Fornicanten Trauung
Heute möchten wir Ihnen Beispiele für sogenannte Fornicanten-Trauungen zeigen, auf die wir ab und zu bei unseren Forschungen stoßen.
Der Begriff
[= lat. fornicare: huren; vorehelicher Beischlaf]
Eine Fornicanten-Heirat ist eine von der Obrigkeit erzwungene Heirat, die meist mit einer Gefängnisstrafe und/oder Geldstrafe verbunden war. Sie diente dazu, ein in „Sünde“ lebendes Paar zur Heirat zu bewegen. In vielen Fällen hat bereits ein einmaliger Beischlaf (sofern er bekannt wurde) genügt, um die Obrigkeit tätig werden zu lassen. Beispielsweise im Staatsarchiv Nürnberg finden sich spezielle ‚Fornications-Akten‘, in denen sehr ausführlich über die einzelnen „Fälle“ berichtet wird. In vielen Fällen sind nämlich in den Kirchenbüchern bei Fornicanten-Trauungen nur sehr spartanische Einträge zu finden sind, weshalb diese Akten sehr wichtig sind.
Fornicanten-Heirat Beispiele
Die erste Heirat des Ahnen Nr. 64 war eine Fornicanten-Heirat – sie wurden von einem Amtsknecht in die Kirche geführt und auf Befehl der Herrschaft verheiratet. Die erste Frau des Ahnen Nr. 64 war zum Zeitpunkt der Heirat bereits schwanger.
Beispiel 1
Erste Heirat des Ahnen Nr. 64

Transkription/Inhaltsangabe:
[Seite] 68
[1754]
Den 1 Martii sind beede Fornicanten Veit H. und Ursula F. nach deme sie von den Amtknecht in die Kirche geführet worden auf Befehl gnädiger Herrschaft eingesegnet worden.
Quelle: Kirchenbuch Thalmannsfeld 1754
Bei einer Fornicanten-Heirat musste die Frau/Braut aber nicht zwingend schwanger sein, es reichte schon aus, wenn das Paar beim einmaligen Verkehr erwischt wurde oder auch nur wenn sie zusammen gesehen wurde und somit der Verdacht aufkam, sie würden in „Sünde“ leben.
Beispiel 2
Die Heirat der Ahnen Nr. 256/257 fand wegen vorehelichem Verkehr in der Büttelei = Gefängnis in Geyern statt. Es handelt sich dabei um eine Fornicanten-Heirat, d.h. man sperrte die wegen vorehelicher Unzucht Beschuldigten so lange ein bis sie in die Heirat einwilligten.
Heirat des Ahnen Nr. 256/257

Transkription/Inhaltsangabe:
[Seite 20]
Anno 1698
Den 8 Jan[uar] In Geÿern In der Bütteleÿ [= im Gefängnis] copulirt worden Georg Haffner, Georg Haffners Zu Thalmannsfeld ehel[icher] Sohn, Maria Barbara Wagnerin, Martin Wagners Zu Reuth Tochter. NB. haben gehuret.
a[…] hob bekennen ist z[…]
Quelle: Kirchenbuch Ettenstatt 1698

