XXXIV. Internationale Kongress der genealogischen und heraldischen Wissenschaften in Madrid

Mit pandemiebedingter einjähriger Verzögerung fand vom 20.-23. Oktober 2021 der XXXIV.
Internationale Kongress der genealogischen und heraldischen Wissenschaften in Madrid statt. Unter dem Titel „Soziale Strukturen und ihre Manifestation in Genealogie und Heraldik“ versammelten sich zahlreiche Vertreter aus dem In- und Ausland zu Vorträgen und fachlichem Austausch im Archivo Histórico Nacional. Gastgeber waren die Higaldos de Espana, vertreten u.a. durch Präsident Dr. Ing. Manuel Pardo de Vera y Díaz und Generalsekretär Fernando González de Canales y Ruiz. Die Schirmherrschaft oblag Pedro de Borbón, Herzog von Kalabrien. Ihnen und allen weiteren Helfern und Mitorganisatoren einen herzlichen Dank für einen rundum gelungenen Kongress mit spannenden Vorträgen.

Eindrücke vom Kongressauftakt (spanisch):

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„Soziale Strukturen“ waren also das Leitthema des Kongresses. Besonders hervorheben möchte ich den Vortrag von Dr. Henric Åsklund, der über die Ex Libris des schwedischen Wappenmalers Jan Raneke (1914-2007) referierte. Darin stellte er u.a. heraus, dass Menschen aus praktisch allen Schichten bei Raneke Wappenarbeiten in Auftrag gaben – wobei die gehobene Mittel- und Oberschicht freilich den Löwenanteil der Auftraggeber ausmachte.

Dass das derzeit allgegenwärtige Thema ‚Gender‘ auch die für Heraldik (Stichwort: Damenwappen) auf kurz oder lang eine Herausforderung darstellen wird, zeigte Luc Duerloo von der Universität Antwerpen. Anschaulich präsentierte er praktische Lösungen für die Gestaltung von Wappen abseits binärer Geschlechtereinteilung. Schließlich ist die Heraldik auch immer ein Abbild der Gesellschaft und ihrer sozialen Strukturen. Letztere bestimmten auch den Vortrag unseres geschätzten ehemaligen Wissenschaftlichen Leiters von Pro Heraldica, Dr. Rolf Sutter. Wie schon vor drei Jahren in Arras war Japan sein Thema. Er referierte kompetent und detailliert über den „Japanischen Adel und seine Interaktion mit Gesellschaft und der Staatsmacht.“

Ein Highlight für viele Kongressteilnehmer war sicherlich der Ausflug nach Toledo. In den zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten (Catedral de Santa María de la Asunción de Toledo, Kloster San Juan de los Reyes, Museo Sefardi) ließ es sich kaum Sponsor oder Mäzen nehmen, sein Wappen publikumswirksam einarbeiten zu lassen. Ein Besuch des Archivo de la Nobleza (Adelsarchiv) bildet hierbei den Schlusspunkt. Bis heute bietet das Archiv dem spanischen Adel die Möglichkeit, Nachlässe aus den vergangenen Jahrhundert professionell aufarbeiten und archivieren zu lassen – ein Mammutaufgabe, trotz allmählich zahlreicher werdendem Archivpersonals. Einmalige Stücke wie etwa eine ca. 1200-seitige Wappen- und Adelschronik aus dem 16. Jahrhundert befinden sich hier derzeit in Bearbeitung.

Es gehört zum mittlerweile gut eingeübten Ritual eines jeden heraldischen und genealogischen Kongresses, den Abschluss mit einem Diner zu begehen. Im anregenden fachlichen Austausch fand denn der Ausklang statt. Auch hierfür den Organisatoren einen herzlichen Dank.