Feine Adressen Stuttgart – Finden Sie Ihre Wurzeln
»feine adressen – finest« sprach mit Dr. Harald Heimbach, Geschäftsführer von Pro Heraldica, über das aktuelle Interesse an Heraldik und Genealogie, Wappenführung in Deutschland und wie auch Sie mehr über Ihre Familiengeschichte erfahren können.
Herr Dr. Heimbach, wie kommt man zu einem so ungewöhnlichen Beruf?
Das hat bei mir zweierlei Gründe. Während meines Wirtschaftsingenieurstudiums habe ich bereits als freier Mitarbeiter für Pro Heraldica gearbeitet, um mir mein Studium zu finanzieren.
Darüber hinaus war ich immer schon sehr geschichtsaffin und auch an meiner eigenen Familiengeschichte interessiert. Mit meinen eigenen Forschungsmöglichkeiten bin ich relativ schnell an die Grenzen des Machbaren gestoßen, sodass Spezialisten von Pro Heraldica meine Familiengeschichte professionell recherchiert und in Form einer Chronik auch aufgearbeitet haben. Lückenlos sind wir bis 1570 zurückgekommen.
Nach meinem erfolgreichen Studienabschluss hatte ich mehrere Angebote, unter anderem vom damaligen Geschäftsführer und Inhaber das Angebot, als Assistent der Geschäftsleitung einzusteigen. Mir hat sowohl das Thema als auch die Kundschaft sehr gefallen, was darin resultiert, daß ich jetzt schon seit 31 Jahren aktiv für Pro Heraldica tätig bin.
Wie ging es dann bei Ihnen beruflich weiter?
Bereits 1996 übernahm ich kommissarisch die Geschäftsleitung im Hause. Seit 1997 bin ich Hauptgesellschafter und seit 2001 alleiniger Gesellschafter von Pro Heraldica.
2001 war auch ein Schlüsseljahr für unser Haus, denn wir hatten an und für sich nur einen nennenswerten Wettbewerber in Deutschland, der interessanterweise auch in Stuttgart zu Hause war und bereits 1937 von einem renommierten Heraldiker und Genealogen namens Alfred Dochtermann gegründet wurde. 2001 konnte ich das Unternehmen mit der Bibliothek sowie auch das Archiv mit übernehmen.
Wie kommt es, dass gerade in Stuttgart die zwei maßgeblichen Unternehmen für Heraldik und Genealogie ansässig waren?
Das hat historische Gründe. Wie gesagt hat Alfred Dochtermann bereits 1937 das erste Unternehmen gegründet und für sehr viele namhafte Familien im südwestdeutschen Raum über viele Jahre gearbeitet.
Die Pro Heraldica wurde 1972 gegründet, feiert also im kommenden Jahr das 50-jährige Jubiläum und die Unternehmensgründung und daraus entstandene Ideen können mit Sicherheit auch auf das Unternehmen Dochtermann zurückgeführt wer-den.
Was sind heute ihre Beschäftigungsgebiete?
Wie der Firmenname schon vermuten lässt, sind wir u.a. in der Heraldik tätig, d. h. wir recherchieren nach historischen Führungsberechtigungen von Familienwappen. Wir führen Neustiftungen durch, d. h. Neugestaltungen von Familienwappen, Überarbeitungen und Richtigstellungen.
In Zusammenarbeit mit dem WappenHEROLD bringen wir Familienwappen, sowohl alte als auch neue, anschließend auch in der Allgemeinen Deutschen Wappenrolle zur Veröffentlichung und Registrierung und damit auch zur rechtlichen Absicherung.
Seit über 40 Jahren erstellen wir bereits kunsthandwerkliche Arbeiten, denn nur eine Tradition die gelebt wird, hat auch Überlebenschancen. Das beginnt beim klassischen Siegelring, geht über Briefpapier bis hin zu Porzellan, Glas, Silber, Stickarbeiten etc.
Der Bereich Genealogie hat in den letzten 25 Jahren massiv an Bedeutung bei uns im Unternehmen gewonnen. Für die Ahnenforschung unserer Kunden recherchieren wir mittlerweile in 32 Ländern. Das machen wir mit einem Stab von über 300 Mitarbeitern, was weltweit einzigartig ist. Dieses Netzwerk haben wir konsequent in 40 Jahren auf- und ausgebaut und sind damit weltweit Marktführer. Man könnte also behaupten, was wir nicht recherchieren und finden können, das gibt es auch schlichtweg nicht. Wir recherchieren heute in den USA, genauso wie in Australien oder in Russland, in Süditalien, Norwegen oder in Schottland.
Basierend auf den vielen Familiengeschichten und Familienchroniken, die wir geschrieben haben, durften wir auch für etliche familiengeführte Unternehmen tätig werden, wenn es darum ging, ein entsprechendes Jubiläum zu feiern, die Geschichte aufzuarbeiten, Unternehmensarchive zu erstellen und auch Firmenchroniken zu schreiben. Auch hier können wir heute bereits stolz auf 25 Jahre Erfahrung zurückblicken.
Wie würden Sie den klassischen Pro Heraldica Kunden beschreiben?
Im Prinzip können wir über die letzten 20 Jahre drei Trends feststellen:
1. Unsere Kunden wurden in den letzten 20 Jahren immer jünger. Vor 30 Jahren hätte ich das Durchschnittsalter unserer Kunden mit 55+ angegeben. Heute ist die Hälfte unserer Auftraggeber zwischen 35 und 40, teilweise noch jünger.
2. Ein Drittel unserer Kunden sind inzwischen weiblich. Viele Frauen leben tat-sächlich die Gleichberechtigung, sind an ihren Familiengeschichten, genauso wie an der Etablierung von Familientraditionen ähnlich interessiert, wie bis vor ungefähr 50 Jahre es nur die Männer waren, bzw. zum Ausdruck gebracht haben.
3. Auch unser Publikum ist in den letzten Jahren immer internationaler geworden. Rechnung getragen haben wir diese Entwicklung mit der Gründung der Pro Heraldica USA bereits in 2013. Heute haben wir Kundenanfragen aus Mexiko genauso wie aus Dubai, aus Aserbaidschan, Südafrika, den USA und allen europäischen Ländern.
Im Prinzip können wir von einem sehr heterogenen Publikum und Kundenkreis sprechen, der mit Sicherheit auch als sehr exklusiv zu bezeichnen ist. Wir arbeiten doch für sehr viele Unternehmerfamilien in ganz Deutschland, wobei wir durchaus auch ganz außergewöhnliche Kunden zu unserem Kundenstamm zählen dürfen.
Was sind die Beweggründe und Anlässe, warum sich Menschen an die Pro Heraldica wenden?
Die Gründe hierfür können ganz unterschiedlicher Natur sein.
In letzter Zeit waren dies verstärkt Anlässe wie z.B. die Geburt des ersten Kindes, bevorstehende Hochzeiten, also der Beginn eines neuen Lebenskapitels, was mit der Erstellung eines Familienwappens untermauert wurde.
Natürlich aber auch Firmengründungen, bei denen das Wappen dann als Firmenlogo verwendet wird.
Dieses begründet aus dem Wunsch, ideelle und emotionale Werte zu schaffen und an die nächsten Generationen weiterzugeben.
Durchaus aber auch, um mehr über die eigenen Gene und die eigene Geschichte im Zuge einer Familienforschung zu erfahren.
Getreu unserem Motto „ohne Herkunft keine Zukunft“. Woher soll man wissen, wo es hingeht, wenn man nicht weiß, wo man herkommt. Darüber hinaus sind durchaus einige selbstbewusste Kunden mit dabei, die nicht mehr für Fremdmarken und Logos Werbung laufen wollen, sondern im Prinzip sich selbst zur eigenen Marke kreieren.
Wie gehen Sie bei einer Familienforschung vor?
Grundsätzlich halten wir fest, welche Informationen und Unterlagen bei unseren Kunden in den Familien vorhanden sind. Wir benötigen einen konkreten Forschungsansatz für unsere Nachforschungen. Das ist in der Regel das älteste be-kannte Datum des ältesten bekannten Vorfahren.
Im zweiten Schritt legen wir mit unseren Kunden das Ziel der Nachforschungen fest. Gibt es besondere Wünsche? Sollen Militärgeschichten etc. aufgearbeitet werden, Familiengeheimnisse bzw. -sagen geklärt werden? Soll das Ziel der Nachforschung der klassische Stammbaum oder die Ahnentafel sein? Und wenn das feststeht, dann können wir, sobald eine Vollmacht und eine entsprechende Beauftragung vorliegen, auch für unsere Kunden aktiv werden. Familienforschung ist auch für uns in über 80 % der Fälle noch Archivforschung, d. h. wir müssen tatsächlich physisch in Archive gehen und anhand von Originalunterlagen recherchieren. Das hat den großen Vorteil, dass wir alle Informationen, die wir weitergeben können auch anhand von Dokumenten und Übersetzungen der Dokumente für unsere Kunden sauber belegen können.
Mit welchem Zeit- und Kostenrahmen müssen ihre Kunden bei einer Familienforschung rechnen?
Der Zeitrahmen ist schwierig zu beziffern, da auch wir abhängig sind von unterschiedlichen Faktoren. Das ist zum einen die Zugänglichkeit der Quellen, zum andern der Grad der Mobilität der Vorfahren. Dann auch der soziale Stand dieser Vorfahren. Grundsätzlich rechnen auch wir mit einer Bearbeitungszeit von durchaus einem Jahr, oder mehr. Je nachdem, wohin uns die Reise führt.
Auf jeden Fall liegt es auch in unserem Interesse, unsere Kunden mit in die Forschung einzubeziehen, indem wir in regelmäßigen Zeitabständen meist persönliche Treffen mit unseren Kunden vereinbaren, um diese über den aktuellen Fortschrittsstand zu informieren.
Damit kommen wir auch zur Kostenfrage. Im Wesentlichen führen wir solche Familienforschungen auf Erfolgshonorarbasis durch, da auch wir bei aller Professionalität im Vorfeld keine Ergebnisse prognostizieren können. Das Grundhonorar ist der einzig fixe Bestandteil und liegt bei knapp 2.000 €. Und alles andere wird, wie gesagt, erfolgsabhängig durchgeführt.
Wie sieht eine rechtmäßige Wappenführung in Deutschland aus?
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten in Deutschland rechtmäßig ein Familienwappen zu führen. Die erste Möglichkeit ist die Annahme eines historischen Familienwappens. Voraussetzung hierfür ist eine gut recherchierte Familiengeschichte, die möglichst weit zurückreicht und Vorfahren beinhaltet, deren sozialer Stand relativ hoch ist und auch eine Wappenführung ermöglicht.
In der Regel kann man davon ausgehen, dass es auf den meisten Familiennamen nicht nur ein Wappen in der deutschen Literatur gibt, sondern mehrere. Es ist aber wichtig zu beachten, dass der Führungsanspruch für ein historisches Familienwappen sich nicht von einer Namensgleichheit ableiten lässt, sondern von der genealogischen Herkunft. Sie sind zur Führung eines historischen Wappens nur dann berechtigt, wenn sie lückenlos nachweisen können, dass sie vom Stifter dieses Wappens abstammen.
Sollte dieses nicht der Fall sein, dann gibt es die zweite Möglichkeit und zwar eine solche Tradition neu zu begründen. Fast alle Familienwappen, unabhängig davon, wie alt sie sind, gehen auf solche Eigeninitiativen zurück. Auch wir stiften heute noch täglich für Familien Familienwappen neu. Eine Wappenstiftung ist immer eine Gradwanderung zwischen den Wünschen und Vorstellungen unserer Kunden einerseits und den heraldischen Regeln andererseits. Diese Regeln haben sich im Laufe der letzten 800 Jahre nicht geändert. Wir bringen in jedem Fall bei einer solchen Arbeit, die von uns gestifteten Familienwappen im Anschluss auch beim WappenHEROLD in der Allgemeinen Deutschen Wappenrolle zur Rechtsabsicherung und zur Registrierung.
Wie hat sich die Corona-Krise auf ihr Geschäft ausgewirkt?
Grundsätzlich stellen wir seit über 20 Jahren ein massiv gesteigertes Interesse sowohl an der Heraldik, als auch an der Genealogie fest. Das hat durchaus unterschiedliche Gründe. Die junge Generation ist emotional durch den zweiten Weltkrieg nicht mehr vorbelastet und in hohem Maße daran interessiert, was ihre Vorfahren erlebt haben.
Darüber hinaus gibt es mittlerweile große Datenbankanbieter, wie Ancestry und MyHeritage, die es geschafft haben, Hunderte Millionen von Familien weltweit für diese Themen zu begeistern. Deren Möglichkeiten sind auf die digitale Welt begrenzt. Es gibt durchaus viele Menschen, die darüber hinaus mehr wissen wollen. Die lan-den dann bei Spezialisten, wie der Pro Heraldica. Corona, wie andere Krisen auch, konnten unserem Haus Gott sei Dank nichts anhaben. Im Gegenteil – viele Menschen haben durch diese Krise mitbekommen was wirklich wichtig ist. Das ist zum einen die Gesundheit und zum anderen der familiäre Zusammenhalt. Die Wertediskussion ist neu angestoßen worden.
Unsere Kunden hatten auch wesentlich mehr Zeit und Muße, konnten auch nicht verreisen. Somit konnten wir uns im Jahr 2020 eines sehr guten Geschäftsverlaufes er-freuen und 2021 dürfte vermutlich das beste Geschäftsjahr unseres Hauses werden.
Wie sehen Sie die Zukunft der Pro Heraldica?
Die sehe ich grundsätzlich sehr positiv. Wir haben in den letzten 5 Jahren den Generationenwechsel im Haus hervorragend gemeistert und gute, junge Mitarbeiter/-innen für das Unternehmen gewinnen können. Wir liegen mit unseren Themen sehr im Trend der Zeit und haben es in den letzten 30 Jahren verstanden, einen sehr hohen Qualitätsstandard zu definieren und weltweit einen einmaligen Status in einem Nischenbereich zu schaffen.
Eine wichtige Aufgabe wird es zukünftig sein, den Internationalisierungsprozess konsequent weiter zu gehen und hierfür auch weiterhin engagierte und fachkundige Mitarbeiter zu suchen und einzustellen, die uns bei der professionellen Kundenbetreuung unterstützen und den hohen Ansprüchen unserer Kunden gerecht werden.

