Warum betreiben Familien Ahnenforschung?

Heute möchte ich Ihnen grundsätzlich etwas zum Thema Genealogie, zum Thema Familienforschung erzählen.
Wir werden immer wieder gefragt: Was sind die Beweggründe für Menschen, uns zu beauftragen, warum möchte jemand seine Vorfahren, die vor 300 oder 400 Jahren gelebt haben, in Erfahrung bringen?

Identität, Verwurzelung und ein Gefühl für Traditionen

Das Interessante ist, dass das Thema Familienforschung, also die Frage nach der eigenen Herkunft, ein Thema ist, das fast alle Menschen beschäftigt. Wenn Sie heute im Internet recherchieren, ist das Thema, das am meisten gegoogelt wird, das Thema Erotik, gefolgt von Familiengeschichte. Es besteht ein primäres Bedürfnis bei uns Menschen, ein Urbedürnis, zu erfahren, wo wir herkommen. Das ist bei den einen ausgeprägter, bei den anderen nicht so ausgeprägt. Aber ein Stück Weit schafft das Wissen um die Familiengeschichte schon Identität, es schafft Verwurzelung, es schafft ein Gefühl für Traditionen. Und gerade auch wir hier in Deutschland leben jetzt in einer Zeit, in der wir auf der einen Seite noch die Möglichkeit haben, Zeitzeugen zu interviewen, die den Krieg oder die Nachkriegszeit erlebt haben.

Recherche bei lebenden Verwandten

Dieses biologische Fenster wird sich in den nächsten Jahren schließen. Und wir haben natürlich das Problem, dass die Generation unserer Eltern und Großeltern verständlicherweise nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg 1945 natürlich nicht viel über die Vergangenheit erzählt haben. So ging es mir mit meiner persönlichen Familienforschung auch. Das war ein maßgeblicher Punkt, mich mit meiner Familiengeschichte zu beschäftigen, weil mir kaum jemand etwas erzählt. hat.
Aber wie geht man so ein Thema an? Das ist einfach eine ganz einfache Frage. Zunächst einmal würde ich mich grundsätzlich immer mal in der Familie umhören. Gibt es ne alte Tante, gibt es noch jemand aus der Eltern- oder Großelterngeneration, der etwas über die Vergangenheit erzählen kann?

Familiengeschichte lebendig und greifbar machen

Wir können bei Pro Heraldica sehr viel recherchieren, aber wir können nur das recherchieren, was jemand aufgeschrieben hat und was dann noch in einem Archiv erhalten geblieben ist. Diese mündlichen Überlieferungen, diese Geschichten machen aber dann eine Familienchronik aber erst lebendig und greifbar. Deshalb unterhalten Sie sich mit den älteren Familienmitgliedern, schauen Sie gemeinsam Fotoalben an und beschriften Sie die alten Bilder. Wir haben schon so oft tolle Fotoalben eingereicht bekommen wo heute niemand mehr sagen kann wer auf den Bildern zu sehen ist, insofern sind diese Bilder für uns dann nicht mehr verwertbar, sie sind wertlos. Die haben noch einen gewissen emotionalen Wert, aber das war es dann auch. Beschriften Sie Bilder. Dann schauen Sie, was gibt es an alten Unterlagen und Dokumenten.

Suchen Sie Familienpässe oder Stammbücher

Wir hatten gestern Kunden im Haus, die uns alte Familienpässe und Stammbücher mitgebracht haben, Auswertungen und Aufzeichnungen und das ganze teilweise heute schon in digitaler Form auf USB Stick. Sowas ist in den meisten Familien noch vorhanden, man muss nur nachfragen und ein wenig graben. Dann hat man zumindest einmal Informationen über Eltern, Großeltern, vielleicht sogar Urgroßeltern und schafft damit den Sprung ins 19. Jahrhundert.

Wir beginnen wo ihr Wissen endet

Wir beginnen mit unseren Forschungen immer dort, wo das wissen der jeweiligen Familie aufhört. Wenn eben die letzten Daten um 1890 sind, setzen wir dort an. Wenn sie weiter zurückreichen bis 1830, setzen wir mit unseren Nachforschungen beim letzten gesicherten Datum an. Aber wie geht es weiter, wenn Sie das Umfeld einmal sondiert haben, die Daten festgehalten haben? Dann gilt es immer grundsätzlich darum zu klären, mit welcher Zielsetzung Sie an das Thema rangehen möchten. Wir erleben es bei Pro Heraldica so häufig: Da wird mal hier und mal dort ein bisschen etwas gemacht, aber nichts Zielgerichtetes. Es wird sehr viel Zeit und teilweise auch viel Geld investiert und es kommt nichts Vernünftiges dabei raus. Deshalb klären wir mit unseren Kunden am Anfang unserer Zusammenarbeit immer ab, was die Zielsetzung der Arbeit sein soll.

Ahnentafel oder Stammbaum

Und hier unterscheiden wir in der Genealogie zwischen Stammbaum und Ahnentafel. Im Video sehen Sie den Stammbaum der Familie Heimbach. Und der Aufbau eines Stammbaumes ist ganz klar: Oben in der Krone des Baumes sind die jüngsten Mitglieder der Familie, da stehe ich, da stehen meine Geschwister und deren Nachkommen. Im Stamm sind Stammvater und Stammmutter, also meine direkten Vorfahren, links und rechts daneben die jeweiligen Geschwister. Das heißt, so ein Stammbaum ist selbsterklärend. Die älteste Generation hatte elf Kinder, mein Stammvater das fünftgeborene Kind. Seine älteren Geschwister stehen links vom Stamm, die jüngeren Geschwister stehen rechts vom Stamm. Deshalb kann es verständlicherweise auch keine Vordrucke für Stammbäume geben.

Beim Stammbaum bleibt der Name gleich

Alle Personen auf dem Stammbaum haben eines gemeinsam: den Namen. Es handelt sich um geborene und eingeheiratete Heimbachs. In vielen Fällen ist dies der Einstieg in eine Ahnenforschung, weil das natürlich der Name ist mit dem man sich beschäftigt und mit dem man sich identifiziert und mit dem man unter Umständen hundert Mal am Tag etwas signiert. Das ist natürlich eine sehr patriarchale Art der Betrachtung einer Familiengeschichte.

Ahnentafel breiteste Form der Familienforschung

Im Gegensatz dazu gibt es die Ahnentafel. Der Aufbau ist hier genau anders herum. Die noch lebenden Generationen stehen unten, das sind die Kinder des Auftraggebers, er, seine Frau, sein Vater, seine Mutter, und ihre Eltern. Jeder hat zwei biologische Erzeuger, deshalb verdoppelt sich bei einer Ahnentafel die Anzahl der Personen in jeder Generationsebene. Man hat zwei Eltern, vier Großeltern, acht Urgroßeltern, 16, 32, 64, 128 und so weiter. Die Namenslinie ist nur eine einzige Linie die in unserem Beispiel im Video außen links hochgeht. Alles andere sind unsere genetischen Vorfahren. Das ist natürlich die breiteste Form, in der man Familienforschung betreiben kann, wir sprechen hier auch von der Königin der Genealogie.

Familienmitglieder oft weit gestreut

Nicht selten kommt es vor, dass sich ein Teil der Familiengeschichte in Württemberg abspielt, ein anderer Teil in Baden, ein dritter Teil in die Schweiz geht und ein vierter Teil ins Elsass und ein fünfter nach Schlesien oder wo auch immer. Bei solchen Familiengeschichten sind wir teilweise mit 4, 5 oder 6 Mitarbeitern parallel am recherchieren. Darum muss man sich am Anfang Gedanken darüber machen, mit welcher Zielsetzung man die eigene Familienforschung angehen möchte.

Erstellung einer Familienchronik

Wenn eine Familiengeschichte recherchiert ist, dann ist es auch wichtig und sinnvoll, die Ergebnisse in eine entsprechende Form zu bringen. Wir bei Pro Heraldica erstellen nach der Recherche eines Stammbaums eine Chronik in zwei Bänden. Zum einen einen Chronikteil und zum anderen eine entsprechende Dokumentation. Im Chronikteil erklären und erzählen wir die Familiengeschichte chronologisch, so wie sie im regionalgeschichtlichen Kontext auch stattgefunden hat. Damit wird Familiengeschichte erlebbar, sie wird nachvollziehbar und sie bleibt spannend. Man lernt auch dabei. Die Dokumentation ist auch insofern wichtig, dass jede wissenschaftliche Arbeit natürlich auch von der Wiedergabe der Quellen lebt. Für uns ist es wichtig, dass wir die Originaldokumente wenn möglich ablichten, Übersetzungen dazu liefern, so dass unsere Kunden den Wortlaut der Originaldokumente nachvollziehen können, Detailinformationen erhalten und vor allem auch Belege für die Ergebnisse haben. Dann macht das ganze Sinn, dann kann man das weitergeben und irgendwann auch fortschreiben. Das kann man in ganz unterschiedlicher Art und Weise binden und dokumentieren, da sind die Wünsche unserer Kunden auch sehr vielseitig und wir können auf entsprechende Wünsche eingehen.

Das ist die Vorgehensweise, die Herangehensweise, bevor wir in die Archive gehen. Die Archivarbeit, die Unwegsamkeiten, die Besonderheiten, die erkläre ich Ihnen gerne in einem separaten Video.

geschrieben von: Harald Heimbach

Harald Heimbach ist seit 1997 geschäftsführender Gesellschafter bei Pro Heraldica. Geboren in Ehingen an der Donau, 1984/85 leistete er bei der Luftwafffe seinen Bundeswehrdienst ab. Es folgte ein Wirtschaftsingenieur-Studium in Esslingen; 1991 erhielt er das Diplom.

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