Wie in jedem Jahr kommt die genealogische Fachwelt im Herbst zusammen, um aktuelle Entwicklungen in der Familienforschung zu diskutieren und um alte und neue Kollegen zu treffen. Unter dem Motto „Van Ossenbrügge in de wiete Welt“ bot der hochmoderne Solarlux Campus im niedersächsischen Melle bei Osnabrück die Bühne für den 70. Deutschen Genealogentag. An insgesamt 44 Ständen zeigten die Aussteller, was es Neues aus der Welt der Familienforschung gibt. Von Pro Heraldica waren Rita Koch, Frank Lüken, Birgit Scheible, Konstanze Wandersleb und Clemens Kech vor Ort. Es sollte ein abwechslungsreiches Wochenende werden.
Ein emotionaler und aktueller Auftakt
Das Motto der Veranstaltung hätten die Organisatoren nicht besser wählen können. Wie kein zweites Thema beherrschen Auswanderung und Migration derzeit Politik, Gesellschaft und Medien. Gerne wird dabei ausgeblendet, dass es Migrationsbewegungen zu allen Zeiten gegeben hat – gleichwohl in sich verändernder Intensität. In der Familienforschung fand das Thema ‚Migration‘ vor allem aufgrund der Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts seinen Platz. Es zählt dabei zu einem der spannendsten Themenkomplexe des Faches.
Überaus passend erscheint es daher, dass bei der feierlichen Eröffnung des Genealogentages 2018 neben den Organisatoren und Vertretern der Politik u.a. Ingeborg Carpenter sprach. Aufgewachsen im Emsland und im Hunsrück, emigrierte sie in den 1970ern im Alter von 21 Jahren in die Vereinigten Staaten. In einem eindrücklichen und sehr persönlichen Vortrag erzählte sie aus ihrer Biographie. Sie wusste dabei nur allzu gut von den Licht- und den vielen Schattenseiten zu berichten, welche den Auswanderer in der Fremde erwarten. Insbesondere ihre Sehnsucht nach Heimat hat sie nie wirklich losgelassen – mancher im Publikum war sichtlich bewegt.
Von Heuerlingen und Hauben
Selbstredend griffen viele der insgesamt 29 Fachvorträge das Leitthema auf. Dabei wurden nicht nur die Quellen für die Auswandererforschung behandelt, sondern auch die Beweggründe beleuchtet, die heimatliche Scholle zu verlassen. Exemplarisch sei ein Vortrag zum Heuerlingswesen in Nordrhein-Westfalen genannt. Darin zeigte sich die prekäre Situation der Heuerlingsfamilien. Sie lebten häufig in bitterster Armut und in vollkommener Abhängigkeit vom grundbesitzenden Bauern. In Folge von Bevölkerungswachstum und Hungersnot stellten Heuerlinge die größte Auswanderergruppe aus der Region. Ihre Ziele waren vor allem die USA (unterer Mississippi) und Brasilien. Die Nachfahren dieser Auswanderer pflegen zum Teil noch heute die westfälische Kultur und suchen den Bezug zur Heimat der Ahnen. So waren in Melle auch Gäste aus Brasilien und den USA vor Ort. Per Videobotschaft wurde eine brasilianische Heimatgruppe eingespielt.
Interessante Aspekte regionaler Kultur fanden sich auch am Messestand: Eine über 80 Jahre alte Sammlerin erklärte den Besuchern die feinen Unterschiede der Hauben aus dem 19. Jahrhundert. An dieser Kopfbedeckungen war sowohl Konfession als auch der(Familien-)Stand der Trägerin ablesbar.
Hintere Reihe: Katholische Bäuerinnen
Mittlere Reihe: Heuerlingsfrauen
Vordere Reihe: Evangelische Bäuerinnen
Goldene Hauben trugen die Frauen zu ihrer Hochzeit und am ersten von hohen, christlichen Feiertagen. Die mit echtem Silber gefertigten Hauben mit weißem Band wurden zu jedem Sonntagskirchgang und anderen kirchlichen Feiertagen getragen. Im Gegensatz zu diesen wurde bei den goldenen Hauben jedoch Pyrit (Katzengold) und kein echtes Edelmetall verwandt. Die schwarzen Hauben waren für Beerdigungen sowie für Witwen während der vorgeschriebenen Trauerzeit von einem Jahr und sechs Wochen vorgesehen. Die silberne Haube mit blauem Band trug man bei einer etwaigen zweiten Heirat. Hergestellt wurden Hauben und Spitzen von geschickte Frauen in den Wintermonaten. Die bunten Seidenbänder brachten die Bräutigame von Märkten oder von Reisen mit.
Digitalisierung schreitet voran
Das zweite große und nicht weniger aktuelle Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog, war die fortschreitende Digitalisierung. Nicht erst der Einsturz des Kölner Stadtarchivs oder jüngst die Vernichtung tausender Todesbescheinigungen im Staatsarchiv Hamburg verdeutlichten die Relevanz dieses Themenkomplexes. Bei Verlust der Originale, können die Digitalisate als Sicherungskopie dienen. Ferner ist so eine quellenschonende Nutzung möglich. Wenngleich bei der Digitalisierung von Archivbeständen mittlerweile beachtliche Fortschritte zu verzeichnen sind, so wird man noch über Jahre damit beschäftigt sein, weiteres Quellmaterial nach und nach aufzunehmen und bereitzustellen.
Ebenso stand die digitale Ahnenforschung und DNA-Genealogie im Fokus einiger Referenten. Für Forschungsergebnisse, die über jeden Zweifel erhaben sind, bleibt es meines Erachtens aber unabdingbar, die historischen Quellen in die Hand zu nehmen, auszuwerten und so erforschte Daten belegen zu können. Die Quellen richtig zu interpretieren ist dabei eine Wissenschaft für sich. Ebenso sind zur Verortung der Ahnen in ihrem historischen Kontext nach wie vor sorgfältige Forschungsarbeit und fundiertes historisches Wissen unverzichtbar.
Dank und auf bald
Neben hochkarätigen Fachvorträgen hatten die Veranstalter für ein kurzweiliges Rahmenprogramm, u.a. mit Shanti Band und heimatkundlicher Trachtengruppe, gesorgt. Gerade die geselligen Abende konnten genutzt werden, um sich mit alten Kollegen auszutauschen und neue kennenzulernen. Es sei an dieser Stelle nochmals herzlich allen Beteiligten für die hervorragende Organisation des 70. Deutschen Genealogentages gedankt. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Gotha im kommenden Jahr – der „Hauptstadt der Genealogie“.
- Van Ossenbrügge in de wiete Welt
- Begrüßung durch Irmtraud Tiemann (OSFA)
- Dirk Weissleder (DAGV) eröffnet offiziell den 70. Deutschen Genealogen
- Publikum im Solarlux Campus
- Jorge Lauck (Brasilien) u. Dirk Weissleder (DAGV)
- Videobotschaft aus Brasilien
- Shanti Band beim Meet and Greet
- Trachtengruppe beim Tanz
- Vortrag M. Sutter
- Vortrag Dr. Mühlberger (Innsbruck)














Oder: Von waschechten Berlinern, schottischem Adel und spanischen Conquistadoren.
Das Quellenstudium förderte in einigen Linien große Überraschungen zutage: So etwa die Linie Schwarzerd, die als Höhepunkt und Gipfel der Ahnentafel L. betrachtet werden darf – dies aufgrund der Stellung der Familie Schwarzerd in der deutschen Geschichte. Erst in seiner gräzisierten, ins Griechische übersetzten Form Melanchthon, verrät der Name Schwarzerd seinen bekanntesten Vertreter: Philipp Melanchthon, geboren 1497 in Bretten, gestorben 1560 und beigesetzt in der Wittenberger Schlosskirche. Er war ein Bruder des Ahnen Nr. 49.294 in der Ahnentafel L. Martin Luther war 1518 sehr beeindruckt von Melanchthons Antrittsvorlesung und machte den neuen Kollegen wenig später zu seinem Stellvertreter. Aus dem Humanisten wurde der begabte Theologe, Reformator und Kirchenmann Melanchthon. Gemeinsam mit Luther, zu dessen scharfsinnigem Mitstreiter er wurde, begründete er eine wissenschaftliche Theologie im deutschen Sprachraum, die in ihren Wirkungen jedoch weit darüber hinaus reichte. Er schuf die Vorbereitungen für die grundlegenden Artikel der protestantischen Lehre, die zum Kompendium lutherischer Auffassung wurden. Sie haben Jahrhunderte lang die evangelische Theologie geprägt.
Des weiteren führen in der Ahnentafel L. Nachkommen der Linie V. zu den großen Dichtern Friedrich Hölderlin (1770-1843), Ludwig Uhland (1787-1862) und Eduard Mörike (1804-1875) sowie zu dem bekannten Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854).
Heute muss man diese altertümliche Sprache schon übersetzen, zumindest aber sehr genau lesen, um den Sinn hinter einem solchen Dokument zu erkennen (kennt man das nicht auch heute noch, wenn „der Amtsschimmel wiehert“). Also, worum handelte es sich in der Angelegenheit Johann Friedrich D?pling?