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Familienforschung

Mittelalterliche Redewendungen aus dem Schusterhandwerk

512px-Hodler_Der_Schuhmacher_1878
Hodler Der Schuhmacher 1878

Ferdinand Hodler, Public domain, via Wikimedia Commons

In unserem täglichen Sprachgebrauch verwenden wir oft ohne es zu merken zahlreiche Redewendungen, die ihren Ursprung im Mittelalter haben – gleich mehrere davon verdanken wir dem Schusterhandwerk.

Umgekehrt wird ein Schuh draus

Wenn wir beispielsweise „umgekehrt ein Schuh draus“ sagen, möchten wir ausdrücken, dass der gegenteilige Ansatz richtig wäre. Seinerzeit, im Mittelalter, lief die Herstellung eines Schuh noch deutlich anders ab als heutzutage: Im 12. Jahrhundert handelte es sich meist im Grunde um eine den Fuß umschließende Lederhülle, eine wirkliche Sohle gab es nicht. Sowohl der Haltbarkeit als auch der Ästhetik wegen sollten die Nähte der Lederform nicht nach außen zeigen; Der Schuster nähte also den Schuh zunächst zusammen und krempelte ihn dann um, die Nähte waren nun also innen: Wortwörtlich war also „umgekehrt ein Schuh draus geworden.“

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Bevor ein Schuh angefertigt wird, musste damals wie heute von dem zu beschuhenden Fuß Maß genommen werden – über die Jahrhunderte hat sich dabei die Leiste bewährt, ein angepasstes Formstück, das die Abmessungen des Fußes hat, nach dem dann der Schuh angefertigt wird. Da nun ein jeder Mensch andere Füße hat, muss man jeden Fuß entsprechend vermessen, würde man alle Füße etwa „über einen Leisten schlagen“ – das heißt dieselbe Leiste für alle künftigen Schuhe verwenden, alle also nach einem Schema behandeln – sodass alle Schuhe derselben Größe erhielten, würde sicher nicht wenigen „der Schuh drücken.“ Mit den Leisten, bei denen der Schuster bleiben soll, wird noch heute ausgedrückt, dass man bei dem bleiben soll, worauf man sich versteht, und sich aus anderem heraushalten.

In die Schuhe schieben

In der letzten Redewendung kommt zwar der „Schuh“ vor, sie hat aber nicht allein mit der Schusterzunft zu tun: Denn es wäre wohl ziemlich unfair zu unterstellen, dass nur Gesellen des Schusterhandwerks in der Lage wären einem anderen Gesellen etwas „in die Schuhe zu schieben:“ Besonders in den Herbergen wandernder Gesellen geschah es des häufigeren, dass etwa Geldstücke den Besitzer wechselten. Nach Anzeige des Diebstahls konnte es dann durchaus vorkommen, dass es zu nachtschlafender zu einer Durchsuchung der aus den Betten geholten Gesellen kam. Wohin sollte ein Dieb, der kurz vor der Entdeckung stand die gestohlene Münze verschwinden lassen? Da bot sich der Schuh des Bettnachbarn an… Die Verbreitung der Redewendung bis in unsere Tage lässt zumindest hoffen, dass damals nicht all jene, denen etwas „in die Schuhe geschoben“ wurde, sofort als überführte Täter angesehen wurden.

30. September 2021/von Leo Boenisch
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