Vetternwirtschaft in Quakenbrück
Bei einer Ahnenforschung sind wir unlängst auf einen Fall von Vetternwirtschaft gestoßen: Johann Hegewisch, geboren am 10. Juni 1646 in Quakenbrück und ebenda Stadtrat, damals „Ratsverwandter“ bzw. „Senator“ genannt) hatte fünf Kinder.
Dass der älteste Sohn Engelbert des Johann Hegewisch gelegentlich von dem hohen Rang seiner Familie in Quakenbrück profitierte, belegt das folgende Ratsprotokoll. Offenbar schützten nämlich der gute Ruf und das ehrbare Amt des Stadtrates vor übler Nachrede und gar Strafverfolgung!
Engelbert Hegewisch hatte nämlich ein Versprechen nicht eingehalten und damit den Koch Jürgen Schürmann geprellt! Schürmann hatte ursprünglich wohl Engelberts Zusage erhalten, dessen Hochzeitsmahl zuzubereiten. Offenbar erhielt er aber den Auftrag nicht und war darüber so erbost, dass er ihn einen „Hundt und Lügner“ nannte. Dies hätte er besser nicht getan, denn er musste diese Beleidigung gegenüber dem ehrenwerten Ratsherren Johann Hegewisch und seinem Sohn Engelbert vor Zeugen wieder zurücknehmen und sich entschuldigen.
Die Originalformulierung
Zur Verdeutlichung, welche Texte wir bei unseren Recherchen vorfinden, hier die Originalformulierung.
In der juristischen Sprache des 17./18. Jahrhunderts mit ihren lateinischen und latinisierten Formulierungen liest sich der Prozess so:
d. 4. Maji 1702
H. Johann Hegewisch Senator contra Jürgen Schürman
den Koch waß Er sich Sich in Henrich Burken Hauße gantz ohngebührlich verlauten lassen
Sein Sohn Engelbert Hegewisch d. Hundt und Lügner
Hette ihm zugesagt, daß er auf seiner Hochzeit kochen
Sollte, solches aber nicht gehalten.
Sistirte deßhalber Gezeugen Johan Meyland, Hinrich
Burken und Johan Dirck Vetten, welchge de primo (avisat ?) Deprecirten, daß sie solches in Henrich Burken Hause von dem Koch Schürman gehört p. cum oblatione
Dirich Sudendorp Herbert Schahend
d. 11 Maji deprecirte Jürgen Schürman der Koch und
bekannte öffentlich, daß er von H. Hegewisch und seinem Sohn Engelbert nicht anders als nur Ehr und gutes zu sagen Wüste, und hette er auß Eiffer sein wort geredet Wäre es ihm leid, und baht ihm solches Zu vergeben.
Testes [Zeugen] Hilmar francke und
Herman Mehlman

