Hochzeitstraditionen auf der schwäbischen Alb
Unter die Haube
Bei vielen Familienforschungen nehmen wir in die abschließende umfangreiche Familienchronik von Pro Heraldica interessante Hintergrundinformationen zu den Herkunftsorten der Ahnen eingefügt.
Diese Informationen geben Aufschluss über das Leben der Vorfahren zu deren Lebenszeit in deren Heimatdörfern. Der Leser kann sich so sehr viel besser den Alltag seiner Vorväter vorstellen als nur anhand der reinen Daten und Fakten. Folgendes Beispiel stammt aus einer Genealogie, welche uns nach Baden-Württemberg führte.
Die meisten ländlichen Gegenden haben ihre eigenen Traditionen entwickelt; besonders lange und unverfälscht hielten sich Sitten und Gebräuche jedoch in den Dörfern der Schwäbischen Alb. Zu den dortigen Hochzeitsgebräuchen hält die Beschreibung des ehemaligen Oberamts Münsingen folgendes fest und nennt diejenigen Orte, in denen die Traditionen besonders ausgeprägt waren (die etwas altertümliche Sprache wurde hier beibehalten):
Abletzete
Am Abend vor der Hochzeit fand vielfach eine kleinere Feier statt – Abschied von den ledigen Kameraden und Kameradinnen, in Sontheim „A(b)letzete“ genannt. In manchen Orten fand die Feier im Hochzeitshaus und für die näheren Verwandten mit „Fadennudeln“ statt, wozu die Geladenen selbst Mehl und Eier brachten.
Am Hochzeitsmorgen konnten die Kinder den Hochzeiter in seinem Haus „einfangen“ (z.B. in Laichingen). Die den Gästen vor dem Zug zur Trauung gereichte Erfrischung mit Bier und einem Wecken hieß „Morgensuppe“. Früher wurde in Laichingen vor dem Kirchgang vom Schulmeister ein Brautspruch getan. Beim Kirchgang ging zumeist noch die Braut mit ihren „Gespielinnen“/ Brautjungfern, der Bräutigam mit seinen „Gesellen“. Nach der Trauung traten in Hayingen die Brautleute mit „Gesell und Gespiel“ hinter den Hochaltar, um dort das „Trauopfer“ herzurichten, welches der Mesner entgegennahm. Der anschließende Brauttanz im Wirtshaus wurde in Bremelau von der Braut mit dem Rosenkranz in der Hand getanzt.
Zahlen musste jeder selbst
Am Hochzeitsessen nahmen nur die nächsten Verwandten teil und zwar auf eigene Rechnung – dies wurde „sitzen in der Zech“ genannt. Die Menge der Gäste erschien am Nachmittag und wurde von den Gespielinnen durch das Annähen eines Sträußchens geehrt. Diese Sträußlein wurden in Bernloch für die verwandten Männer, für Geistliche, Lehrer und Standesbeamten weiß, für fernere Männer und ledige Burschen bunt gebunden. Zum Schluß wurde das Brautpaar überall feierlich „geleitet“/begleitet, unter Vorantritt einer von bestimmten Personen (z.B. Wirtsmagd, Burschen) getragenen Laterne, in den evangelischen Orten mit dem Gesang: „Auf Gott und nicht auf meinen Rat.“ (Quelle: Beschreibung des Oberamts Münsingen. Von J. D. G. von Memminger. Stuttgart/Tübingen 1825.)


