Feldpost aus dem 1. Weltkrieg
Oft bekommen bei der Erforschung von Familiengeschichten auch Feldpost oder Kriegstagebücher eingereicht. Diese sind für die Nachkommen wichtige Dokumente ihrer Vorfahren. In manchen Fällen fassen wir die Feldpost und die Kriegstagebücher sogar zu einem eigenen Werk zusammen, damit diese für die kommenden Generationen erhalten und vor allem lesbar bleiben.
Beim vorliegenden Beispiel handelt es sich zum einen um ein Kriegstagebuch aus dem 1. Weltkrieg und Feldpostkarten eines Sohnes an seine Eltern und an seine Ehefrau. Hier sollten die Tagebucheinträge bzw. die Postkarten transkribiert und in ein entsprechendes Layout gebracht werden.
Erste Feldpostkarte vom 2. April 1915 an Eltern
Transkription:
Krajewo-Wilki, 2./4.15 Liebe Eltern! Liegen jetzt dicht vor Craßnitz, doch seien starke russ. Kräfte im Anmarsch. An der Front ist es ziemlich ruhig. Gestern & vorgestern so gegen Abend sah man starken Rauch & Feuer scheints in Craßnitz nachdem vorher etwas schweres Art. Feuer gewesen ist. Herzl. Gruß Karl.
[Kartenvorderseite:] evgl. Kirche!
Zweite Feldpostkarte vom 2. April 1915 an Eltern
Transkription:
Krajewo-Wilki 2/4.15. Liebe Eltern! Seit 3 Tagen bin ich krank, starkes Fieber & im Hals, wollten mich schon in‘s Lazarett schaffen, doch hatte ich keine Lust & gehe morgen wieder zum Befehlsempfang. Heute ist es Karfreitag & geht es mir schon wieder ordentlich, scheints Erkältung gewesen. Zum Glück liegen gerade im Quartier & könnte mich doch schonen, indem mich aufs Stroh legte. Unsere Wagen stehen in Krzynowloga-Mala, jetzt genannt (schräg:) Kl. Mühlen. Karl
Dritte Feldpostkarte vom 2. April 1915 an Eltern
Transkription:
Krajewo-Wilki, 2/4.15 Liebe Eltern! Ich glaube mich zu erinnern, daß Mama schrieb „Griech. Wein sei abgegangen, bis jetzt aber noch nicht eingetroffen. Gestohlen wird scheints doch bei der Feldpost. Ich schreibe ja immer genau, was ich erhalte, dann könnt Ihr es kontrollieren, denn ich kann solches nicht. Heute kommt alte Poste, morgen etwas alte, ganz alte & meine ver- mischt, so daß man nichts kontrollieren kann
Herzl. Gruß Karl.
Vierte Feldpostkarte vom 2. April 1915 an Ehefrau Mimy
Transkription:
Krajewo-Wilki, 2/4.15.
Liebe Mimy! Die ostpr. Grenze ist sehr stark mit Drahtverhauen versehen, welche man auf Kilometer weite Entfernungen verlaufen sieht. In Janowo direct an der Grenze fängt auch schon die bekannte russ. Straße an.
1000 Mann […] elsässischer Landst.[urm] 1000 russ. Gefg. [Gefangene] & 1 Eisenb.[ahn] Komp.[anie] sind am Wegeausbesserung beschäftigt. I[n] Grabowo-Sifky schliefen in […]frieden. Herzl.
Gruß & Kuß auch an Irmgard d[ein] Karl
Fünfte Feldpostkarte vom 2. April 1915 an Ehefrau Mimy
Transkription:
Krajewo-Wilki, 2/4.15.
Karfreitag
Liebe Mimy! In den letzten 2 vergangenen Tagen war ich krank, starkes Fieber & im Hals, wollten mich in’s Lazarett schaffen, doch möchte ich nicht. Heute geht es wieder besser & morgen gehe wieder z[um] Befehlsempfg. Sind jetzt dicht vor Craßnitz. Starke russ. Kräfte seien im Anmarsch. Mit
herzl. Gruß & Kuß dein treuer
Karl. Auch an Irmgard.
Kriegstagebuch April 2015 S.11/12 und S. 13/14
Transkription:
Grabowo. Grenze an Orzyc[1]
Zollhaus deutsch & Gut abgebrannt
dann Brücke über Orzyc dann
russ. Grenzpfahl & Janowo. deutsche
Grenze sehr stark mit Draht-
verhau versehen. Wegen[2] sehr
schlecht. Etwa 1000 Gefg. & 1000
Mann, als unausgeb[ildeter] Landsturm
z/ Wegausbessern.
31/3. Abm. 7% N7 Krzynowloga-
Mala, genannt Kl. Mühlen.
Wagen vor dem Ort Quartier in
Krajewo-Wilki Ank. 1 Uhr
sehr schlechter Weg. Unwohl
starkes Fieber, sofort aufs Stroh ge-
legt[3]
1/4. Krank, etwas besser, Fieber 38,2
2/4. Karfreitag, wieder etwas
besser.
3/4. 9% z/ Bef. Empfg. n/ Kl. Mühlen
schöne Kirche, Granate hat
eine Bank in die obere Decke
durchgeschleudert.
4/4. 7% n/ Kolonne, Funken-
station besichtigt.
Ostern: Kirche, 9 & 1/2 11 Uhr
Kath. Protest.
5/4. 9% z/ Bef. Empfg.
6/4. (Wege & Brückebau
sowie Vorspannen)
7/4. 8% z/ Bef. Empfg.
8/4.
9/4. 8% z/ Bef. Empfg.
10/4. (Kohlhammer weg)
11/4. 8% z. Bef. Empfg.
[1] Nebenfluß des Narew/Polen
[2] meint „Wege“
[3] Polen 06-316 Krajewo Wielkie, 30 km südöstlich von Nidzica = Neidenburg/südliches
Ostpreußen
Transkription:
12/4.
13/4. Bef. Empfg.
5 GardeRes. Reg. i/ Spandau
abgelöst v/ Inf. Reg. 42 & Ersatz
140er, nachts ziemlich geschossen.
14/4. Gärtchen gemacht
nachts kolosal gekämpft.
15/4. Bef. Empfang
16/4. 3 Std. Spaziergang
Inf. Freiw. erschossen
17/4. z/ Bef. Empfg.
Freiw. 1/2 5 morgens gestorben.
18/4.
19/4. Bef. Empfg.
20/4.
21/4. Bef. Empfg.
22/4.
23/4. Bef. Empfg.
24/4.
25/4. Bef. Empfg. Sonntag
1 1/2 Stunden Music I. Garde-Reg.
v/ General Hollen
26/4. Luftbad gemacht 6 gebadet
Munit. Empfg. Starawies 7-7% abds
27/4. Bef. Empfg. morgens
1/2 3 Uhr großes Schießen, Dorf
am Horizon brannte & rauchte
28/4. Bef. Empfg.
29/4.
30/4. Bef. Empfg.
1/5. -“-
2/5. Bef. Empfg.
3/5. -“-
4/5. Bef. Empfg.












