Hexenverfolgung

Hexenverfolgung und Hexenverbrennung

Allein zum Stichwort Hexenverbrennung ermittelt Google 56.000 Ergebnisse(Stand: 28.02.2010)! Erwartet man jedoch einheitliche Forschungsergebnisse, wird man enttäuscht. Die Daten, Fakten und vor allem Interpretationen der Historiker unterscheiden sich drastisch. Man trifft sich lediglich beim kleinsten gemeinsamen Nenner, nämlich dem, dass es eines der furchtbarsten historischen Phänomene war. Unterschiedliche Forschungspositionen überlassen es jedem Einzelnen, sich ein eigenes Bild zu machen.

Zeichnung einer Hexe

Quelle: Wikipedia, Author: Holt, Ardern; T. T.; E. Meyerstein, Litho. , March 1884

Der Wahnsinn hinterlässt Spuren: ca. 9 Mio. Menschen fallen ihm zum Opfer. Um 1600 wird die europäische Bevölkerung auf ca. 100 bis 110 Mio. geschätzt. Das würde rein rechnerisch bedeuten, dass fast jeder zehnte Europäer dem Hexenwahn zum Opfer fiel. Wie groß ist damit die statistische Wahrscheinlichkeit, dass auch Mitglieder unserer Familien davon betroffen waren?!

Der Wahnsinn trifft Städte und Regionen unterschiedlich stark. Es gab Regionen, in denen vergleichsweise wenig Prozesse stattfanden und wo es sogar Freisprüche gab. Gleichzeitig gab es Regionen, in denen die Hexenjagd wahrhaft „wütete“. Hier verödeten ganze Gehöfte, indem man komplette Familien auslöschte. Das schwäbische Ellwangen ist dabei nur ein Beispiel für einen der Orte, die im wahrsten Sinne des Wortes „Brennpunkte“ waren. Hier richtete man jede zweite Frau und jeden sechsten Mann hin. Die grenzenlos furchtbaren Foltermethoden bezeichnete man verharmlosend als Prozess der „peinlichen Befragung“. War man einmal Folteropfer, stand das Todesschicksal fest. In den seltensten Fällen, und von Region zu Region unterschiedlich, sprach man das Opfer frei. Diese Seltenheit mag auch darin begründet liegen, dass bei erfolgloser Folter die „peinliche Befragung“ nur unterbrochen wurde.

Der Wahnsinn wird durch die Kirche unterstützt: 1484 erlässt Papst Innozenz VIII die Bulle Summis desiderantes affectibus und legitimiert damit die Verfolgungen aller Andersgläubigen. Entsprechend veröffentlicht der Dominikanermönch Heinrich Krämer 1487 mit dem „Segen“ des Papstes sein Buch „Hexenhammer“. Der Titel – eine Gebrauchsanweisung zur Hexenjagd – wird einer der ersten Bestseller in der noch nicht einmal ein halbes Jahrhundert alten Geschichte des Buchdrucks.

Erst 1775 brennt in Deutschland der letzte Scheiterhaufen und 1944 (!) wird auf englischem Boden der letzte Hexenprozess geführt.