Familienforschung: Forschungsprognose/Quellenlage bibliographieren

Viele Interessenten, die Pro Heraldica zwecks Durchführung einer Familienforschung kontaktieren, hegen die Vorstellung, dass wir über eine Art Datenbank im Hause verfügen, mit der es möglich ist, auf Knopfdruck komplett fertige Familienforschungen mit Urkunden oder – im Falle einer heraldischen Forschung – Wappen „hervorzuzaubern“.
Dies ist jedoch nicht der Fall. Es wird, bevor überhaupt eine Familienforschung bearbeitet bzw. angenommen wird, mittels einer Forschungsprognose/Bibliographie die Quellenlage für die Herkunftsregion der Vorfahren geprüft, die dem Interessenten bekannt sind.

Es werden 2 Arten des Bibliographierens unterschieden:

1. Kurz-Forschungsprognose

Diese wird erstellt, um dem Interessenten einer Familienforschung eine kurze Übersicht über die vorhandenen Forschungsmöglichkeiten bzw. Quellen zu verschaffen. Hierzu reicht der Interessent seine Informationen zum letzten ihm vollständig mit Personenstandsdaten bekannten Vorfahren ein.
Bei Pro Heraldica wird nun geprüft, wie es um die Quellenlage des letzten dem Interessenten bekannten Herkunftsortes bestellt ist: hierzu wird das Vorhandensein von Standesamtsurkunden und Kirchenbüchern für die jeweilige Region geprüft.
Die grundlegenden Quellen für die Familienforschung sind folgende personengeschichtliche Unterlagen:

Standesamtsurkunden, die ab 1874/1875 per Gesetzeskraft den
Personenstand beurkunden:

 

  • Geburtsurkunden (beurkunden die Geburt einer Person)
  • Heiratsurkunden (beurkunden die Heirat von zwei Ehepartnern)
  • Sterbeurkunden (beurkunden den Tod einer Person)
  • Familienregister (enthalten Aufzeichnungen zum Haushaltsvorstand,
    seiner Ehefrau und den Kindern hinsichtlich Geburt, Heirat und Tod sowie meist auch die Eltern des Haushaltsvorstandes und seiner Frau)

Kirchenbücher, die die Zeit vor 1875 abdecken:

Diese

  • zeichnen vor 1875 die Personenstandsfälle Geburt, Heirat und Tod auf
  • reichen meist bis in die Mitte des 16./17. Jahrhunderts zurück
  • Eintragungen in die Kirchenbücher erfolgten durch den Pfarrer der jeweiligen Gemeinde

 

Kirchenbuch, hier ein Taufregister, aus dem 18. Jahrhundert https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenbuch

2. Ausführliche Bibliographie, die erstellt wird, sobald aus der Interessentenanfrage
ein konkreter Forschungsauftrag geworden ist:

Zusätzlich zu den oben genannten Quellen wird die Quellenlage zu weltlichen Archivalien, die die Zeit vor der Kirchenbuchführung dokumentieren, in dem für den Herkunftsort zuständigen Archiv geprüft. Es kann jedoch nicht immer garantiert werden, dass die Archivalien dann auch tatsächlich vorhanden sind. Zu Verlusten kann es beispielsweise aufgrund von Kriegshandlungen gekommen sein.

Anbei soll dies an einem Beispiel verdeutlicht werden:
In einer Familienforschung, die sich im Schüttdorf bei Bad Bentheim/Niedersachen abspielt, stellte sich bei der Bestandsüberprüfung der Kirchenbücher für die Zeit vor der Aufzeichnung von familiengeschichtlichen Daten in weltlichen Archivalien heraus, dass eine Auswertung nicht mehr möglich ist, da die im Rathaus von Schüttdorf gelagerten Archivalien 1945 bei Kriegsende einem Brand zum Opfer gefallen sind.

Abschließende Anmerkung

Zurzeit müssen zum Teil längere Forschungszeiten eingeplant werden, da viele Archive infolge der Corona-Pandemie geschlossen oder nur bedingt zugänglich sind und Genealogen somit nicht vor Ort anhand der Originale forschen können. Allerdings sind gute Alternativen durch Online-Forschungen gegeben.
Neben der Erfassung der Quellenlage wird vorab geprüft, welcher Genealoge, der mit Pro Heraldica zusammenarbeitet, in der Herkunftsregion des Auftraggebers forschen kann. Er wird dann die Forschung anhand der Originalquellen oder Online verfügbaren Unterlagen durchführen.