren verklagt.

Einziger Wermutstropfen: der Richterspruch ist leider nicht erhalten geblieben, womit keine historisch gesicherte Aussage über den Ausgang des Verfahrens möglich ist. Anhand der Formulierung im Dokument ist lediglich erkennbar, dass Moyses Einstein sich der Rechtmäßigkeit und vor allem Richtigkeit seiner Forderungen offenbar sehr sicher war. Eingedenk des weltberühmten Nachfahren, könnte man allerdings trefflich flachsen, dass ein Rechenfehler seitens der Einsteins relativ unwahrscheinlich war.

(*Name geändert; Quelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart; Foto: https://en.wikipedia.org/wiki/Albert_Einstein.)

16. Dezember 2014/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2014/12/Einstein.png 396 280 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2014-12-16 10:00:152018-11-08 10:50:13Angeklagt von Einsteins Ahnen
Familienforschung

Ein geheimnisvoller Brief

old paperAls Kaplan Thomas D., zugleich Chorherr in Konstanz, ebenda 1659 starb, hatte er testamentarisch offenbar alle seine Angelegenheiten geregelt hinterlassen. Als die Erben aus seiner Heimatgemeinde bald darauf am Bodensee eintrafen, um ihren Erbteil am Nachlass in Besitz zu nehmen, fühlten manche sich jedoch ungerecht behandelt – offenbar war der Erbteil nicht üppig genug ausgefallen. Zudem erhielt einer der Erben einen Brief vom Konstanzer Generalvikar, den er auf dem Rückweg dem kirchlichen Amt Heiligkreuztal übergeben sollte. Auf der Rückfahrt über den Bodensee, heißt es, seien die Erben dann aber „übereingekommen, daß jeder seinen Teilzettel habe und der Brief eigentlich nicht so wichtig sei, so daß sie ihn auch wegwerfen könnten“ – was sie dann auch taten. Nur neiderfüllter Vandalismus, eine Lappalie?

Weit gefehlt! Obwohl bis heute keine direkten Anhaltspunkte über den tatsächlichen Inhalt des Briefes vorliegen, gab dessen Vernichtung noch im Jahre 1682, also 23 (!) Jahre später, Anlass zu Streit bis hin zum Gerichtsverfahren: Einer der Erben von damals, Jakob B., klagte wegen Verleumdung. Der nun Angeklagte hatte zuvor Jakob B. angezeigt, dieser habe den Brief in den See „fliegen lassen.“ Jakob B. musste nach einem Vergleich nicht nur die stolze Summe von 20 Gulden und 30 Kreuzern an das Amt Heiligkreuztal Strafe zahlen, sondern hatte auch sein Amt am örtlichen Gericht eingebüßt. In Jakob B.s Darstellung war Martin D., ein Verwandter des Priesters, der tatsächliche Übeltäter. Jedoch konnte B. für seine Anschuldigung keine Beweise präsentieren. Martin D. bestritt seine Täterschaft und wettete gegen seine Schuld kurioserweise um ein Fuder Wein – ein Fuder entspricht je nach Region bis zu 1.950 Liter Wein (!). Weitere Zeugen wollten nichts bemerkt haben.

Letztendlich wurde die Verleumdungsklage des Jakob B. abgewiesen. Es bestand jedoch Anspruch auf Revision, sodass der geheimnisvolle Brief möglichweise noch weiter hohe Wellen schlug.

(Auf diesen interessanten wie rätselhaften Fall stießen unsere Forscher im Zuge einer erfolgreichen Familienforschung in Baden-Württemberg. Als Quellen wurden u.a. Dokumente des Hauptstaatsarchivs Stuttgart und des Staatsarchives Sigmaringen herangezogen.)

2. Dezember 2014/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2014/12/Fotolia_73095129_XS.jpg 283 424 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2014-12-02 10:12:322014-12-04 10:15:48Ein geheimnisvoller Brief
Kurioses, Familienforschung

Hexenwerk in der Rauschenberger Mühle

Halloween_HexeNicht das ach so finstere Mittelalter, nein, die aufgeklärte Frühe Neuzeit ist das Zeitalter der Hexen und Hexenprozesse in Europa. Es waren unter anderem die ihnen zugeschriebenen Zauberkräfte, die Hexen in den Augen der Zeitgenossen zu solch furchteinflößenden Wesen machten. Unter Anwendung von schwarzer Magie seien sie fähig Unheil und Tod über Mensch und Tier zu bringen. Auch unerklärliche Naturphänomene, Unwetter und Missernten wurden zuweilen auf das Treiben einer Hexe zurückgeführt. Entsprechend harte, ja drakonische Strafen drohten bei einer Verurteilung wegen Hexerei. Im Zuge einer Familienforschung bei PRO HERALDICA stießen unsere Genealogen auf eine Ahnin, die genau eines solchen Vergehens angeklagt wurde. Auch zeigt der nachfolgende Fall, dass nicht jede Hexenjagd ihr Ende auf dem Scheiterhaufen fand.

Im Jahre 1668 soll sich in einer Mühle zu Rauschenberg in Hessen Erstaunliches ereignet haben. Wie aus dem Auszug aus der überlieferten Akte wegen Zaugerei hervorgeht, sei es zwischen der Müllerin und ihrem Sohn zu einem Streit gekommen, woraufhin beide ins Obergeschoss der Mühle gegangen waren.

Als unterdessen die „[…] Mahlgäste in der Unterstube auf dem Tisch gekochte Rüben essen wollten, seien ein ziemlicher Haufen Läuse von der Decke herunter auf den Tisch und in und um die Schüssel gefallen, und als dies besagter Müllersohn […] gesehen hatte, habe er mit einem Beil etliche Stücke aus der Decke, woraus die Läuse herunter gefallen waren, herausgeschlagen, woraufhin dann noch weitere etliche unterschiedliche Haufen Läuse in der Größe von Hühnereiern auf den Tisch und um die Schüssel gefallen seien, welche auch so groß gewesen, daß sie die Strohhalme auf dem Rücken fort getragen hätten. Die obgenannten Mahlgäste aber haben die Läuse ins Feuer geworfen und verbrannt […].[1]

Der Läusespuk wurde der Müllerin angekreidet, woraufhin sie angezeigt wurde. Das Ergebnis der sich anschließenden Untersuchung hat die Zeiten leider nicht überdauert, jedoch gibt es Anzeichen dafür, dass sie glimpflich davongekommen ist. Kurz zuvor, im Jahre 1661, war dieselbe Gemeinde gegen eine gewisse Catharine Thielen vorgegangen. Über sie wurde erzählt, ihr Kind habe der Teufel gezeugt, sie wurde der Hurerei und Zauberei bezichtigt und soll auch für einen Brand im Dorf verantwortlich gewesen sein. Jedoch sann man in Rauschenberg nicht auf Blut, sondern die Gemeinde befand, dass sie schnellstmöglich der Stadt zu verweisen sei. So konnte wohl auch unsere Müllerin wegen ihres minderschweren Vergehens mit einer milden Strafe, wenn nicht sogar mit Freispruch rechnen. Sie scheint noch einmal mit dem Schrecken davongekommen zu sein.

(Familienarchiv der Freiherrn von Knoblauch zu Hatzbach; https://de.wikipedia.org/wiki/Hexe)

[1] Zur besseren Lesbarkeit wurden Orthographie und einzelne Begriffe des Originaltextes bearbeitet.

31. Oktober 2014/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2014/10/Halloween_Hexe.jpg 424 283 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2014-10-31 09:00:002018-11-08 10:49:21Hexenwerk in der Rauschenberger Mühle
Familienforschung

66. Genealogentag in Kassel

Anime FanAnime Fan
Anime Fan
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Aussteller auf dem 66. Genealogentag
Aussteller auf dem 66. Genealogentag
Blick auf die Orangerie Karlsau
Blick auf die Orangerie Karlsau
Blick auf Wilhelmshöhe
Blick auf Wilhelmshöhe
Blick auf die Karlsaue
Blick auf die Karlsaue
Documenta 59
Documenta 59
Elisabeth Hospital
Elisabeth Hospital
Elisabeth Hospital
Elisabeth Hospital
Fridericianum, Ottoneum, Staatstheater
Fridericianum, Ottoneum, Staatstheater
Fridericianum
Fridericianum
Friedrichstraße mit Blick auf die obere Königstrasse
Friedrichstraße mit Blick auf die obere Königstrasse
Frühstückstempelchen
Frühstückstempelchen
Rathaus Kassel
Rathaus Kassel
Neue Galerie
Neue Galerie
Martinskirche
Martinskirche
Märchenerzählerin in der Gestalt der Dorothea Viehmann
Märchenerzählerin in der Gestalt der Dorothea Viehmann
Kassel
Kassel
Grimm Museum
Grimm Museum
Rita Koch und Konstanze Wandersleb
Rita Koch und Konstanze Wandersleb
Skulptur von Stephan Balkenhol auf dem Turm der St. Elisabeth Kirche
Skulptur von Stephan Balkenhol auf dem Turm der St. Elisabeth Kirche
Stadtmuseum Kassel im Umbau
Stadtmuseum Kassel im Umbau
St. Elisabeth Kirche
St. Elisabeth Kirche
Tafel vor dem Frühstückstempelchen
Tafel vor dem Frühstückstempelchen
Vortrag
Vortrag
Vortrag
Vortrag
Vortrag
Vortrag
Zwehrenturm des Fridericianeums
Zwehrenturm des Fridericianeums

Unter dem Motto „Auf den Spuren unserer Ahnen..:“ fand am vergangenen Wochenende der 66. Deutsche Genealogentag in und um das Ständehaus in Kassel statt. Mit einer vierköpfigen Abordnung, bestehend aus Rita Koch, Birgit Scheible, Konstanze Wandersleb und Clemens Kech war PRO HERALDICA vertreten. Neben der documenta ist Kassel vor allem als Wirkungsstätte der Brüder Grimm bekannt. Und so brachte uns das Programm des ersten Tages vor allem auf die Spuren der berühmten Märchensammler, welche vielerorts in Kassel anzutreffen sind. Unser Weg führte uns vom Museum Fridericianum, heutzutage das Epizentrum der documenta und einstiger Wirkungspunkt der Grimms, in die Straße Schöne Aussicht im einstigen Hugenotten-Viertel Obere Neustadt, wo die Grimms zeitweise wohnten und zweifelsohne einen eindrucksvollen Blick über die Karlsaue genossen. Weiter ging es zum heutigen Grimm-Museum, weiter zum entzückenden hugenottisch geprägten Frühstückstempelchen und hinauf zum Entstehungsort der neuen Grimm-Welt und zur Wilhelmshöher Allee. Letztere erlaubt in Ihrer Funktion als barocke Sichtachse den Blick auf die Herkules-Statue auf der Wilhelmshöhe. Trotz witterungsbedingt trüber Sichtverhältnisse waren die Umrisse des UNESCO-Weltkulturerbes zu erkennen.

Mit dem Auftritt einer Märchenerzählerin, die die Gastwirtin Dorothea Viehmann darstellte, standen die Brüder Grimm im Zentrum des Abendprogramms. Die historische Dorothea Viehmann war eine wichtige Quelle für die Märchen der Grimms. Wie wir erfuhren lebte und arbeitete Dorothea Viehmann in einem Gasthaus, der „Knallhütte“, wo bevorzugt Händler, die mit einem Fuhrwerk unterwegs waren, einkehrten. Diese ließen noch einmal ihre Peitschen knallen um Ihre Fuhrwerke die Steigung hinaufzutreiben. Von den Gästen des Wirtshauses soll die Viehmännin über die Jahre eine Vielzahl an Märchen zusammengetragen haben, welche sie später den Brüdern Grimm weitererzählte und diese sie aufschrieben. Drei dieser Märchen, nämlich „Der Bär und der Zaunkönig“, „Lieb und Leid teilen“ und „Die drei Sprachen“ bereiteten uns dann auch nach 250 Jahren noch einen heiteren Abend.

Der zweite Tag stand dann ganz im Zeichen der Vorträge in drei verschiedenen Vortragsräumen. Der Vortrag zum Stadtmuseum brachte uns nicht nur die Geschichte des Museums, welches gerade renoviert und auch konzeptionell neu ausgerichtet wird, sondern auch die mehr als 1100-jährige Geschichte der Stadt Kassel näher. Wie schon tags zuvor bei der Grimm-Führung begegnete uns erneut der 22. Oktober 1943 als der „Schicksalstag“ Kassels. Ein alliierter Fliegerangriff zerstörte mindestens zwei Drittel der Bausubtanz – unsere Führerin vom Freitag hatte gar von 92 Prozent gesprochen. Auch die übrigen Vorträge brachten spannende Erkenntnisse zutage. So wurden unter anderem Quellen und Portale vorgestellt, die bei der Erforschung der Familiengeschichte hilfreich sein können. Einen sehr kurzweiligen Vortrag zur Familie Bunsen durch eine Verwandte des berühmten Naturwissenschaftlers und Erfinders des Bunsenbrenners konnte man in der Handwerkskammer erleben. Weitere Highlights waren Vorträge zur Erforschung der in Kassel eingebürgerten Hugenotten und zu den Brüdern Grimm als Altertumsforscher. Hier war auch zu erfahren, dass Dorothea Viehmann eine geborene Hugenottin war und ihre Märchen meist französische Wurzeln haben. International ging es auch sonst zu: Auf den Weg zwischen den einzelnen Veranstaltungsorten trafen wir immer wieder auf die bunt verkleideten Anhänger japanischer Komiks und Zeichentrickserien, die die Enkel der meisten Genealogen hätten sein können. Zeitgleich zum Genealogentag fand in Kassel nämlich eine Manga- und Anime-Convention statt.

Den Abschluss unseres Besuchs in Kassel bildete der Sonntag, der noch einmal zum intensiven Austausch mit alten Weggefährten und Kollegen der Genealogenzunft genutzt wurde. Auch konnten wir so manche neue Bekanntschaft machen und viele anregende Gespräche führen. Wir danken noch einmal herzlich den Veranstaltern, der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck e.V. und dem Dachverband DAGV für die hervorragend Organisation und freuen uns auf ein Wiedersehen in Gotha im Herbst 2015.

 

16. September 2014/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2014/09/Vortrag.jpg 508 680 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2014-09-16 13:12:272022-05-18 09:53:1966. Genealogentag in Kassel
Familienforschung

Gestorben am 1. Frimaire im elften Jahr der Republik

Eine korrekte Datierung der Lebensdaten von Vorfahren gehört zweifelsohne zu den Kernaufgaben der Ahnenforschung. Voraussetzung hierfür sind nicht nur der Zugang zu den entsprechenden Dokumenten und Urkunden sowie die Fähigkeit altdeutsche oder lateinische Handschriften lesen zu können, sondern auch die Fähigkeit aus dem Schriftgut die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die umfassende Kenntnis der historischen Hilfswissenschaften wie der Chronologie ist dabei besonders hilfreich wie folgender Fall beweist.

Eine genealogische Nachforschung führte uns zur Sterbeurkunde des Matthias S., welcher im linksrheinischen Tönisberg westlich von Duisburg (Nordrhein-Westfalen) zur Zeit der französischen Besatzung gestorben war. Die Urkunde befand sich in hervorragendem Zustand, die Handschrift leserlich und trotzdem: das genaue Sterbedatum blieb zunächst im Dunkeln. Zur Datierung wurde seinerzeit nämlich nicht „unser“ gregorianischer Kalender, sondern der französische Revolutionskalender herangezogen. Dieser besaß nicht nur im revolutionären Frankreich Gültigkeit, sondern wurde mit der Expansion Frankreichs durch die Revolutionsarmee (1. Koalitionskrieg) und Napoleon auch in besetzten Gebieten angewandt. Zwar wurde schon ab dem 1. Januar 1806 wieder nach dem gregorianischen Kalender datiert, aber ab 1793 geistern nun die unbekannten Zeitangaben durch alle möglichen Urkunden. So auch in unserem Fall:

Transkrption:

Vom Ersten Tag des Monats Frimaire Eÿlften Jahr der frankischen Republik.

Sterbe-akt von Matthias S. verschieden den Ersten Frimaire

um nuÿn Uhr des abends seines Standes Taghlöhner des Alters von nuÿnundzegzig Jahre, gebohren zu Antonius bergh Departments der Ruhr

wohnhaft zu Antonius bergh, departemts der Ruhr, Canton Kempen

Quelle: Standesamt Tönisberg

Rekonstruieren wir zunächst die Jahresangabe. Am 5. Oktober des Jahres 1793 hatte der französische Nationalkonvent die Einführung des Revolutionskalenders beschlossen. Diese neue Zeitrechnung begann rückwirkend mit dem 22. September 1792, dem Gründungsdatum der Republik und der Herbstnachtgleiche, was zugleich den Jahresanfang markiert. Da es kein Jahr 0 gibt, beginnt demnach das elfte Jahr, das wir suchen, mit dem Herbst 1802 und endet im Sommer 1803.

Auch Wochen und Monate waren neu organisiert worden. Das Jahr hatte zwar weiterhin zwölf Monate aber immer zu je 30 Tagen. Jeder Monat war in drei Dekaden eingeteilt. Die zehn Tage dieser Dekaden hießen primidi, duodi, tridi usw. décadi, wobei der zehnte Tag der Woche, der Feiertag war. (Ab 31. März 1802 wieder siebentägige Woche). Außerdem wurden neue Monatsnamen eingeführt, die sich an der Ökonomie der jeweiligen Jahreszeit orientierten. Sie hießen:

Automne (Herbst) Vendémiaire = Weinmonat (September)
Brumaire = Nebelmonat (Oktober)
Frimaire = Reifmonat (November)
Hiver (Winter) Nivôse = Schneemonat (Dezember)
Pluviôse = Regenmonat (Januar)
Ventôse = Windmonat (Februar)
Printemps (Frühling) Germinal = Keimmonat (März)
Floréal = Blütenmonat (April)
Prairial = Wiesenmonat (Mai)
Eté (Sommer) Messidor = Erntemonat (Juni)
Thermidor = Hitzemonat (Juli)
Fructidor = Fruchtmonat (August)

Am Ende des Jahres folgten die Ergänzungstage, die jours complémentaires, zeitweise auch sansculottides genannt: fête de la vertu, fête du genie, fête du travail, fête des récompenses und im Schaltjahr noch fête de la Révolution. Diese Tage waren Festtage; die christlichen Feiertage waren abgeschafft worden. Für unsere Datierungsaufgabe bedeutet das, dass Matthias S. im November 1802 verstorben sein muss und zwar am „Ersten Tag des Monats“, was unserem 22. November entspricht.

Französische Kalenderuhr um 1800Zuletzt sei noch erwähnt, dass selbst die Zeitangaben einen anderen Wert erhielten, sie wurden auf ein Dezimalsystem umgestellt. Der Tag begann um Mitternacht und hatte fortan 10 Stunden. Diese waren wiederum in 100 Minuten unterteilt, die jeweils 100 Sekunden zählten. Die Sekunde wurde damit ca. 14% kürzer, die Minute um fast die Hälfte länger und die Stunde fast zweieinhalb mal so lang. Wenn wir davon ausgehen, dass auch bei der Stundenangabe in unserer Urkunde die französische Dezimalzeit gemeint war, so entspricht der angegebene Todeszeitpunkt von 9 Uhr in etwa unserem 21:36 Uhr. Der Zusatz „des abends“ lässt allerdings erahnen, dass eher die Uhrzeit eines Tages mit zweimal zwölf Stunden gemeint ist.

Nachdem die Republik durch das Kaiserreich wieder abgelöst war, wurde auf Beschluss des Senats durch ein Dekret Napoleons vom 9. September 1805 der Revolutionskalender zum Jahresende abgeschafft und der alte gregorianische Kalender am 1. Januar 1806 wieder eingeführt. Die großen Schwierigkeiten, die sich aus dem vom ganzen übrigen Europa abweichenden Kalender ergaben, wurden somit beseitigt.

Wie Sie selbst einmal eine Datierung vornehmen möchten, haben wir eine kleine Aufgabe für Sie. Folgender Eintrag entstammt dem Geburtsregister des Standesamts Köln.

Bonne chance!

 

Transkrption:

MAIRIE d Cologne

ARRONDISSEMENT communal d Cologne

Du quatorzieme jour du mois de Prairial l`an treize de la République francaise

ACTE DE NAISSANCE de Therése O.,

née le quatorze Prairial à onze heures de matin, fille de Antoine O., tailleur et de Christine A., epoux demeurant rue de Maximin No. 2681.

 

Übersetzung:

Bürgermeisterei Köln

Regierungsbezirk Köln

Den 14. Tag des Monats Prairial im 13. Jahr der französischen Republik

GEBURTSURKUNDE der Therese O.,

geboren den 14. Prairial um elf Uhr morgens, Tochter des Anton O., Schneider und der Christine A., Eheleute, wohnhaft Maximinstraße No. 2681.

 Quelle: Geburtsregister Standesamt Köln (erhalten beim Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland in Duisburg).

2. September 2014/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2014/09/Sterbeeintrag-für-Blog.jpg 393 749 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2014-09-02 09:08:442022-05-09 08:08:17Gestorben am 1. Frimaire im elften Jahr der Republik
Familienforschung, Kurioses

Ein Trunkenbold in Wiesenbronn

Einträge in Kirchenbüchern zu Geburt, Taufe, Heirat, Tod und Begräbnis sind üblicherweise geprägt von nüchterner Sachlichkeit und beschränken sich in aller Regel auf das Wesentlichste: lediglich die Namen der beteiligten Personen, der Ort des jeweiligen Vorgangs und das Datum der Amtshandlung werden festgehalten. Schließlich handelt es sich in erster Linie um einen Verwaltungsvorgang. Persönliches hat meist keinen Platz und überdauert daher nur selten die Jahrhunderte. Manchmal haben unsere Genealogen jedoch Glück. Bei einer von Pro Heraldica durchgeführten Familienforschung, die sich insgesamt sehr erfolgreich entwickelte, stieß man auf folgenden kurzen, aber umso aussagekräftigeren Begräbniseintrag aus Bayern:

(1715) Den 4. Marty (März) Jacob L. welcher vor 10 Wochen vom Pferd in (den) Bach fallend das Bein zweymal gebrochen und sonst dem Trunk sehr ergeben gewesen, alt 61 (Jahre) zur Erde bestattet. Text Hiob 5. Seelich der Mensch den Gott strafet. (Quelle: Quelle: Kirchenbuch Wiesenbronn/Bayern. Geburten/Taufen, Trauungen, Sterbeeinträge 1689-1744.)

Verweise in Kirchenbucheinträgen

Der damalige Pfarrer, der diesen Kirchenbucheintrag verfasste, hat der Nachwelt bzw. den erstaunten Nachfahren gleich mehrere Informationen hinterlassen. Vor allem der Verweis auf die Vorliebe des Verstorbenen zum Genuss alkoholischer Getränke überrascht und ist sicherlich als Seitenhieb zu interpretieren. Bei besagtem Trunk dürfte es sich höchstwahrscheinlich um Wein gehandelt haben, da in Wiesenbronn seit Jahrhunderten der Weinanbau heimisch ist. Noch heute bezeichnet sich die Gemeinde Wiesenbronn als „Rotweininsel am Steigerwald“ (Quelle: Vgl. www.wiesenbronn.de). Als protestantischer Pfarrer (Kirchenbuch und Verstorbener sind evangelisch) dürfte der Autor zudem überaus kritisch dem Alkoholkonsum gegenübergestanden haben, wie allgemein die damalige evangelische Geistlichkeit. Bereits von dem Reformator Martin Luther ist der Satz überliefert: „Es muß ein jeglich Land seinen eigenen Teufel haben, Welschland seinen, Frankreich seinen, unser Deutscher Teufel wird ein guter Weinschlauch seyn, und muß Sauff heißen, daß er so durstig und hellig ist, der mit so großem Sauffen Weins und Biers nicht kann gekühlt werden […].“ (Quelle zitiert nach: Artikel „Trinken und Trinksucht“, in: Krünitz, Johann Georg: Ökonomisch-technologische Encyklopädie, Berlin 1846, S. 120.) Der Ahn hatte offenbar gerne Wein getrunken und dies zuweilen im Übermaß.

 

Nichtsdestoweniger hatte der Pfarrer wohl auch Mitleid mit dem Verstorbenen, wenn wir davon ausgehen, dass sein Tod in Zusammenhang mit dem Sturz vom Pferd zehn Wochen zuvor steht. Eingedenk der Tatsache, dass die damalige Medizin noch nicht die Möglichkeiten von heute besaß, musste der Verstorbene vor seinem Tod sicherlich große Schmerzen erdulden. Dieser Umstand liefert denn eine möglich Erklärung für die Wahl des Grabspruchs aus dem Buch Hiob (5:17). Dort heißt es: „Siehe, selig ist der Mensch, den Gott strafet […].“ Auch Hiob musste großes Leid und Pein vor seiner Erlösung erdulden.

Persönliche Anmerkungen verleihen Profil

Solche und andere Kirchenbucheinträge mit sehr persönlichen Anmerkungen zum Betroffenen oder mit Kritik des Pfarrers geben oftmals ein gutes Bild der früheren Umstände und des Zeitgeistes wieder. Es sind Einträge wie diese, die dem Vorfahren fast 300 Jahre nach seinem Tod ein menschliches Profil verleihen und als Individuum greifbar machen. Weitere Beispiele lassen sich vor allem zu Bräuten finden, die schwanger vor den Traualtar traten und oftmals mit sehr harten und abwertenden Begriffen versehen wurden.

22. August 2014/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png 0 0 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2014-08-22 12:14:562019-02-27 11:26:31Ein Trunkenbold in Wiesenbronn
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