Namensgebung in den Niederlanden
Niederländische Nachnamen – eine Napoleonische Norm

Joostik, CC0, via Wikimedia Commons
Die meisten Bewohner der nördlichen Provinzen der Niederlande hatten bis 1810 keine Familiennamen im heutigen Sinne. Stattdessen wurde traditionell immer der Vorname des Vaters dem Vornamen seiner Söhne und Töchter als sogenanntes „Patronym“ angehängt: Der Name „Albert Pieters“ bedeutete also ganz einfach „Albert, Sohn von Pieter“ und der Name „Grietje Jans“ demnach „Grietje, Tochter von Jan“.
Niederlande ab 1795
Ab 1795 wurden die Niederlande von Frankreich beherrscht. Von 1806-1810 gab es kurze Zeit ein Königreich Holland mit Louis (niederl.: Lodewijk) Napoleon Bonaparte, dem Bruder Napoleons, als König. Die Niederlande wurden 1810 Frankreich ganz einverleibt, wodurch auch die französische Gesetzessammlung des Code Civil für die Niederlande gültig wurde.
Teil dessen war die Verpflichtung für jeden Bürger, einen Familiennamen anzunehmen. In Provinzen wie Südholland hatte bereits vor dieser Pflicht fast jeder einen festen Familiennamen angenommen. In nördlichen Provinzen wie Drenthe oder Friesland hingegen hielten sich vor allem in ländlichen Regionen auch nach Inkrafttreten des Gesetzes zunächst nur wenige Leute daran.
Nach 1815

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Nach der Schlacht von Waterloo 1815 wurden die Niederlande nun wieder zu einem selbständigen Staat, dem Königreich der Niederlande. Auch der Regierung des neuen Königreiches war es wichtig, dass die Bürger Familiennamen hatten. Darum wurde 1823 eine Kampagne organisiert, die dazu führen sollte, dass auch die letzten Bürger einen Familiennamen wählten.
Zwei dieser Bürger, an die die Kampagne womöglich gerichtet war, sind Albert und Grietje aus Drenthe, welche in einer unserer Familienforschungen auftauchen: 1822 heirateten Albert Pieters und Grietje Jans noch unter ihren traditionellen Patronymen. 1825 liest man bei ersterem bereits den neuen Namen „Albert Pieters Schrijver“. Albert hat wohl innerhalb dieses Zeitraums einen Familiennamen wählen müssen und sich für „Schrijver“ entschieden. Seine Frau Grietje hieß ab 1835 mit Nachnamen neuerdings „Stuyvens“.
Der Ehemann von Grietje Stuyvens verstarb 1873 in Assen in der Provinz Drenthe. Welcher Name jedoch in der Urkunde auftaucht, sorgt ein weiteres Mal für eine Überraschung:
… Albert Pieters Luttinge …
Der Name „Schrijver“ taucht nirgends mehr auf. Albert hatte ihn in der Zwischenzeit offensichtlich durch den Nachnamen „Luttinge“ ausgetauscht. Später sehen wir, dass Jentien, Tochter von Albert und Grietje, auch vom Namen „Schrijver“ zu „Luttinge“ gewechselt hat. 1902, als ihr Mann Jacob Vosman starb, wird sie Jentien Luttinge genannt. Als sie 1915 starb, hieß sie ebenfalls Jentien Luttinge, Tochter von Albert Luttinge und Grietje Stuyvens.
Solche Namenwechsel waren zunächst selten, zwischen 1830 und 1870 häuften sie sich jedoch. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurden Namenswechsel dann erschwert – auch und vor allem dadurch, dass von nun an dazu ein Königliches Gutachten von Nöten war. Niederländische Familiennamen hatten sich nun im ganzen Land etabliert und wurden durch diese Maßnahme für die Zukunft stärker gefestigt.
