Die Wappenstiftung und was dabei zu beachten ist

Heute möchte ich Ihnen etwas über Wappenstiftungen erzählen und zweitens möchte ich mit ein paar Vorurteilen aufräumen. Denn oft werde ich gefragt, ob denn nur ein altes Familienwappen ein echtes Familienwappen ist oder ob Wappen dem Adel vorbehalten sind.

Vorurteil 1: Wappen sind dem Adel vorbehalten

Das sind zwei Vorurteile, die ich relativ schnell aus der Welt räumen kann. Zunächst einmal ist es richtig, dass Familienwappen zuerst von adligen Familien geführt wurden. Als die Ritter begonnen haben, Vollrüstungen anzulegen und aufs Schlachtfeld zogen, waren diejenigen in Vollharnischen in der Regel Söhne aus adligen Familien. Das aufstrebende Bürgertum hat sich jedoch relativ rasch im 13. Jahrhundert dieser adligen Privilegien bemächtigt. Und heute ist es so, dass wir über 90% der in der deutschen Literatur vorhandenen Familienwappen bürgerlichen Familien zuordnen können.

Vorurteil 2: Wappen müssen verliehen werden

Dazu kommt das Vorurteil, Wappen müssen verliehen worden sein. Von ganz wenigen Ausnahmen sind Wappen nicht verliehen, sondern gestiftet worden von Familien, die einen sozialen Aufstieg gemacht hatten. Manchmal war ein Wappen auch aus Gründen der Siegelführung nötig, wenn die wappenführende Person z.B. ein öffentliches Amt bekleidet hat. Da hat man sich in aller Regel mit einem Heraldiker in Verbindung gesetzt und nach seinen Vorstellungen im Rahmen der heraldischen Gestaltungsmöglichkeiten ein Wappen gestalten lassen und dieses erst anschließend zur Veröffentlichung oder Registrierung und zur öffentlichen Legitimierung gebracht.

Heraldik in Deutschland ist Vereinssache

Das haben in der Regel die Landessouveräne, die Fürstenhöfe direkt gemacht oder die eingesetzten Hofpfalzgrafen. Seit 1919 haben wir in Deutschland keine Monarchie mehr, insofern gibt es auch kein Amt mehr, das sich von Staats wegen um die Heraldik und die Genealogie kümmert. Wir haben kein Reichsheroldsamt in Berlin. Solche Ämter werden von unseren Kollegen in Großbritannien, in allen Monarchien, in Norwegen, in Dänemark, in den Skandinavischen Ländern noch geführt. Bei uns gibt es kein solches Amt mehr. Es gibt keine Staatliche Institution mehr. Alle Institutionen in Deutschland wie auch der Wappen Herold sind Vereine.

Bedeutung von Familienwappen

Warum werden heute noch Familienwappen gestiftet? Ganz einfach. Weil es auch heute genau wie früher Familien gibt, die Für sich und Ihre Familie ein Zeichen der Familientradition und Familienverbundenheit stiften wollen und ein ganz persönliches Logo – Zeichen für die nächsten Generationen setzen möchten.

Der Name bleibt bestehen

Auf was muss man bei so einer Wappenstiftung achten? Zunächst einmal muss man sich Gedanken machen: Was möchte man in einem Wappen wiederfinden? Was ist einer Familie wichtig? Das kann Bezug nehmen auf den Familiennamen. Wenn wir auf den Namen einer Familie im Wappen bezug nehmen, sprechen wir von einem redenden Familienwappen. Das hat eine lange Tradition. Denn vieles kann sich im Laufe einer Familiengeschichte verändern, aber eines bleibt: Der Name und die Bedeutung des Familiennamens.

Die Auswahl der Symbole im Wappen

Bei der Wappengestaltung nehmen wir Bezug auf berufliche Traditionen, auf gegenwärtige berufliche Situationen, auf regionale Wappen, einen Heimatbezug, eine Herkunft. So wird im Wappen eine Zugehörigkeit entsprechend zum Ausdruck gebracht. Auch Geisteshaltungen religiöser und nicht religiöser Natur spiegeln sich oft in Wappen wieder. Oder Zugehörigkeiten zu Vereinen oder Logen oder anderen Gruppierungen. Darüber hinaus andere Dinge, die der Familie einfach wichtig sind, Wertevorstellungen etc. Darüber machen wir uns Gedanken, darüber sprechen wir mit unseren Kunden, das ist der Inhalt um den es bei einer Wappenstiftung geht.

4 Farben und 2 Metalle

Der äußere Rahmen ist genauso wichtig. Die Heraldik kommt mit nur vier Farben aus, nämlich den Vollfarben schwarz, grün, rot und blau und dann noch die Metalle Gold und Silber. Mehr gibt es in der Heraldik nicht. Es gibt eine einfache aber sehr wichtige und alles entscheidende Regel in der Heraldik, die besagt, Farbe muss von Metall getrennt sein. Das heißt auf einem blauen Untergrund kann ich kein rotes, kein grünes und kein schwarzes Element haben. Da kann ich nur ein goldenes oder silbernes Element haben.

Vom Konzept bis zur Freigabe

Diese Dinge müssen beachtet werden, und dann geht so eine Wappenstiftung in unserem Hause nach einem entscheidenden Vorgespräch über Entwurf und Freigabe. Das heißt, unsere Heraldiker machen sich Gedanken über das Konzept eines Wappens. Dieses wird von Anfang an auf heraldische Richtigkeit überprüft, das ist das leichtere, da dies unser Handwerkszeug ist. Aber es wird ebenfalls von Anfang an auf Einmaligkeit überprüft. Und genau diese Prüfung wird oft unterschätzt.

Einmaligkeitsprüfung als größte Herausforderung

Wir kennen ca. 1,7 Millionen Familienwappen, die im Laufe der letzten 800 Jahre im deutschsprachigen Raum entstanden sind. Jetzt haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wie oft bestimmte Bilder, wie z.B. ein Löwe in Wappen vorkommen. Wenn wir heute ein Wappen stiften, müssen wir sicherstellen, dass diese Symbol-und Farbkombination so noch nicht vorkommt. Deshalb haben wir bei Pro Heraldica eine umfangreiche Wappenbilderregistratur, deren Grundstein Dr. Neubecker gelegt hat.

Entwürfe und Änderungen auf Kundenwunsch

Wenn die Einmaligkeit und und die heraldische Richtigkeit geklärt ist, erstellen unsere Grafiker eine Entwurfszeichnung und die Kunden bekommen diese vorgelegt. Jetzt kann es sein, dass dieser Entwurf bereits genau den Vorstellungen der Kunden entspricht, oder aber es gibt Änderungswünsche. Und dann durchläuft es unser Haus ein zweites Mal wie beschrieben. Diesen Prozess können wir 4-5 Mal wieder holen, ohne dass zusätzliche Kosten enstehen. Wenn die Zeichnung dann freigegeben ist, wird eine digitale Entwurfszeichnung erstellt.

Dokumentation und Stiftungspatent

Anschließend bringen wir das Wappen in eine Form, d.h. die Kunden erhalten eine Dokumentation zur Stiftung des Wappens, in der festgehalten wird, welche Bedeutung die verschiedenen Elemente und Farben im Wappen haben, ein historischer Exkurs, die Blasonierung (Wappenbeschreibung). Alles was wichtig ist für die Familie und die Nachkommenden Generationen, ist hier festgehalten. Das machen wir, weil es früher oft nicht gemacht wurde und viele Familien deshalb rätseln, wie es zu den verschiedenen Figuren und Elementen in ihrem Familienwappen gekommen ist.

Wappenbrief und Registrierung

Genauso wird die Wappenstiftung in Form eines Stiftungspatentes für die Familie dokumentiert und dann auch die Veröffentlichung und Registrierung von uns vorbereitet. Das heißt Textmanuskripte, reprofähige Druckunterlagen werden gemacht, das Wappen wird zur Registrierung gebracht, der Wappen Herold stellt dann eine offizielle Wappenbrief-Urkunde für die Familie aus. Das ist das wichtigste Dokument für die Familie, weil es den rechtmäßigen Führungsanspruch dokumentiert. Mit der Registrierung geht auch die Veröffentlichung in der Allgemeinen Deutschen Wappenrolle des Wappen Herold einher. Die ADW wird in großen Archiven in Deutschland ausgestellt und damit ist es für die Öffentlichkeit und für die Nachwelt zugänglich und in ein paar Hundert Jahren hoffentlich immer noch nachvollziehbar.

geschrieben von: Harald Heimbach

Harald Heimbach ist seit 1997 geschäftsführender Gesellschafter bei Pro Heraldica. Geboren in Ehingen an der Donau, 1984/85 leistete er bei der Luftwafffe seinen Bundeswehrdienst ab. Es folgte ein Wirtschaftsingenieur-Studium in Esslingen; 1991 erhielt er das Diplom.

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