Heraldik Kolloquium Antwerpen
Unter dem Titel „Heraldic Hierarchies: Identities, Status and State Intervention in Early Modern Heraldry“ fand in der vergangenen Woche das XXI. Kolloquium der Académie Internationale d’Héraldique in Antwerpen statt. Unser Gastgeber in der flämischen Hafenstadt war unser geschätzter Kollege Luc Duerloo, Dekan an der Universität von Antwerpen, unterstützt von Steven Thiry. Beiden sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für einen rundum gelungenen Kongress zu danken. Ebenfalls zu danken sind Herzog Leopold von Arenberg und den Vertretern der Stadt Antwerpen für einen herzlichen Empfang sowie den zahlreichen Kontribuenten aus aller Welt – von Russland bis Mexiko.
Hierarchien
„Hierarchien“ in all ihren heraldischen, politischen und sozialen Facetten standen im Mittelpunkt der insgesamt 24 Vorträge des Kolloquiums. Hamish Scott von der Universität Oxford referierte beispielsweise sehr anschaulich zur Aristokratisierung des Adels im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit in England. Wappen funktionieren in diesem Zusammenhang als Marker für die herrschende Klasse und halten über Generationen die Gesellschaftsstruktur in Erinnerung. Die Heraldik trägt in diesem Zusammenhang dazu bei, das soziale Gefüge präsent und am Leben zu halten. Die Kollegen Peter Kurrild-Klitgaard und Ronny Andersen aus Kopenhagen präsentierten ihre Erkenntnisse zur Einführung des Rangadels im Dänemark des späten 17. Jahrhunderts. Durch die Verwendung verschiedener heraldischer Elemente wie Helmformen und Kronen entwickelte sich ein hierarchisches heraldisches System. José Manuel Valle aus Spanien präsentierte seine Ergebnisse aus seiner Dissertation zu Diego de Urbina und dessen Klienten. Dieser im 16. Jahrhundert tätige Wappenkönig missbrauchte sein Amt und verhalf manchem aufstrebendem Bürger auf dem Weg zur Nobilitierung, indem er gegen klingende Münze Wappenbriefe mit usurpierten Wappen ausstellte. Luis Fernando Herrera Valdez von der Universität Mexico City zeichnete den Weg nach, wie die indigene mexikanische Stadt Tlaxcala im 16. Jahrhundert nicht nur Sonderrechten, sondern auch ein Wappen vom spanischen König erhielt. Die Tlaxcalteken hatten sich auf die Seite der Konquistadoren geschlagen und Hernán Cortés bei der Eroberung der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán tatkräftig unterstützt. Hierfür zeigte sich die spanische Krone erkenntlich.
Heraldik in Antwerpen
Verbindungen zur Heraldik finden sich in Antwerpen aber auch abseits der Akademia, nämlich u.a. an den Wahrzeichen der Stadt: Die Liebfrauenkathedrale – die Fassade des Turms ist bedauerlicherweise in Baugerüste gekleidet – beinhaltet mehrere Meisterwerke: von Peter Paul Rubens, dem berühmten Barockmaler, bis hin zu zeitgenössischer Kunst. In der imposanten gothischen Kathedrale finden sich allerorten Wappen, allen voran in den Glasfenstern, am Chorgestühl und auf Grabplatten.
Der bekannte Brabobrunnen auf dem Grote Platz vor dem Rathaus hat ebenso wie das Stadtwappen den Gründungsmythos Antwerpens zum Thema. In beiden spielen Hände eine entscheidende Rolle. Der Legende nach trieb einst ein Riese auf dem Fluss Schelde sein Unwesen. Dieser versperrte allen Fischern, Handelsleuten und Schiffern die Durchfahrt zur Nordsee. Von jedem, der passieren wollte, verlangte der Riese Zollabgaben. Wer jedoch nicht zahlen konnte oder wollte, dem schlug der Riese die Hand ab und warf sie ins Wasser. Bis eines Tages der Held Silvius Brabo erschien. Er besiegte den Riesen und schlug nun diesem zur Strafe beide Hände ab. Im Weiteren soll Brabo die Hände des Riesen in das Wasser der Schelde geworfen haben – der Brabobrunnen zeigt eben jenen Moment –; an dieser Stelle befinde sich heute Antwerpen. In bester heraldisch-sprechender Manier erkläre sich so auch der Name ‚Antwerpen‘, welcher auf Flämisch ähnlich klingt wie „Hand werfen“ und sogar der Name des Herzogtums Brabant soll der Legende nach auf besagten Brabo zurückgehen. Heute wird an vielen Stellen der Gründungsmythos Antwerpens lebendig gehalten: durch den Brabobrunnen, durch eine mannshohe Skulptur einer Hand auf der Haupteinkaufstraße, durch Keks- und Schokoladenhände („Antwerpse Handjes“) und nicht zuletzt greift auch das Antwerpener Stadtwappen die Legende auf. In Rot über einer silbernen Burg mit drei Türmen werden die beiden kleineren Seitentürmen von je einer silbernen Hand überhöht.
























