66. Genealogentag in Kassel
Unter dem Motto „Auf den Spuren unserer Ahnen..:“ fand am vergangenen Wochenende der 66. Deutsche Genealogentag in und um das Ständehaus in Kassel statt. Mit einer vierköpfigen Abordnung, bestehend aus Rita Koch, Birgit Scheible, Konstanze Wandersleb und Clemens Kech war PRO HERALDICA vertreten. Neben der documenta ist Kassel vor allem als Wirkungsstätte der Brüder Grimm bekannt. Und so brachte uns das Programm des ersten Tages vor allem auf die Spuren der berühmten Märchensammler, welche vielerorts in Kassel anzutreffen sind. Unser Weg führte uns vom Museum Fridericianum, heutzutage das Epizentrum der documenta und einstiger Wirkungspunkt der Grimms, in die Straße Schöne Aussicht im einstigen Hugenotten-Viertel Obere Neustadt, wo die Grimms zeitweise wohnten und zweifelsohne einen eindrucksvollen Blick über die Karlsaue genossen. Weiter ging es zum heutigen Grimm-Museum, weiter zum entzückenden hugenottisch geprägten Frühstückstempelchen und hinauf zum Entstehungsort der neuen Grimm-Welt und zur Wilhelmshöher Allee. Letztere erlaubt in Ihrer Funktion als barocke Sichtachse den Blick auf die Herkules-Statue auf der Wilhelmshöhe. Trotz witterungsbedingt trüber Sichtverhältnisse waren die Umrisse des UNESCO-Weltkulturerbes zu erkennen.
Mit dem Auftritt einer Märchenerzählerin, die die Gastwirtin Dorothea Viehmann darstellte, standen die Brüder Grimm im Zentrum des Abendprogramms. Die historische Dorothea Viehmann war eine wichtige Quelle für die Märchen der Grimms. Wie wir erfuhren lebte und arbeitete Dorothea Viehmann in einem Gasthaus, der „Knallhütte“, wo bevorzugt Händler, die mit einem Fuhrwerk unterwegs waren, einkehrten. Diese ließen noch einmal ihre Peitschen knallen um Ihre Fuhrwerke die Steigung hinaufzutreiben. Von den Gästen des Wirtshauses soll die Viehmännin über die Jahre eine Vielzahl an Märchen zusammengetragen haben, welche sie später den Brüdern Grimm weitererzählte und diese sie aufschrieben. Drei dieser Märchen, nämlich „Der Bär und der Zaunkönig“, „Lieb und Leid teilen“ und „Die drei Sprachen“ bereiteten uns dann auch nach 250 Jahren noch einen heiteren Abend.
Der zweite Tag stand dann ganz im Zeichen der Vorträge in drei verschiedenen Vortragsräumen. Der Vortrag zum Stadtmuseum brachte uns nicht nur die Geschichte des Museums, welches gerade renoviert und auch konzeptionell neu ausgerichtet wird, sondern auch die mehr als 1100-jährige Geschichte der Stadt Kassel näher. Wie schon tags zuvor bei der Grimm-Führung begegnete uns erneut der 22. Oktober 1943 als der „Schicksalstag“ Kassels. Ein alliierter Fliegerangriff zerstörte mindestens zwei Drittel der Bausubtanz – unsere Führerin vom Freitag hatte gar von 92 Prozent gesprochen. Auch die übrigen Vorträge brachten spannende Erkenntnisse zutage. So wurden unter anderem Quellen und Portale vorgestellt, die bei der Erforschung der Familiengeschichte hilfreich sein können. Einen sehr kurzweiligen Vortrag zur Familie Bunsen durch eine Verwandte des berühmten Naturwissenschaftlers und Erfinders des Bunsenbrenners konnte man in der Handwerkskammer erleben. Weitere Highlights waren Vorträge zur Erforschung der in Kassel eingebürgerten Hugenotten und zu den Brüdern Grimm als Altertumsforscher. Hier war auch zu erfahren, dass Dorothea Viehmann eine geborene Hugenottin war und ihre Märchen meist französische Wurzeln haben. International ging es auch sonst zu: Auf den Weg zwischen den einzelnen Veranstaltungsorten trafen wir immer wieder auf die bunt verkleideten Anhänger japanischer Komiks und Zeichentrickserien, die die Enkel der meisten Genealogen hätten sein können. Zeitgleich zum Genealogentag fand in Kassel nämlich eine Manga- und Anime-Convention statt.
Den Abschluss unseres Besuchs in Kassel bildete der Sonntag, der noch einmal zum intensiven Austausch mit alten Weggefährten und Kollegen der Genealogenzunft genutzt wurde. Auch konnten wir so manche neue Bekanntschaft machen und viele anregende Gespräche führen. Wir danken noch einmal herzlich den Veranstaltern, der Gesellschaft für Familienkunde in Kurhessen und Waldeck e.V. und dem Dachverband DAGV für die hervorragend Organisation und freuen uns auf ein Wiedersehen in Gotha im Herbst 2015.






















































