Vortrag Clemens Kech beim Genealogentag in Gotha

Clemens Kech2

Clemens Kech

„Wir verkaufen Emotionen“

Als einen der abschließenden Vorträge des Deutschen Genealogentages in Gotha präsentierte unser Kollege Clemens Kech eine interessante Darstellung über den Beruf des Genealogen. Es ging um die Tatsache, dass Familienforschung nicht nur das Eruieren von nackten Zahlen, Namen und Fakten zu den Vorfahren darstellt, sondern auch die Möglichkeit zur emotionalen Identifizierung mit den eigenen Ahnen bietet.
Vortrag-Clemens-Kech-Genealogentag-Gotha-2Das Gefühl, zu einer Familie oder einer anderen „community“ zu gehören, verleiht Stolz und eine Identität. „Imagined communities“, Gemeinschaften, die man sich vorstellt oder denen man sich zugehörig fühlt, verteilen sich über mehrere Daseinsebenen: man kann sich einer Stadt oder Nation verbunden fühlen, gleichzeitig Bayern-Fan und katholisch sein, eine bestimmte politische Partei wählen und einem Berufsstand angehören. Gemeinsamkeiten, gleiche Interessen und Ansichten prägen das Zugehörigkeitsgefühl. Eine gemeinsame Geschichte sowie das kollektive Gedächtnis stehen hier im Hintergrund und sind ausschlaggebend für eine Vergemeinschaftung.
Vortrag-Genealogentag-1Durch die Familienforschung werden Daten zusammengetragen und es ergibt sich zunächst ein Beweis der Blutsverwandtschaft mit den Ahnen. Wir erhalten aber auch Kenntnis über deren oft wechselnde Wohnorte, über Ihre Tätigkeiten oder Vermögensverhältnisse – ein facettenreiches Bild von den persönlichen Lebensumständen der Vorfahren entsteht. Instinktiv sucht man nach Gemeinsamkeiten mit den Ahnen. Je intensiver sich die Kenntnis von vergangenen Generationen gestaltet, desto mehr wird das Gefühl gefördert, einem Kollektiv anzugehören – ein Wir-Gefühl stellt sich ein. Auch wir von Pro Heraldica bieten somit durch die professionelle Dienstleistung der genealogischen Forschung eine Chance, sich ganz persönlich und emotional mit der Familie und den eigenen Vorfahren zu befassen. Wir arbeiten dabei unter Hinzuziehung von Originalquellen wie zum Beispiel Kirchenbüchern. Internet-Datenbanken werden ebenfalls ausgewertet, jedoch sind diese Einträge nicht immer zuverlässig und müssen durch Prüfung der Ausgangsdokumente gesichert werden. Schriftliche Belege für aufgefundene Daten machen die Arbeit 100%ig vertrauenswürdig und durch sie erhalten die emotionalen Aspekte der Resultate erst Beständigkeit.
Die Genealogie macht inzwischen 80% des Dienstleistungsumsatzes von Pro Heraldica aus. Seit dem Genealogie-Boom der 1990er Jahre hat sich dieser Geschäftszweig verzehnfacht. Unter der Regie von Historikern, Fachgenealogen, Redakteuren und Heraldikern wurden seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1972 über 40.000 Kundenaufträge auf dem Gebiet der Heraldik und Genealogie durchgeführt, wobei unsere Kunden seither immer jünger, weiblicher und internationaler wurden. Unsere Forschungen werden von ca. 300 Profis in Sachen Genealogie vor Ort in Archiven im In- und Ausland durchgeführt. Spektakuläre Ergebnisse wie etwa eine Inka-Prinzessin unter den Vorfahren sind dabei selten, bereichern jedoch den Genealogenalltag ungemein.
Mit drei Schlagwörten leitete Hr. Kech zum Genealogie-Endprodukt von Pro Heraldica über:
Vortrag-Genealogentag-21. Narrare – erzählen. Die reinen Daten einer Familienforschung benötigen ein gewisses Maß an Aufbereitung. Dies geschieht durch unsere Chroniken, die neben der Dokumentation von Fakten auch die Familiengeschichte erzählen und z.B. mit Familienphotographien bereichern. Die persönliche Geschichte einer Familie wird hier in die jeweilige Regional- und Weltgeschichte eingebunden und lebensnah erzählt. Mündliche Familienüberlieferungen, Erinnerungsberichte und Biographien finden hier ebenso Eingang wie auch Landkarten der Herkunftsregionen der Vorfahren. Eine solche persönliche Chronik ist ein Unikat, das garantiert immer emotional berührt und auf das auch künftige Generationen noch stolz sein werden. Oft werden Auftraggeber zu Tränen gerührt, wenn sie das fertige Produkt der eigenen Familienchronik in Händen halten. Ein gedrucktes Werk über die Familie wird von Generation zu Generation weitergegeben, es verleiht ein Gefühl der Zugehörigkeit und Identität; man hinterläßt Spuren und es hilft, den Platz im Leben zu finden und zu verstehen.
Nicht nur für Familien, auch für Firmen ist eine Identität und ein Wir-Gefühl der beteiligten Personen von großer Bedeutung. Professionell gestaltete Firmengeschichten können hierbei helfen und sind zudem ein guter Werbeträger. Pro Heraldica hilft seit Jahren familiengeführten Unternehmen mit einer langen Tradition bei der Erstellung von Firmenarchiven und Firmenchroniken.
Vortrag-Genealogentag-3Hier fällt das 2. Stichwort: praesentare – vorzeigen, vorführen, präsentieren. Genealogische Zusammenhänge können anhand von Stammbäumen und Ahnentafeln graphisch dargestellt werden. Diese Kunstwerke verdeutlichen den Platz eines Individuums innerhalb einer langen Kette von Ahnen; der Stammbaum bzw. die Ahnentafel als visuelles Produkt wird zum Medium der Identitätsfindung. Ein solches Produkt ist zudem ein ästhetischer und repräsentativer Blickfang und kann den Betrachter begeistern.
Vortrag-Genealogentag-4Der lateinische Begriff für „begeistern, beseelen, etwas mit Leben erfüllen“ wurde als 3. Schlagwort vorgestellt: animare. Daraus leitete der Referent die These ab, dass Traditon nicht die Anbetung der Asche ist, sondern die Weitergabe des Feuers. Als Feuer soll in der Genealogie die Begeisterung für die Familie und die Familienidentität gelten, welche an nächste Generationen weitergegeben wird und welche aktiv gelebt wird, z.B. durch das Vorlesen von Familienchroniken, Erzählen von Familiengeschichten oder die Präsentation heraldischer Produkte wie das Tragen von Siegelringen und Wappen, die inzwischen häufig bei jüngeren Familienmitgliedern großen Anklang finden.
Pro Heraldica hat das Feuer der Begeisterung an Genealogie und Heraldik in den letzten Jahren international weitergegeben: seit 2013 gibt es eine Tochtergesellschaft in den USA. Weitere Expansionen sind in Frankreich, Italien und Skandinavien geplant. Darüber hinaus ist vor wenigen Wochen unsere internationale Registrierungsplattform, der eHerold, an den Start gegangen, mit dem Wappen aus aller Welt auf ihre heraldische Richtigkeit geprüft und rechtssicher registriert werden.

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Was die Gegenwart anbelangt, so können wir festhalten, dass die Ahnenforschung sowohl inhaltlich als auch formal ein sehr emotionales Geschäftsfeld darstellen kann. In ihrem Kern hat die Ahnenforschung das Potential, sogenannte „imagined communities“ zu erzeugen, welche durch den Abgleich zwischen Merkmalen und Eigenschaften der lebenden Generation und den überlieferten Informationen, die der Genealoge recherchiert, hervorgerufen werden. Vortrag-Genealogentag-6Hieraus kann ein Zugehörigkeitsgefühl und die Identifikation mit der Gruppe resultieren sowie auch Verständnis für die Ahnen und die Familie. Auf der formalen Seite hält die Aufbereitung der Forschungsergebnisse in Form einer erzählenden Familienchronik (narrare) und der Darstellung in Form eines Stammbaumes/Ahnentafel (praesentare) weitere Gefühlsmomente bereit, die auch geeignet sind, langfristig zu begeistern. Und so können auch wir Genealogen mit Stolz sagen: „Wir verkaufen Emotionen.“
Mit diesem dynamischen und innovativen Vortrag inspirierte Hr. Kech das Fachpublikum zu neuen Ideen und Sichtweisen.

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Präsentiert von DT Author Box

geschrieben von: Konstanze Wandersleb

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