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Schlagwortarchiv für: Genealogie

Familienforschung, Mitarbeiter, Unkategorisiert

Rückblick 70. Deutscher Genealogentag in Melle

Wie in jedem Jahr kommt die genealogische Fachwelt im Herbst zusammen, um aktuelle Entwicklungen in der Familienforschung zu diskutieren und um alte und neue Kollegen zu treffen. Unter dem Motto „Van Ossenbrügge in de wiete Welt“ bot der hochmoderne Solarlux Campus im niedersächsischen Melle bei Osnabrück die Bühne für den 70. Deutschen Genealogentag. An insgesamt 44 Ständen zeigten die Aussteller, was es Neues aus der Welt der Familienforschung gibt. Von Pro Heraldica waren Rita Koch, Frank Lüken, Birgit Scheible, Konstanze Wandersleb und Clemens Kech vor Ort. Es sollte ein abwechslungsreiches Wochenende werden.

Ein emotionaler und aktueller Auftakt

Vortrag von Ingeborg Carpenter (IGGC)

Das Motto der Veranstaltung hätten die Organisatoren nicht besser wählen können. Wie kein zweites Thema beherrschen Auswanderung und Migration derzeit Politik, Gesellschaft und Medien. Gerne wird dabei ausgeblendet, dass es Migrationsbewegungen zu allen Zeiten gegeben hat – gleichwohl in sich verändernder Intensität. In der Familienforschung fand das Thema ‚Migration‘ vor allem aufgrund der Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts seinen Platz. Es zählt dabei zu einem der spannendsten Themenkomplexe des Faches.

Überaus passend erscheint es daher, dass bei der feierlichen Eröffnung des Genealogentages 2018 neben den Organisatoren und Vertretern der Politik u.a. Ingeborg Carpenter sprach. Aufgewachsen im Emsland und im Hunsrück, emigrierte sie in den 1970ern im Alter von 21 Jahren in die Vereinigten Staaten. In einem eindrücklichen und sehr persönlichen Vortrag erzählte sie aus ihrer Biographie. Sie wusste dabei nur allzu gut von den Licht- und den vielen Schattenseiten zu berichten, welche den Auswanderer in der Fremde erwarten. Insbesondere ihre Sehnsucht nach Heimat hat sie nie wirklich losgelassen – mancher im Publikum war sichtlich bewegt.

Von Heuerlingen und Hauben 

Selbstredend griffen viele der insgesamt 29 Fachvorträge das Leitthema auf. Dabei wurden nicht nur die Quellen für die Auswandererforschung behandelt, sondern auch die Beweggründe beleuchtet, die heimatliche Scholle zu verlassen. Exemplarisch sei ein Vortrag zum Heuerlingswesen in Nordrhein-Westfalen genannt. Darin zeigte sich die prekäre Situation der Heuerlingsfamilien. Sie lebten häufig in bitterster Armut und in vollkommener Abhängigkeit vom grundbesitzenden Bauern. In Folge von Bevölkerungswachstum und Hungersnot stellten Heuerlinge die größte Auswanderergruppe aus der Region. Ihre Ziele waren vor allem die USA (unterer Mississippi) und Brasilien. Die Nachfahren dieser Auswanderer pflegen zum Teil noch heute die westfälische Kultur und suchen den Bezug zur Heimat der Ahnen. So waren in Melle auch Gäste aus Brasilien und den USA vor Ort. Per Videobotschaft wurde eine brasilianische Heimatgruppe eingespielt.

Hauben 19. Jh.

Interessante Aspekte regionaler Kultur fanden sich auch am Messestand: Eine über 80 Jahre alte Sammlerin erklärte den Besuchern die feinen Unterschiede der Hauben aus dem 19. Jahrhundert. An dieser Kopfbedeckungen war sowohl Konfession als auch der(Familien-)Stand der Trägerin ablesbar.

Hintere Reihe: Katholische Bäuerinnen
Mittlere Reihe: Heuerlingsfrauen
Vordere Reihe: Evangelische Bäuerinnen

Goldene Hauben trugen die Frauen zu ihrer Hochzeit und am ersten von hohen, christlichen Feiertagen. Die mit echtem Silber gefertigten Hauben mit weißem Band wurden zu jedem Sonntagskirchgang und anderen kirchlichen Feiertagen getragen. Im Gegensatz zu diesen wurde bei den goldenen Hauben jedoch Pyrit (Katzengold) und kein echtes Edelmetall verwandt. Die schwarzen Hauben waren für Beerdigungen sowie für Witwen während der vorgeschriebenen Trauerzeit von einem Jahr und sechs Wochen vorgesehen. Die silberne Haube mit blauem Band trug man bei einer etwaigen zweiten Heirat. Hergestellt wurden Hauben und Spitzen von geschickte Frauen in den Wintermonaten. Die bunten Seidenbänder brachten die Bräutigame von Märkten oder von Reisen mit.

Digitalisierung schreitet voran

Das zweite große und nicht weniger aktuelle Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog, war die fortschreitende Digitalisierung. Nicht erst der Einsturz des Kölner Stadtarchivs oder jüngst die Vernichtung tausender Todesbescheinigungen im Staatsarchiv Hamburg verdeutlichten die Relevanz dieses Themenkomplexes. Bei Verlust der Originale, können die Digitalisate als Sicherungskopie dienen. Ferner ist so eine quellenschonende Nutzung möglich. Wenngleich bei der Digitalisierung von Archivbeständen mittlerweile beachtliche Fortschritte zu verzeichnen sind, so wird man noch über Jahre damit beschäftigt sein, weiteres Quellmaterial nach und nach aufzunehmen und bereitzustellen.

Ebenso stand die digitale Ahnenforschung und DNA-Genealogie im Fokus einiger Referenten. Für Forschungsergebnisse, die über jeden Zweifel erhaben sind, bleibt es meines Erachtens aber unabdingbar, die historischen Quellen in die Hand zu nehmen, auszuwerten und so erforschte Daten belegen zu können. Die Quellen richtig zu interpretieren ist dabei eine Wissenschaft für sich. Ebenso sind zur Verortung der Ahnen in ihrem historischen Kontext nach wie vor sorgfältige Forschungsarbeit und fundiertes historisches Wissen unverzichtbar.

Dank und auf bald

Von links: Konstanze Wandersleb, Clemens Kech, Rita Koch, Frank Lüken, Birgit Scheible.

Neben hochkarätigen Fachvorträgen hatten die Veranstalter für ein kurzweiliges Rahmenprogramm, u.a. mit Shanti Band und heimatkundlicher Trachtengruppe, gesorgt. Gerade die geselligen Abende konnten genutzt werden, um sich mit alten Kollegen auszutauschen und neue kennenzulernen. Es sei an dieser Stelle nochmals herzlich allen Beteiligten für die hervorragende Organisation des 70. Deutschen Genealogentages gedankt. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen in Gotha im kommenden Jahr – der „Hauptstadt der Genealogie“.

 

 

 

 

Van Ossenbruegge in de wiete Welt
Van Ossenbrügge in de wiete Welt
Begrueßung durch Irmtraud Tiemann (OSFA)
Begrüßung durch Irmtraud Tiemann (OSFA)
Dirk Weissleder (DAGV) eröffnet offiziell den 70. Deutschen Genealogen
Dirk Weissleder (DAGV) eröffnet offiziell den 70. Deutschen Genealogen
Publikum im Solarlux Campus
Publikum im Solarlux Campus
Jorge Lauck (Brasilien) u. Dirk Weissleder
Jorge Lauck (Brasilien) u. Dirk Weissleder (DAGV)

Videobotschaft aus Brasilien
Videobotschaft aus Brasilien
Shanti Band beim Meet and Greet
Shanti Band beim Meet and Greet
Trachtengruppe beim Tanz
Trachtengruppe beim Tanz
Vortrag M. Sutter
Vortrag M. Sutter
Vortrag Dr. Mühlberger (Innsbruck)
Vortrag Dr. Mühlberger (Innsbruck)

9. Oktober 2018/von Clemens Kech
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/10/Genealogentag-1.jpeg 1003 1181 Clemens Kech https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Clemens Kech2018-10-09 20:25:332019-06-18 10:11:57Rückblick 70. Deutscher Genealogentag in Melle
Familienforschung

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Ein Beitrag von „W wie Wissen“ vom Sonntag, 08.03.2009

Hilfe bei der Ahnenforschung

Harald Heimbach, Ahnenforscher aus Leidenschaft, hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Anstoß gab die Suche nach den eigenen familiären Wurzeln, die er bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen konnte. Es gibt zwar Hinweise auf noch frühere Vorfahren, aber mangels hieb- und stichfester Dokumente verlieren sich die Spuren im Dunkel der Geschichte.

Erste Vorstöße in die Vergangenheit

Harald Heimbach hat sich bei seinen Verwandten umgehört, geschaut, was es an alten Bildern, Dokumenten und mündlichen Überlieferungen gibt. Dabei stieß er auf bis dato völlig unbekannte Fakten. Ein Onkel hatte noch seinen Ariernachweis aufgehoben. Dieses Dokument stammt aus der Hitlerzeit – vor dem zweiten Weltkrieg. Damals stand die Ahnenforschung überwiegend im Zeichen der Rassenideologie, jüdische Vorfahren galten als Makel. Wenn auch aus einem der dunkelsten Kapitel Deutschlands stammend, enthält der Ariernachweis dennoch wertvolle Informationen über die Familiengeschichte. Mit Hilfe der Daten kann sich Harald Heimbach von Generation zu Generation in die Vergangenheit vortasten. Dabei findet er unter anderem heraus, dass die meisten seiner Ahnen im schwäbischen Ehingen ansässig waren…

Quelle: daserste.de/wwiewissen

18. Juli 2011/von Alexandra Scheiderbauer
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2011/07/Familienforschung-Video1.jpg 200 200 Alexandra Scheiderbauer https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Alexandra Scheiderbauer2011-07-18 19:59:182022-11-08 13:02:25Familienforschung Video
Familienforschung

Die Inka-Prinzessin

Oder: Von waschechten Berlinern, schottischem Adel und spanischen Conquistadoren.
Wir forschten und fanden: nur dieses Mal fanden wir etwas vollkommen Unerwartetes! Alles fing im nördlichen Teil Mitteleuropas an, genauer gesagt in der deutschen Hauptstadt: Berlin. So war der Vater unseres Mandanten und damit unsere Ausgangsperson – gebürtiger Berliner. Er war zugleich Sohn eines chilenischen Kaufmanns, dessen Vorfahren im frühen 19. Jahrhundert von der Insel Jersey nach Südamerika gekommen waren.

Einer dieser Vorfahren machte eine gute Partie, denn seine Braut kam aus der schottischen Adelsfamilie McLean. Die McLeans wiederum waren in Peru mit den Nachfahren einstiger Conquistadoren verwandt, der Familie Portocarrero – Calderon y Ego – Aguirre.

Die Conquistadoren (span. Eroberer) waren Entdecker, Abenteurer oder Militärs spanischer oder portugiesischer Herkunft, die im 16. und 17. Jahrhundert große Teile Süd- und Nordamerikas für die spanische Krone einnahmen. Sie hatten oft nicht nur atemraubende Namen, sondern sie raubten selbigen (also den Atem) auch der einheimischen Bevölkerung, indem sie mit ihnen kurzen Prozess machten. Schließlich ging es um indianische Gold- und Silberreiche, Land und jede Menge wirtschaftliche und politische Macht. In der Neuen Welt, fernab vom direkten Zugriff der spanischen Krone, konnte man leicht zu Reichtum, Ehre und Macht gelangen.

Wehte unseren Forschern bei den McLeans noch die kühle Brise der nördlichen Erdhalbkugel entgegen, befanden wir uns nun plötzlich bei ihren Vorfahren mitten im tropisch-schwülen Peru.

Man muss wissen, dass family-business für die Conquistadores ein regelrechtes Heimspiel war. Jedes große oder kleine Geschäft wussten die hombres mit eleganter Diskretion unter sich abzuwickeln. Ein besonders nachhaltiges Geschäft, um sich Einfluss zu sichern war: Eine kluge Heiratspolitik. Dabei blieb man – wie auch sonst – gerne unter sich. Diese Angewohnheit, alle seine Geschäfte nur mit seinesgleichen zu machen, führte letztlich dazu, dass die verwandtschaftlichen Beziehungen unseres Mandanten immer weiter in Conquistadore-Kreise reichten. So bewegte sich unsere Forschung ab einem bestimmten Zeitpunkt der Familiengeschichte nur noch von Erobererfamilie zu Erobererfamilie und liest sich wie ein Who-is-Who des spanischen Hochadels. Hatte man dort einmal eingeheiratet, gab es kein Entrinnen mehr.

Einer dieser Conquistadoren wiederum wusste sich besonders vornehm zu verheiraten und ehelichte eine Inkaprinzessin aus dem indianischen Herrschergeschlecht Perus. So fand unsere Forschung einen ihrer Höhepunkte bei Prinzessin Tocto. Als wir Tocto fanden, hieß sie jedoch schon Dona Magdalena – ihren Inkanamen hatte sie bei der Taufe verloren. Wer allerdings annimmt, es wäre hier nur um Standesdünkel gegangen, der irrt. Auch diese Heirat war eine strategische Allianz, sicherte sie doch den Einfluß auf die maßgebliche einheimische Macht und somit auf das Volk der Inkas.

8. April 2011/von Dr. Rolf E. Sutter
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2011/03/weibliche-inka-figuren-gross11.jpg 500 384 Dr. Rolf E. Sutter https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Dr. Rolf E. Sutter2011-04-08 07:13:122022-02-23 14:55:33Die Inka-Prinzessin
Familienforschung

Eine Familie erzählt Geschichte in allen Facetten – Berühmte Männer und mutige Frauen

Die Ahnentafel L. konnte dank außergewöhnlich guter Quellenlage ca. 600 Jahre bis in das Jahr 1380 zurückgeführt werden. Sie umfaßt etwa 1.500 Personen in 20 (!) Generationen.

Das Quellenstudium förderte in einigen Linien große Überraschungen zutage: So etwa die Linie Schwarzerd, die als Höhepunkt und Gipfel der Ahnentafel L. betrachtet werden darf – dies aufgrund der Stellung der Familie Schwarzerd in der deutschen Geschichte. Erst in seiner gräzisierten, ins Griechische übersetzten Form Melanchthon, verrät der Name Schwarzerd seinen bekanntesten Vertreter: Philipp Melanchthon, geboren 1497 in Bretten, gestorben 1560 und beigesetzt in der Wittenberger Schlosskirche. Er war ein Bruder des Ahnen Nr. 49.294 in der Ahnentafel L. Martin Luther war 1518 sehr beeindruckt von Melanchthons Antrittsvorlesung und machte den neuen Kollegen wenig später zu seinem Stellvertreter. Aus dem Humanisten wurde der begabte Theologe, Reformator und Kirchenmann Melanchthon. Gemeinsam mit Luther, zu dessen scharfsinnigem Mitstreiter er wurde, begründete er eine wissenschaftliche Theologie im deutschen Sprachraum, die in ihren Wirkungen jedoch weit darüber hinaus reichte. Er schuf die Vorbereitungen für die grundlegenden Artikel der protestantischen Lehre, die zum Kompendium lutherischer Auffassung wurden. Sie haben Jahrhunderte lang die evangelische Theologie geprägt.

Des weiteren führen in der Ahnentafel L. Nachkommen der Linie V. zu den großen Dichtern Friedrich Hölderlin (1770-1843), Ludwig Uhland (1787-1862) und Eduard Mörike (1804-1875) sowie zu dem bekannten Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling (1775-1854).

Einige Frauen aus der Linie N. übten im 17. Jahrhundert den Beruf der Hebamme aus, der einzige Beruf, der Frauen damals offen stand. Ganz ungefährlich war diese Tätigkeit nicht: Den frühen Hebammen war gemein, dass sie in jener Zeit immer auch in den Verdacht gerieten, mit dunklen Mächten im Bund zu stehen. In den Dörfern des 17. Jahrhunderts, als vielfach der Aberglaube noch längst nicht überwunden war, hatten sich heilkundige Hebammen, die von Berufs wegen (enger noch als die Pfarrer) mit Leben und Tod zu tun hatten, gegen den Vorwurf des Teufelspaktes zu wehren. Unter den Frauen, die Opfer der sogenannten Hexenverfolgungen in der Zeit vom Hochmittelalter bis in das 18. Jahrhundert hinein wurden, waren überdurchschnittlich viele, die den Beruf der Hebamme ausgeübt hatten. Da sich bei ihnen Kenntnisse der Kräuterheilkunde mit allerlei magischem Wissen mischten, waren sie der Zauberei verdächtig. Der spektakulärste Prozess in Württemberg wurde 1621 in Weil der Stadt bei Stuttgart gegen Katharina, Mutter des Astronomen Johannes Kepler, geführt.

Weiterhin belegt die Linie N. in der Ahnentafel L., dass nicht nur in der revolutionären 68er Generation ein lockerer Lebenswandel gepflegt wurde. So finden wir 1669 bei der Heirat einer Vorfahrin in den Kirchenbüchern von Laichingen bei Ulm den Vermerk aus der Ulmer Herrschaft vertrieben wegen begangener Hurerey. Vielen Landesfürsten, für die Thron und Altar, Politik und Religion noch die beiden Seiten des Regierungsgeschäfts darstellten, war die Ordnung nach den verheerenden Jahren des Dreißigjährigen Krieges ein ernstes Anliegen; zu deren Aufrechterhaltung griffen sie zu drakonischen Maßnahmen wie Ausweisung oder Abschiebung aus dem Territorium – hier aus dem Gebiet der katholisch verbliebenen freien Reichsstadt Ulm. Dies war ein probates Mittel, um Übeltäter ein für allemal loszuwerden. Und als „Hurerei“ galt der Obrigkeit damals übrigens alles, was Mann und Frau ohne Trauschein miteinander anstellten.

4. April 2011/2 Kommentare/von Konstanze Wandersleb
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2011/03/Philipp-Melanchthon-gross1.jpg 500 386 Konstanze Wandersleb https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Konstanze Wandersleb2011-04-04 08:17:092022-08-08 15:21:15Eine Familie erzählt Geschichte in allen Facetten – Berühmte Männer und mutige Frauen
Familienforschung

„Lotterleben“ – Aus den Betten des 17. Jahrhunderts…

Bei den Forschungen werden bisweilen auch durchaus pikante Begebenheiten ans Tageslicht bef?rdert. So im Forschungsfall der Familie L.: Bei den Recherchen im Staatsarchiv Sigmaringen fanden sich in den Amtsprotokollen der Herrschaft Hettingen Eintr?ge zu unehelichen Tatvorg?ngen im 17. Jahrhundert. Die sittlichen Bewertungen der damaligen Obrigkeit waren noch sehr streng. Nicht selten musste eine Geldstrafe gezahlt werden, wenn ein vor- oder au?erehelicher Beischlaf bekannt geworden war.

Hier die Eintragung aus den Amtsprotokollen der Herrschaft Hettingen: ?24.10.1687 Jacob S. von Hettingen soll etliche Male n?chtlicher Weile zu Ignati Pf.s Wittib in Hermentingen eingeschlupft sein und mit ihr in unehelichen Sachen zu tun gehabt haben.?
Das hei?t, Jacob S. war nachts wiederholt bei der Wittwe des Ignatz Pf. gewesen. Der Angeklagte gab zu, er habe am ?verwichenen Heiligkreuz-Tag um verloffene Michaelis bei Ignati Pf.s Wittib gedroschen, und so es Nacht worden, bei ihr verblieben und in das Bett gangen, sie ihne nit abgeschaffet, sondern geduldet?.

Er war also am letzten Heiligkreuz-Tag bei der Witwe des Ignatz Pf. zum Arbeiten (Dreschen) gewesen; als es dunkel wurde, ist er bei ihr geblieben und sie habe ihn nicht weggeschickt, als er zu ihr ins Bett kam (oder mit ihr zusammen ins Bett ging?), sondern sie habe ihn geduldet.

Im weiteren Verlauf der Untersuchung stellte sich heraus, dass noch weitere M?nner bei der Witwe waren, die alle namentlich erw?hnt werden. Die Untersuchung ging noch lange weiter. Als Begr?ndung gab die Witwe an, sie h?tte bef?rchtet, ihre Hilfskr?fte auf dem Hof zu verlieren, wenn sie ihnen die n?chtlichen Besuche verwehrt h?tte.

Man kann sich vorstellen, was das Bekanntwerden dieser Sachverhalte f?r die Witwe und die betroffenen M?nner bzw. deren Familie bedeutete. Dennoch zeigt es, dass es auch schon in fr?heren Zeiten Verst??e gegen die moralischen und sittlichen Regeln gegeben hat.

24. März 2011/von Konstanze Wandersleb
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2010/12/soziales1.jpg 200 200 Konstanze Wandersleb https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Konstanze Wandersleb2011-03-24 14:00:432014-12-03 09:34:58„Lotterleben“ – Aus den Betten des 17. Jahrhunderts…
Familienforschung

Genealogische Forschungsergebnisse – Schönfärberei

Der Waid- und Schönfärber Johann Friedrich D?pling stand 1695 und 1696 in Zusammenhang mit der Erlangung des Bürgerrechtes in Konflikt mit seiner Zunft. Darüber gibt es Akten des Stralsunder Rates: ?Im Jahre 1695 hatte Johann Friedrich Deplingen hieselbst das Bürgerrecht als Waidt- und Schönfärber erlangt. Hiegegen kamen die Schwarz- und Schönfärber beim Rathe ein und baten den Deplingen aufzugeben sich der Ausübung der Färberei zu enthalten, der Rat aber schlug es ab, sie kamen hiegegen noch einmal ein, allein wieder vergebens, hierauf wanden sie sich ans Hofgericht und führten die Appelation bei dem selben auch ein, allein der Rath verweigerte die Appellation zu deferiren und die Acta zu übersenden, behauptete, dass die Sache nicht appellabel sein und berichtete dieses ans Hofgericht, worauf auch die Sache liegen blieb; zuletzt übergab der Deplingen noch beim Rathe die Anzeige, dass die Waidt- und Schönfärber von der Regierung ein absonderliches Privilegium und eine Rolle erhalten hätten und legte zugleich die Abschrift dieser Rolle bei, womit diese Sache beendet blieb.?

Heute muss man diese altertümliche Sprache schon übersetzen, zumindest aber sehr genau lesen, um den Sinn hinter einem solchen Dokument zu erkennen (kennt man das nicht auch heute noch, wenn „der Amtsschimmel wiehert“). Also, worum handelte es sich in der Angelegenheit Johann Friedrich D?pling?

Die Waid- und Schönfärber Stralsunds sprachen sich deshalb gegen eine Berufsausübung des Johann Friedrich D?pling aus, weil er diesen in Wirklichkeit sehr anspruchsvollen Beruf angeblich nicht wirklich erlernt hatte. Stattdessen hatte er lediglich bei dem Stralsunder Färber Hans Christoff Schwancke eineinhalb Jahre lang gearbeitet und sich dort ums Holzfahren, Feuermachen, Ausfahren und die Hausarbeiten gekümmert. Also keine fachbezogene Lehre absolviert! Schwancke wiederum war nach Auskunft des Schwarz- und Schönfärberamtes ebenfalls kein Färber, sondern ein Feldscher und Kammerdiener des Feldherren gewesen, der „… alhier ehe wir unser Privilegia erhalten, und in der schlimmen Zeit wie alle Meister unseres Handwerks todt, und es nur lauter Witfrawen in Stralsund gewesen, eine Witwe von unser Hantierung geheyratet und dadurch die Färberey zu treiben sich angemaßet.“

Dem D?pling attestierten die Kollegen, dass er „auch in Lübeck bey einem Manisten sich ein paar jahr aufgehalten, nachdem auch nach Holland gewesen, und von dieser handtierung etwas, wie woll nichts ordentliches und wie sichs gebühret, gefaßet haben soll, und daher wir ohnmöglich zugeben können, daß Er der Farberey alhir gebrauche.“

Den ordentlichen Abschlss einer Lehre erkannten ihm die Meister des Schwarz- und Schönfärberamtes also nicht zu, woraufhin der Abgewiesene dem Rat Belege seiner Tätigkeit als Färber in Lübeck und Holland vorlegte, wo er offenbar jeweils zwei Jahre das Färberhandwerk doch erlernt und ausgeübt hatte, nachdem ihm dies bei Schwancke nicht möglich gewesen war.

Vermutlich hatte er mit seinem Einspruch doch noch Erfolg, denn als er am 21. Mai 1717 in Stralsund heiratete, wurde er als Kaufmann, Waid- und Schönfärber Johann Friedrich D?pling erwähnt.

24. März 2011/von Birgit Scheible
https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2013/07/Faerbewerkstatt-large1-225x300.jpg 300 225 Birgit Scheible https://pro-heraldica.de/wp-content/uploads/2018/07/Logo_156-hoch.png Birgit Scheible2011-03-24 13:05:242022-07-26 15:35:58Genealogische Forschungsergebnisse – Schönfärberei

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