Farben in der Heraldik
Bedeutung von Farben im Wappen
Die Farben eines Wappens bezeichnet man in der Heraldik als Tinkturen. Die Farbgebung insgesamt wird als Tingierung bezeichnet. Sie dient dem signalhaften Kontrast von Hell und Dunkel. Jedes Wappen weist daher mindestens zwei Tinkturen auf, wovon die eine „Metall“ (also Gold oder Silber) zu sein hat.
Zur Verfügung stehen Rot, Blau, Grün und Schwarz sowie die Metalle Gold und Silber. Purpur kommt in der Regel nur in klerikalen, also kirchlichen Wappen zur Anwendung. Braun und andere Naturtönungen werden nur geduldet, wenn zwingende Gründe für ihre Verwendung sprechen.
Regeln für die Tingierung des Wappens
- Die Farben im Wappen müssen sich so abwechseln, dass nach Möglichkeit nicht „Metall“ neben bzw. auf „Metall“ oder „Farbe“ neben bzw. auf „Farbe“ zu liegen kommt. Nur Details von Figuren oder besondere Teilungsformen können Ausnahmen bilden.
- Alle Farben werden ausschließlich in einem einheitlichen kräftigen Grundton wiedergegeben. Nuancierungen wie Hellblau, Dunkelgrün etc. haben in der ernstzunehmenden Heraldik keinen Platz.
- Im Übrigen gestattet die Wappenkunst, alle Gegenstände in allen heraldischen Farben zu färben. So kann ein Löwe beispielsweise grün, eine Stadtmauer blau oder ein Fuchs silbern sein, ohne dass damit der Aussage, die das Objekt versinnbildlicht, Abbruch getan wird.
- Die Farben stehen in einer Rangskala, die sich aus der Häufigkeit ihres Vorkommens im Wappenwesen und damit aus ihrer allgemeinen Wertschätzung entwickelt hat. Sie beginnt mit Gold als erster Tinktur und reicht über Silber, Rot, Blau und Grün bis Schwarz. Werden in einem heraldischen Text die Farben in einer Aufzählung gebraucht, so hat sich deren Anordnung nach dieser Skala zu richten.

Symbolik von Wappenfarben
In vielen Texten wird über die Symbolik der Farben berichtet, die in einem Wappen verwendet werden. Allerdings lassen sich solche Deutungen von Werten, Bedeutung und Wichtigkeit als Spekulationen einordnen. Streng genommen sind diese wissenschaftlich nicht zu belegen.
Die Wahl der Farben und Figuren hing von Anfang an davon ab, worauf sich die Gestaltung bezog. Die Kontraste, die eine leichte Erkennbarkeit auf große Entfernung gewährleisten, werden durch die Beschränkung auf wenige und klare Farben erzielt. Diese sind in zwei Hauptgruppen eingeteilt: die Farben im engeren Sinne und die Metalle.
Die Metalle Gold und Silber können durch die nächstgelegenen Naturfarben Gelb bzw. Weiß vertreten werden, was zumeist – besonders auf dem Gebiet der Kommunal- und Staatsheraldik – auch der Fall ist. Die Farben werden nach der Reihenfolge der Häufigkeit, in der sie vorkommen, aufgezählt: Rot, Blau, Grün und Schwarz.
In der Wappenbeschreibung (Blasonierung), die auf englischen und altfranzösischen Vorbildern beruht, haben die Farben eigene Benennungen:
Gelb (Gold): or
Weiß (Silber): argent
Rot: gueules
Blau: azure
Grün: sinople (vert)
Schwarz: sable
Eine allgemeingültige Deutung der Farben nach besonderen Wertvorstellungen war zu keiner Zeit bei der Farbwahl maßgeblich. So eine Farbwahl kommt höchstens in Ausnahmefällen in Betracht. In alten Leitfäden der Heraldik wird sie allerdings aufgeführt. Bei der Schaffung von historischen Familienwappen hat die Sinndeutung der Farben aber nie eine Rolle gespielt.
Es gab im Verlauf der heraldischen Geschichte auch Sonderfarben, wie Braun und Orange. Diese werden allerdings, mit Ausnahme des Purpur der klerikalen Heraldik, heute nicht mehr als klassisch eingestuft.
Pelzwerke

Von Tinctures.svg: Wereonderivative work: Hagman (talk) – Tinctures.svg, CC BY-SA 3.0,
Eine Sonderstellung nehmen die sogenannten Pelzwerke ein, die manche Heraldiker ebenfalls zur Gruppe der Farben rechnen. Sie stammen aus der Frühzeit der Heraldik und werden heute nur in Ausnahmefällen eingesetzt.
Die Benennungen erinnern teilweise an vorderasiatische Sprachen aus der Zeit der Kreuzzüge. So geht der Name „Feh“ (vair) – eine Musterung wie echtes Pelzwerk – wohl auf die weitgespannten Handelsbeziehungen im Mittelalter zurück. An den militärischen Ursprung von Wappen erinnert eine weitere Eigentümlichkeit. Blasonierungen (Wappenbeschreibungen) gehen von der Vorstellung aus, dass der Wappenträger sein Wappen aus seiner Sicht, von seinem Standpunkt aus beschreibt. Was der Beschauer links sieht, ist demnach rechts. Was der Beschauer rechts sieht, ist dementsprechend links.
Schraffuren
Ein Hauptmerkmal der Heraldik sind, wie gesagt, die Farben. Allerdings gibt es Darstellungsformen, die eine Wiedergabe der Farben nicht ermöglichen. Dies sind in erster Linie – bereits in der heraldischen Frühzeit – die Siegel. Für die Formen der Heraldik sind die Siegel nichtsdestoweniger eine erstrangige Erkenntnisquelle.
Seit der Vervollkommnung der Reproduktionstechnik im 15. Jahrhundert wurde dem Mangel der farblosen Siegel schrittweise durch grafische Mittel abgeholfen.
Anstelle der von der jeweiligen Sprache abhängigen Buchstaben, mit denen anfänglich die Felder oder Figuren gekennzeichnet wurden, setzten sich seit Beginn des 17. Jahrhunderts Schraffuren durch. Diese repräsentierten die Farben und erfuhren schließlich internationale Akzeptanz. Bei heutiger künstlerischer Gestaltung ist es allerdings ratsam, mit dem Gebrauch der Schraffuren sparsam umzugehen.

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