200. Geburtstag von Richard Wagner
„Im wunderschönen Monat Mai, kroch Richard Wagner aus dem Ei. Es wünschten viele, die ihn lieben, er wäre lieber drin geblieben.“
So dichtet – sich selbst ironisierend – Richard Wagner 1855 anläßlich seines 42. Geburtstages, denn wie kein anderer vor ihm hat er auf seine Zeit und die Nachwelt polarisierend gewirkt. Die Reaktionen auf sein Werk und seine Persönlichkeit verlaufen noch heute zwischen Anbetung und Verachtung.
Seine Idee des „Gesamtkunstwerkes“, bei dem Musik, Wort, darstellerische und szenische Kunst zur Einheit im Dienste des Kunstwerkes verschmelzen sollen, revolutionierte das Opernschaffen im 19. Jahrhundert. Eine Folge dieser Idee war, daß er – unüblich in der damaligen Zeit – die Texte seiner Opern selbst schrieb, die musikalisch in einen „ewigen sinfonischen Fluß“ eingebettet wurden.
Die Stoffe seiner Operndichtungen sind mythischer Herkunft und stammen mehrheitlich aus mittelalterlichen Werken: Nibelungenlied, Parsifal, Lohengrin, Tannhäuser, Tristan. Textlich deutet er sie in tiefenpsychologische Dramen um, musikalisch durch die Anwendung der Leitmotivtechnik, die Personen, Gegenständen und Aktionen eine jeweils charakteristisch Tonfolge gibt, als Beziehungsgeflecht , das die Ebene des Unbewußten abbildet.
Der Spannungsbogen musikalische Grundstimmung reicht bei seinen Werken vom Geisterhaft-Dämonischen (Fliegender Holländer) über das Romantische (Tannhäuser/Lohengrin), der Todes-Sehnsucht (Tristan), dem Religiös-Transzendenten (Parsifal) bis zum Kolossal-Pathetischen (Ring des Nibelungen).
Eine Ausnahmestellung hat das einzige Lustspiel, das er dichtete und komponierte: Die Meistersinger von Nürnberg – Eine feinsinnige und teilweise hintergründige Komödie vor dem Hintergrund des Brennpunkts zwischen verzopfter Schulweisheit und künstlerischer Genialität.
Sein Wappen

Im blauen Schild rechts das silberne Sternbild der Wega.
Der Motivwahl könnte ein Mißverständnis zugrunde liegen. Wagner habe die Wega, das zentrale Gestirn aus dem Sternbild der „Leier“ gewählt, weil die Bezeichnung häufig mit „Geier“ anzutreffen ist, um seinen Stiefvater Ludwig Geyer Reverenz zu erweisen.
Die beiden in Glasmalerei ausgeführten Wappenbilder über der Eingangstür sind keine traditionellen Familienwappen, sondern der eigenen sinnreichen Wahl und Erfindung des Erbauers entsprungen. Das eine ist das Hauswappen von Triebschen bei Luzern, welches dem Meister im vorgerückten Alter die erste, wahrhaft heimische Häuslichkeit bot und deren segenbringendes Symbol daher von ihm bei der Übersiedelung nach Bayreuth dahin mit übergeführt wurde. Das andere, der Geier mit dem Sternbild des ›Wagens‹, dem Siebengestirn im blauen Schilde, als glückverheißendem Himmelszeichen, ist zugleich der symbolische Ausdruck unvergänglicher Dankbarkeit Wagners für seinen Stiefvater Geyer, der sich nach des Vaters Tode liebevoll der verwaisten Familie annahm.
Biographie Richard Wagner
Wilhelm Richard Wagner
* 22. Mai 1813 in Leipzig
† 13. Februar 1883 in Venedig
Eltern:
Carl Friedrich Wilhelm Wagner
Johanna Rosine, geb. Pätz
Komponist, Dramatiker, Dichter, Schriftsteller, Theaterregisseur und Dirigent. Er gilt er als einer der bedeutendsten Erneuerer der europäischen Musik im 19. Jahrhundert, indem er dramatische Handlungen als Gesamtkunstwerk aus Text, Musik und Regieanweisungen gestaltete.
- 1822 Besuch der neuhumanistischen Dresdner Kreuzschule
- 1828 Schüler des Nikolai-Gymnasiums und der Thomasschule in Leipzig. Unterricht in Harmonielehre bei Leipziger Gewandhausmusiker Christian Gottlieb Müller.
- 1831 Musikstudium an der Universität Leipzig. Kompositionsschüler des Thomaskantors Christian Theodor Weinlig.
- 1833 Chordirektor am Würzburger Theater
- 1834 Musikdirektor der Magdeburger Theatergesellschaft. Kapellmeister der reisenden Bethmann’schen Theatertruppe.
- 1836 Heirat mit der Schauspielerin Minna Planer in Königsberg
- 1837 Musikdirektor am Königsberger Theater. Kapellmeister am Rigaer Theater.
- 1839 Flucht aus Riga wegen hoher Schulden. Während der stürmischen und abenteuerlichen Überfahrt nach England entsteht der Plan für die Oper „Der fliegende Holländer“. Lässt sich in Paris nieder und lernt dort den Komponisten und Pianisten Franz Liszt kennen.
- 1842 Uraufführung der Oper „Rienzi, der letzte der Tribunen“ am Hoftheater in Dresden
- 1843 Uraufführung der Oper „Der fliegende Holländer“ am Hoftheater in Dresden
- Ernennung zum Königlich-Sächsischen Hofkapellmeister
- 1845 Uraufführung der romantischen Oper „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“ am Hoftheater in Dresden
- 1849 Wegen Teilnahme am Dresdner Aufstand im Zuge der Revolution von 1848/49 wird er steckbrieflich gesucht und flieht in die Schweiz
- 1850 Uraufführung der romantischen Oper „Lohengrin“ durch Franz Liszt in Weimar
- 1851 Publikation seines theoretischen Hauptwerks „Oper und Drama“
- 1855 Gastdirigent in London
- 1865 Uraufführung von „Tristan und Isolde“ im Münchner Nationaltheater unter der Leitung Hans von Bülows
- 1868 Uraufführung der „Meistersinger von Nürnberg“ im Münchner Nationaltheater
- 1869 Uraufführung von „Das Rheingold“ im Münchner Nationaltheater
- 1870 Heirat mit Cosima von Bülow, Tochter von Franz List.
- 1872 Baubeginn des von Wagner konzipierten Festspielhauses in Bayreuth
- 1876 Uraufführung des gesamten „Ring der Nibelungen“ unter der Leitung von Hans Richter
- 1882 Uraufführung von Wagners letzter Oper „Parsival“ in Bayreuth
- 1883 Tod nach Herzattacke in Venedig
Literatur: http://www.dhm.de

Kommentare sind deaktiviert.