Regeln der Heraldik

Die Regeln der Heraldik

Die heraldischen Regeln sind die Grundlage jeglicher Wappengestaltung und sind relativ einfach zu erläutern. Hierbei müssen folgende Bereiche berücksichtigt werden: Elemente des Wappen, Farben und Schraffuren und Wappensymbole.

Elemente des Wappen

Die Bestandteile eines Wappens sind klar geregelt. Wenn wir von einem Familienwappen sprechen, sprechen wir immer von einem Vollwappen. Dieses hat folgende Bestandteile: Der Schild, der Helm, die Decken- und die Helmzier, das sogenannte Oberwappen. Alle diese Elemente gehören zwingend zu einem Familienwappen. Nur wenn es diese Elemente enthält, ist das Wappen in Deutschland registrierfähig.

Bestandteile eines Wappens

Bestandteile eines Wappens

Für ein und dasselbe Wappen findet man im Wandel der Zeit oft unterschiedliche Darstellungen. Bei der Darstellung eines Wappens kommt es auf die sachlich korrekte Wiedergabe des Schildinhaltes und der Helmzier an. Heraldisch korrekt heißt das: Die Wiedergabe des Schildinhaltes, der Helmzier und der Farbe muss genau der Wappenbeschreibung (Blasonierung) entsprechen.

In diesen klaren Grenzen sind dem heraldisch grafisch arbeitenden Künstler weitgehende Gestaltungsmöglichkeiten gegeben. So hat er beispielsweise bei der Gestaltung der Helmdecken freie Hand. Diese stellen – ähnlich wie bei einem Porträt – nur den zierenden Rahmen dar. Der Stil der Darstellung kann sich ebenfalls ändern und dem Zeitgeschmack anpassen. Das haben die verschiedenen Epochen für sich zu nutzen gewusst. So findet man ein und dasselbe Wappen in der Renaissance vollkommen anders dargestellt als in der Hochgotik.

Veränderung der Darstellung von Frühgotik bis Klassizismus

Der Wandel eines Wappens über 6 Epochen

Der Wandel eines Wappens über 6 Epochen

 

FrühgotikHochgotik
  • Spitzschild
  • Kübelhelm
  • so gut wie keine Helmdecken
  • manchmal gar keine Helmdecken
  • Figuren sehr stark stilisiert
  • Spitzschild, aber kleiner als in der Frühgotik
  • Kübelhelm
  • Helmdecken erkennbar, meist gefaltet und nicht ausgezaddelt
  • Figuren sehr stark stilisiert
SpätgotikRenaissance
  • Rundschild
  • stark stilisierter Bügelhelm
  • Helmdecken ausgezaddelt
  • Figuren naturalistischer als in der Früh- und Hochgotik
  • Schilde stark geschwungen, teils eingerollt
  • Bügelhelm
  • Helmdecken ausgezaddelt
  • verschlungene Helmdecken
  • Figuren eher naturalistisch
BarockKlassizismus
  • üppig verzierte, oft ovale Schildformen
  • Bügelhelm
  • stark ausgezaddelte und verschlungene Helmdecken
  • Figuren eher naturalistisch
  • Carréförmige Schilde
  • Bügelhelm
  • Mantelartige Helmdecken mit Falten
  • Figuren klassisch stilisiert

 

Aber nicht nur in früheren Zeiten hat sich die Darstellung der Wappen weiterentwickelt. Auch in den letzten Jahrzehnten hat sich vor allem durch die Weiterentwicklung der Technik einiges getan. Was genau, haben wir in unserem Beitrag „Darstellung von Wappen im Laufe der Zeit“ einmal genauer aufgeführt.

Bürgerliche vs. adlige Wappen

Auch die Unterscheidung zwischen bürgerlichen und adligen Wappen ist klar
geregelt und liegt in der Regel im Helm und in der Krone. Das heißt im Übergang des Helmes zum sogenannten Oberwappen begründet.

Farben und Schraffuren

Die Heraldik kommt grundsätzlich mit vier Farben (Rot, Blau, Schwarz und Grün in kräftigen ungebrochenen Grundtönen) und zwei Metallen (Gold und Silber) aus. Das sind die Vollfarben, wie man sie vor 800 Jahren schon aus Naturmaterialien herstellen konnte und die Metalle Gold und Silber, die in der Darstellung gelb und weiß erscheinen können. Andere “natürliche Farben” (z.B. Braun für einen Baumstamm) kommen nur ausnahmsweise vor.
Um eine Darstellung des Wappen auch ohne Farbe zu ermöglichen, ist jeder Farbe und jedem Metall eine Schraffur (s. Abbildung) zugeordnet, so dass selbst in Darstellungen ohne Farbe immer ersichtlich ist, wie die Farbgebung des Wappens ist.
Heraldik-Farben

Wappensymbole

Die Heraldik besitzt über 400 gängige Symbole und Figuren. Ein und dasselbe Symbol kann eine vollkommen unterschiedliche Bedeutung haben. Die jeweilige Bedeutung erschließt sich aus dem Kontext des Wappens und der Stifterfamilie. Dieser Bedeutung der Symbole wird ausführlich im heraldischen Stiftungsbericht erläutert. Ein sehr bekanntes Beispiel für diese unterschiedlichen Bedeutungsmöglichkeiten stellt die Löwenfigur dar:
Der Löwe kann…
…für das Sternzeichen des Wappenstifters stehen.
…ein Hinweis auf das Herkunftsland des Stifters – z.B. Bayern – sein.
…den Familiennamen „Löwe“ signalisieren.
Eine weitere Bedeutungsvariante: Der Löwe als Symbol für Stärke und Durchsetzungskraft.
Vielleicht ist der Wappenstifter ein Veterinärmediziner, der sich auf Großkatzen spezialisiert hat. Auch er kann einen Löwen im Wappen tragen. In diesem Fall ist der Löwe ein Hinweis auf den Beruf des Wappenstifters.