Heißt Sigthórsson wirklich so?
Ganz Deutschland ist gerade im EM-Fieber. Während ein paar große Fußballnationen bereits aus dem Turnier ausgeschieden sind, ist ein kleines Land aus dem Norden Europas immer noch dabei: Island steht tatsächlich im Viertelfinale der Fußball Europameisterschaft. Damit hätte wohl kaum einer gerechnet.
Aber dieses Land, das nur ca. 330.000 Einwohner hat, hat es tatsächlich geschafft, ganz Europa zu begeistern! Die sympathischen Fußballer haben es zuletzt sogar geschafft, England aus dem Turnier zu kicken.
Für uns sind insbesondere auch die Namen immer schön anzuhören. Bestimmt hat der ein oder andere von Ihnen geschmunzelt, als er zum ersten Mal den Namen des Siegtorschützen im Englandspiel Sigthórsson gehört hat. Eigentlich heißt er Sigþórsson, aber um den Namen für Mitteleuropäer besser verständlich darzustellen, steht auf dem Trikot eben Sigthórsson.
In Island gibt es keine Nachnamen
Und da dieser Name für uns Deutsche sich eher anhört wie eine Prophezeiung als ein Name, möchten wir heute einmal erklären, wie die Namen in Island überhaupt zustande kommen. Zu allererst: In Island gibt es keine Familiennamen. Die Namen, die die Fußballer auf ihren Trikots tragen, sind aber nicht ihre Vornamen, sondern der Vorname ihres Vaters (Vatersname) mit der Endung -son. Wären es Frauen, würde sich der Name ebenfalls aus dem Vornamen des Vaters und der Endung -dóttir ergeben. In Island spricht man sich grundsätzlich mit dem Vornamen an, das förmliche Sie in Kombination mit einem Nachnamen gibt es dort nicht. Der Name zeigt demnach nicht wie bei uns die historische Abstammung der Familie an, sondern lediglich den Vornamen des Vaters.
Bis 1925 konnte man Nachnamen annehmen
Jetzt ist das natürlich in einem kleinen Land wie Island noch einigermaßen praktikabel, dass man ohne Nachnamen auskommt. Sobald die Isländer jedoch aus ihrem Land weggehen oder international kommunizieren, wird es schwierig. Bis 1925 war es gestattet, einen Familiennamen anzunehmen. Dies tat zum Beispiel der Literaturnobelpreisgewinner Halldór Laxness. Seit dem isländischen Namensgesetz von 1925 ist dies nur noch erlaubt, wenn der anzunehmende Familienname ererbt ist.
Wenn in einer Gruppe von Isländern zwei Personen den gleichen Vornamen tragen, wird deshalb dem Vornamen noch ein Mittelname zugefügt, zum Beispiel der Name des Großvaters. Das Telefonbuch in Island ist übrigens ebenfalls nach Vornamen sortiert. Um die Namen besser unterscheidbar zu machen, wird oft noch der Beruf hinzugefügt. Wenn Sie dazu noch mehr lesen wollen, schauen Sie sich einfach unsere Seite „Familienforschung in Ostfriesland“ an. Dort wird das Thema noch einmal genauer erläutert.
#läuftbeiunsson
In einem Land mit der Bevölkerungszahl von Deutschland würde wohl eine solche Praxis nicht funktionieren, aber bei 330.000 Isländern ist dies noch praktikabel. In jedem Fall freuen wir uns am Sonntag schon wieder auf das nächste Spiel der Isländer, wenn in Twitter wieder ganz viele Beiträge unter dem Hashtag #läuftbeiunsson zu finden sind!

