Heute vor 70 Jahren wurde das heutige Baden-Württemberg gegründet. Das Gebiet im Südwesten war seit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands dreigeteilt in Baden mit der Hauptstadt Freiburg, Württemberg-Baden mit der Hauptstadt Stuttgart und Württemberg-Hohenzollern mit der Hauptstadt Tübingen.
Bei den gegenseitigen Frotzeleien ist die Grenze zwischen Badenern und Schwaben manchmal heute noch spürbar. Was heute meist lustig gemeint ist, war vor 70 Jahren ein richtiger Streit. Die einen trauten den anderen damals nicht über den Weg.
Am 25. April 1952 wurde das Bundesland Baden-Württemberg mit der Wahl des 1. Ministerpräsidenten Reinhold Maier offiziell gegründet. Grund genug, dass wir uns das Wappen von Baden-Württemberg einmal genauer anschauen. Aus welchen Symbolen besteht es, was bedeuten diese und wie kam das Wappen zustande? Alle diese Fragen beantwortet der Artikel.
Die Wappen der drei Landesteile
Baden
Das Wappen von Baden zeigt in Gold einen roten Schrägbalken.
Württemberg-Baden
Das Wappen von Württemberg-Baden setzt sich aus Elementen der Wappen von Württemberg und Baden zusammen. Für Württemberg stehen die Hirschstangen auf goldenem Grund und das schwarz-rote Streifenpaar, für Baden der rote Schrägbalken auf goldenem Grund. Die Landesfarben sind Schwarz-Rot-Gold.
Württemberg-Hohenzollern
Das Wappen von Württemberg-Hohenzollern zeigt Elemente aus dem Wappen von Württemberg (Hirschstangen) und die Landesfarben von Württemberg, Rot und Schwarz. Es ist von einem schmalen Rand in den Farben Schwarz und Weiß umgeben, den Landesfarben von Hohenzollern.
Blasonierung des Wappen von Baden-Württemberg
Großes Landeswappen von Baden-Württemberg
In Gold drei schreitende schwarze Löwen übereinander.
Auf der Schildoberkante nebeneinander 6 Rundschildchen, die beiden mittleren größer als die äußeren, 1) in Rot drei verkürzte silberne Spitzen, 2) silbern-schwarz geviert, 3) in Gold ein roter Schrägbalken, 4) in Gold drei schwarze Geweihstangen, 5) in Schwarz ein rotbewehrter und -gekrönter goldener Löwe, 6) in Rot ein silberner Balken.
Schildhalter: rechts ein goldener Hirsch mit roten Hufen, links ein goldener Greif mit roten Krallen.
Entwicklung des Wappen von Baden-Württemberg
Auf der Grundlage der Neugliederungsartikel 29 und 118 des Grundgesetzes wurde dieses Bundesland nach einer dort vorgeschriebenen Volksabstimmung vom 9. Dezember 1951 aus den von Besatzungsverhältnissen der Nachkriegszeit geprägten Vorgänger-Ländern Württemberg-Baden in der US-Zone sowie Baden und Württemberg-Hohenzollern in der französischen Besatzungszone gebildet.
Diese schöpferische Vielfalt im Rahmen einer größeren Einheit lässt sich übrigens am großen Landeswappen ablesen.. Sein einheitliches Schildbild trägt nämlich eine Krone, die von sechs Plaketten mit Wappen früherer Territorien dieses Raumes gebildet wird. Die Republik besitzt auch ein Selbstverständnis, das sie berechtigt, als ein alle ihre Teile repräsentierendes Schildbild das auf die staufischen Herzöge von Schwaben zurückgehende Drei-Löwen-Wappen zu führen.
Diese zentralen Plaketten der Wappenkrone sind von vier weiteren flankiert.
Vorne sind die silber-roten Spitzen, der „fränkische Rechen“ des Herzogtums Ostfranken zu sehen. Daneben steht der von Silber und Schwarz gevierte „Zollernschild“ für die vormals hohenzollerischen Gebiete. Hinten schließen sich der rot bewehrte, bezungte und gekrönte Löwe der Kurpfalz in Schwarz und schließlich der für die einst vorderösterreichischen Lande im Breisgau, am oberen Neckar, in Oberschwaben und im Westallgäu stehnde österreichische „Bindenschild“ in den Farben Rot-Silber-Rot an. Der Hirsch ist der traditionelle Schildhalter früherer württembergischer, der Greif ein ebensolcher ehemaliger badischer Staatswappen.
Drei-Löwen-Wappen
Das ungeteilte Schild des bewusst nicht historisierend stilisierten Drei-Löwen-Wappens betont die Einheit des Landes. Es war, wie bereits erwähnt, Symbol des Herzogtums Schwaben, dem das ganze spätere badische, württembergische und hohenzollerische Gebiet südlich der Kraichgau-Hesselberg-Linie zugehörte.
Die 800jährige Tradition der „Stauferlöwen“ ist zuerst in einem Siegel Herzog Friedrich V. von Schwaben, einem Sohn des Kaisers Friedrich Barbarossa, zu fassen. Dieses seit 1181 nachgewiesene Reitersiegel lässt auf der sichtbaren einen Hälfte des gebogenen Schildes einen aufgerichteten Löwen erkennen. Auf einem vermutlich echten aber an einer gefälschten Urkunde überlieferten Reitersiegel des späteren Königs Philipp (1196-1198) sind dann erstmals drei Löwen übereinander zu sehen, die dann auch Herzog Heinrich (1216-1220) als Hausschild beibehalten hat. Mit dem Untergang der Staufer erlosch auch das Herzogtum Schwaben, doch blieb sein Drei-Löwen-Wappen offenbar als Symbol Schwabens in Erinnerung. Bei der Erhebung Württembergs zum Königreich nahm König Friedrich 1806 auch den Titel „souveräner Herzog in Schwaben“ an und das Drei-Löwen-Wappen – neben seinem Stammwappen – in den Herzschild seines großen Wappens auf. Es blieb bis zum Ende der Monarchie im Jahre 1918 einer der beiden Bestandteile des gespaltenen württembergischen Staatswappens.
Soviel zur Vorgeschichte des Drei-Löwen-Wappens, das durch das Gesetz über das Wappen des Landes Baden-Württemberg vom 3. Mai 1954 zu neuem Leben erweckt worden ist. Regierung, Minsterpräsident, Ministerien, Landesvertretung beim Bund, Staatsgerichtshof, oberste Gerichte, Rechnungshof und Regierungspräsidien führen das große Landeswappen. ohne Schildhalter, Wappenkrone und Fußleiste wird das kleine Landeswappen von den oben nicht aufgezählten Landesbehörden, den Notaren und sonstigen Berechtigten geführt. Es besteht aus dem bereits beschriebenen Drei-Löwen-Schild, der aber eine – auch „Volkskrone“ genannte – goldene Blattkrone trägt. Diese von den Monarchenkronen älterer Staatswappen klar unterschiedene Kronenform wurde bereits nach 1918 in den damaligen Republikwappen als Symbol der Volkssouveränität entwickelt.

(Quelle: „Wappen und Flaggen der Bundesrepublik Deutschland und Ihrer Länder“ herausgegeben von der Zentrale für politische Bildung, Bonn 1994)




