Wenn der Stammvater einer der ganz GROSSEN ist

Was haben die Politiker Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz gemeinsam? Sie alle beanspruchen für sich, von Karl dem Großen (im April 747/748–814) abzustammen. Im März 2021 erschien dazu im Focus ein Artikel mit der Überschrift:

„Seine Frauen überlebte er alle. 18 Kinder, 5 Ehefrauen, Geliebte: Tragen wir alle Gene von Karl dem Großen in uns?“.

Darin heißt es u.a. auch, dass es „[…] viel einfacher [sei], mit dem großen Karl verwandt zu sein, als keinerlei Überschneidungen mit dessen Genom zu haben, wenn die eigenen Vorfahren in Europa lebten. Nur beweisen lässt es sich eben nicht immer.“

Karl der Große - Chronik

Darstellung Karls des Großen in der Chronik des Ekkehard von Aura um 1112/14

Dass eine solche Dokumentation jedoch durchaus möglich ist, können wir auch hier bei Pro Heraldica hin und wieder erleben. So geschehen bei einem unserer Forschungsaufträge: Bei der Stammlinie Schott konnten wir in der XV. Generation über eine Elisabeth Eppstein (um 1473–1547) einen Anschluss an das Adelsgeschlecht derer von Eppstein nachweisen, die ihrerseits über diverse Seitenzweige auf Karl den Großen zurückzuführen sind (in der genannten Ahnenreihe befinden sich weitere prominente Vertreter des englischen und französischen Hochadels).

Familien- und Liebesleben von Karl dem Großen

Doch schauen wir uns Karl den Großen einmal als Familienmenschen an. Vorneweg kann gesagt werden, dass das Liebesleben des Kaisers bei weitem nicht dem Bild entsprach, das die Kirche von einem christlichen Herrscher erwartete. Eine Bilanz seines Familien- und Liebeslebens:

  • Er hatte fünf Ehen: mit Himiltrud, mit einer namentlich nicht festgehaltenen langobardischen Prinzessin, mit Hildegard, mit Fastrada und mit Luitgard

    Karl der Große und seine Ehefrau Hildegard als Begründer des Kemptener Klosters abgebildet

  • Die ersten zwei Ehefrauen verstieß er, die anderen drei verstarben noch bevor er seine Kaiserwürde erhielt.

  • Aus diesen fünf Ehen gingen insgesamt 18 legitime Nachkommen hervor (wobei seine dritte Ehefrau Hildegard in der zwölf Jahre andauernden Ehe allein schon neun Kinder zur Welt brachte).

  • Daneben hatte er etliche Geliebte. Historisch belegbar sind heute noch Madelgard, Gerswind, Regina und Adelind. Auch mit seinen Geliebten zeugte der Kaiser etliche Nachkommen.

  • Karl scheint ein echter Familienmensch gewesen zu sein: Sowohl Ehefrauen, als auch Söhne und Töchter begleiteten Karl auf seinen Reisen und bei Festmählern.

  • Besonders zu seinen Töchtern scheint der Kaiser eine enge Vertrautheit gehabt zu haben. Die die bei ihm am Hof lebten, durften zwar selbst keine eigenen Ehen eingehen, ihnen wurde allerdings ein freizügiges Liebesleben zugestanden.

Dies alles eingedenkend, verwundert es nicht, dass sich seine Nachkommenschaft über ganz Europa verteilt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch in Ihnen ein blaues Tröpfchen vom Blut Karls des Großen schwimmt, ist demnach gar nicht so unrealistisch, wenn auch vermutlich in den meisten Fällen nicht (einfach) nachzuweisen.
Wie oben bereits erwähnt, gelang jedoch ein solcher Versuch in der Vorfahrentafel Schott. Über 41 Generationen hinweg lässt sich die Nachfahrenschaft bis hin zu Karl dem Großen nachweisen (insbesondere über die weiblichen Linien).
Die im Anschluss der Forschung gefertigte bildhafte Darstellung dieser Vorfahrentafel mündete in einer 100 x 160 cm großen Abbildung und ist damit eine der mitunter umfangreichsten Arbeiten der letzten Jahre.