Die Turmschädel aus Bayern

By Anagoria (Own work) [GFDL or CC BY 3.0], via Wikimedia Commons
Genetische Besonderheit der künstlich herbeigeführt?
Der Hintergrund: Bei verschiedenen Ausgrabungen in Gräbern früherer bayrischer Siedlungen stießen Forscher immer wieder auf Frauenskelette mit länglichen Schädeln, sogenannte Turmschädel. Jetzt stellte sich natürlich die Frage, ob es sich bei dieser ungewöhnlich langen Schädelform um eine genetische Besonderheit handelt oder ob diese künstlich herbeigeführt worden war.
Zuerst machten sich die Forscher daran, die genetische Herkunft der Schädel zu klären. Dabei stellten sie fest, dass es sich zum einen ausnahmslos um Frauenschädel handelt. Zum anderen ergaben die Untersuchungen, dass diese genetisch am ehesten dem heutigen Bulgarien und Rumänen zuzuordnen sind. Diese Tatsache gibt Aufschluss darüber, dass in der Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter ein großer Zustrom an Zuwanderern aus Südosteuropa in das heutige Bayern stattgefunden hat.
Turmschädel mit Bandagen umwickelt
Die Untersuchungen ergaben außerdem, dass die turmförmige Schädelform keine genetischen Ursachen hat. Die Forschungsgruppe fand heraus, dass der Turmschädel durch Umwickeln des Schädels mit Bandagen entstanden war. Die Bandagen wurden bereits in der frühen Kindheit um den noch formbaren Kinderschädel gewickelt. Dies führte zu einer unumkehrbaren Schädeldeformation.
Solche Praktiken sind auch von amerikanischen oder afrikanischen Ureinwohnern bekannt. Diese dienten meist dazu, eine Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse zu demonstrieren. Allerdings könnte man auch mutmaßen, dass es sich dabei einfach um ein Schönheitsideal der damaligen Zeit handelte.
In den Forschungen zeigte sich, dass der Turmschädel in Bayern nach etwa einem halben Jahrhundert wieder verschwand. Dies könnte ebenfalls ein Hinweis darauf sein, dass es sich um ein Schönheitsideal dieser Zeit handelte.
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