Wappenstiftung

Die Wappenstiftung – Ein neues Wappen erstellen

Von einer Wappenstiftung spricht man bei der Neuschaffung eines Wappens. Dies ist immer dann der Fall, wenn es entweder kein historisches Wappen gibt oder die Führungsberechtigung für ein bestehendes Wappen nicht eindeutig nachweisbar ist.

Eine Wappenstiftung kann man grundsätzlich in 3 Phasen unterteilen:

Gestaltung, Dokumentation und Registrierung

1. Gestaltung

Die Gestaltung des Familienwappens ist eine Gradwanderung zwischen den Wünschen und Vorstellungen der beauftragenden Familie einerseits und den heraldischen Regeln andererseits. Die Kunst ist es, eine Wappengestaltung durchzuführen, die den Ansprüchen und den Wünschen der beauftragenden Familie gerecht wird und den heraldischen Regeln entspricht. Unsere Heraldik Experten setzen bei der Kreation der Wappen all diese Aspekte bildlich um. Nur so können wir eine Registrierungsfähigkeit Ihres Familienwappens garantieren.

Bei der Gestaltung eines Familienwappens können folgende Bereiche berücksichtigt werden:

Der Familienname:
Es ist alte Tradition, das Familienwappen redend zu gestalten. Von einem redenden Familienwappen spricht man dann, wenn sich der Familienname im Familienwappen wiederspiegelt. Das können durchaus geometrische Figuren und Teilungen sein, die auf die Initialen eines Namens anspielen. Vieles kann sich im Laufe einer Familiengeschichte ändern, aber der Name und die Bedeutung des Familiennamens bleiben. Insofern ist es auch sinnvoll, bei einer Wappenstiftung eine etymologische Namensdeutung durchzuführen.

Berufliche Traditionen:
Hier können sowohl über mehrere Generationen ausgeübte Berufe wiedergegeben werden als auch die gegenwärtige heutige berufliche oder unternehmerische Situation.

Regionale Bezüge:
Wir haben in der Heraldik die Möglichkeit, Elemente aus Städtewappen, aus Gemeindewappen, aus überregionalen Wappen zu entnehmen und in das Familienwappen zu integrieren, um so einen Heimat- oder Herkunftsbezug der Familie zu dokumentieren. Das gleiche gilt auch für die Farben.

Geisteshaltung und Lebenseinstellung:
Diese können sowohl religiöser als auch philosophischer Natur sein,

Charakterzüge und Wesensmerkmale der wappenstiftenden Familie:
In der Heraldik finden sich sehr viele Tiere, auch Kombinationen zwischen Tieren und Fabelwesen wieder. Diese werden oftmals bemüht, um entsprechende Wesensmerkmale und Charakterzüge der Familie zum Ausdruck zu bringen,

Familienbesonderheiten:
Das sind oftmals besondere Ereignisse oder Geschichten, auf die Bezug genommen werden kann, oder Zugehörigkeiten zu bestimmten Clubs, Vereinen, Logen oder Verbindungen.

Darüber hinaus muss man sich bei einer Wappenstiftung auch grundlegend Gedanken zu gestalterischen Fragen machen. Dies betrifft die Farbwahl, die Stellung eines Familienwappens (ob schräg oder gerade), die Wahl der Schild und Deckenformen.

2. Dokumentation

Ist eine Wappenstiftung dann erfolgreich durchgeführt, gilt es auch diese Stiftung für nachkommende Generationen zu dokumentieren, d.h. die Begründung zur Motivwahl sollte hinterlegt werden. Hier spricht man von der Blasonierung des Familienwappens, also die fachsprachliche Beschreibung. Ebenso sollte eine reprofähige Reinzeichnung angelegt werden und die Veröffentlichung und Registrierung vorbereitet sein. All diese Arbeiten erledigt unsere Mitarbeiter für Sie.

3. Registrierung

Damit ein Familienwappen für nachkommende Generation nachvollziehbar bleibt und das Familienwappen auch rechtlich abgesichert ist, ist es zwingend notwendig es bei einer anerkannten Wappenrolle zur Veröffentlichung und Registrierung einzureichen. Die von uns erstellten Wappen werden in der alle 2 Jahre erscheinenden Allgemeinen Deutschen Wappenrolle veröffentlicht, die als Belegexemplar in allen großen deutschen Bibliotheken und Archiven ausliegt. Mehr zur Registrierung finden Sie hier.

 

Beispiel – Familienwappen Rittner

Familienwappen-Rittner

Familienwappen Rittner

Wappenbeschreibung (Blasonierung):
Unter blau-silbern schrägrautiertem Schildhaupt silbern-rot gespalten, darin ein Eisenhut mit Halskordel, blau im silbernen und golden im roten Feld, gehalten rechts von einem linksgewendeten blauen Löwen, links von einem goldenen Greifen. Auf dem Helm mit rechts blau-silbernen und links rot-goldenen Decken ein hinter drei blauen Sternen hervorwachsender goldener Pegasus, zwischen den Vorderläufen eine blaue Lyra haltend, die mittlere von fünf Saiten durch einen silbernen Kunstmalerpinsel ersetzt.

Die Fläche des Wappenschildes Rittner ist in drei Felder geteilt. In der oberen Partie erscheint ein sogenanntes Schildhaupt, unter dem die Schildfläche gespalten ist. Durch die Teilung entstehen sogenannte Heroldsstücke. Heroldsstücke oder auch Ehrenstücke werden durch eine Anzahl von geraden oder gekrümmten Teilungsstrichen gebildet. Durch die graphische Aufteilung des Schildes entsteht eine Figur, die einen eigenständigen Charakter hat, eben das Heroldsstück. Da die Schlichtheit nach den strengen Regeln der klassischen Heraldik ein Ausdruck guten heraldischen Stils ist, entsprechen Wappen mit Heroldsstücken in besonderem Maße der heraldischen Tradition.

Das Schildhaupt des Rittner-Wappens ist blau-silbern schrägrautiert. Es spielt auf die sogenannten Bayernrauten an, dem in der bayerischen Staatsheraldik neben dem Löwen populärsten Element. Hier verweisen sie auf die Herkunft der Familie Rittner aus Bayern.

Im silbern-rot gespaltenen Feld des Wappens Rittner erscheinen vorn ein einwärts gewendeter blauer Löwe und hinten ein goldener Greif. Beide Tiere halten einen auf der Spaltlinie liegenden sogenannten Sturmhut, auch Eisenhut genannt, der im silbernen Feld blau und im roten golden tingiert ist. Er stellt ein Zitat aus dem Wappen von Landshut dar (siehe rechts). Die Stadt ist Geburtsort des Stifters und seines Vaters und Trauungsort des Stifterpaares. Der Landshuter Sturmhut ist für die Stifter zugleich ein Symbol für Schutz und Erhaltung der Familie.

Der Löwe im vorderen Feld des Wappens Rittner verweist noch einmal auf die bayerische Heimat der Familie. Obgleich das Tier heute nicht im eigentlichen Sinne Wappeninhalt des bayerischen Staatswappens ist, sondern als Schildhalter fungiert, ist der „bayerische Löwe“ wie die Rauten zum Inbegriff für Bayern geworden.

Im roten Feld des Wappens Rittner hält ein goldener Greif den Sturmhut. Dieses Tier hat beim historischen Wappen von Baden etwa die Bedeutung wie der Löwe beim bayerischen. Aus Baden stammt die Familie der Stifterin.

Die Stifter schreiben dem Greifen folgende Symboleigenschaften zu: Stärke Wachsamkeit, ein Himmelswesen mit Scharfblick und Klugheit, das eng mit der Sonne verbunden ist. Er hat die Füße auf dem Boden und den Kopf im Himmel, hat daher Bodenhaftung und Bodenständigkeit, ist also mit der Erde verbunden und zeigt Liebe zur Natur und Interesse an anderen Menschen. Himmelgewandt sind Phantasie, Freiheit, Grenzenlosigkeit, Sonne, positives Denken, Kreativität und Lebensfreude seine Eigenschaften.

Helmzier

Den Helm des Wappens Rittner ziert ein wachsender goldener Pegasus, der aus einem Kranz von drei blauen Sternen hervorkommt und zwischen den Vorderläufen eine blaue Lyra hält, deren mittlere Saite durch einen silbernen Kunstmalerpinsel ersetzt ist.

Im Wappen Rittner hat der Pegasus mehrere Symbolbezüge. Einerseits verweist er mit seinen Eigenschaften auf die in der Familie Rittner durchgehenden künstlerischen Neigungen. Seine Flügel dagegen sind, als Anspielung auf die Flügel des Handelsgottes Merkur verstanden, Hinweise auf den kaufmännischen Beruf der Stifterin.

Die dritte Bedeutung, die das Pferd im Wappen Rittner vermittelt, ist die Anspielung auf das Stuttgarter Wappen, die Stadt, in welcher der heutige Lebensmittelpunkt des Stifterpaares liegt. Das „Stuttgarter Rößle“ (siehe rechts) wurde hier im Farbtausch übernommen. Der Begriff Farbtausch besagt, daß eine Figur die Farbe des Feldes annimmt, in welchem sie ursprünglich steht. Umgekehrt nimmt gegebenenfalls das Feld die ursprüngliche Farbe der Figur an, die sie trägt. Dieses Verfahren wird häufig bei „Zitaten“ aus anderen Wappen oder bei Individualisierungen von Wappen verwendet und ist bisweilen zwingend erforderlich, wenn eine unveränderte Übernahme Rechte Dritter oder Hoheitsrechte verletzen würde.

Der vierte Bezug hebt auf den Namen Rittner ab, der ursprünglich von der Bezeichnung für einen berittenen Boten abgeleitet ist. Da das Pferd das klassische Fortbewegungsmittel dieser Boten darstellte, nimmt das geflügelte Pferd hier im Wappen eine sogenannte redende Funktion ein.

Die Lyra, welche der Pegasus im Wappen Rittner hält, ist als Zeichen für die Musikalität zu verstehen, die nicht nur in der ganzen Familiengeschichte Rittner charakteristisch ist, sondern auch den Stifter besonders auszeichnet. Dabei spielen die scherenartig umgebogenen Holme des Instruments auf die Tätigkeit der Urgroßmutter des Stifters als Schneiderin an, während die Sterne, hinter denen der Pegasus hervorkommt, die Leidenschaft des Großvaters für die Astronomie charakterisieren. Da aber Sterne auch bildlich für Glück und Glücksmomente stehen, fungieren sie hier als Glücksbringer für die ganze Familie. Der Pinsel, der bei der Lyra die mittlere Saite ersetzt, verweist auf den Vater des Stifters, zu dessen Ehre das Wappen gestiftet wird und der ein leidenschaftlicher Kunstmaler ist.

Farben

Das Familienwappen Rittner ist in den Farben Gold, Silber, Rot und Blau tingiert.

Silber und Blau werden durch den Bezug auf die bayerischen Rauten eingeführt und verstärken den Herkunftshinweis für den Stifter. Rot und Gold sind die klassischen badischen Farben und weisen auf die Familienherkunft der Stifterin hin.

Helmdecken

Passend zu den Hauptfarben des Schildes sind die Helmdecken des Familienwappens Rittner rechts blau-silbern und links rot-golden eingefärbt.