Neue Staaten und ihre Heraldik und Emblematik

Auf dem XXXI. Weltkongress der heraldischen und genealogischen Wissenschaften in Oslo (12.-17.08.2014) hat Dr. Rolf Sutter, Forschungsleiter bei Pro Heraldica, einen Vortrag mit dem Thema „die in den letzten 50 Jahren neu entstandene Staaten und ihre Heraldik und Emblematik“ gehalten.

Dies war der am besten besuchte Vortrag des ganzen Kongresses. Im Anschluss an den Vortrag gab es zahlreiche Fragen aus dem Auditorium. Elizabeth Roads, Her Majesty’s Officer of Arms vom Court of the Lord Lyon in Schottlandfasste es am Ende treffend zusammen: Über dieses Thema könnte man einen gesamten Kongress abhalten.

Deshalb möchten wir über dieses spannende Thema auch in unserem Blog berichten.

Nichts ist so beständig wie der Wandel – ein Zitat von Heraklit und Ephesus (540-480 v. Chr.). Die Erkenntnis, die es ausspricht, hat selbst nach zweieinhalb Jahrtausenden nichts an Aktualität verloren.

Aktuell gibt es auf unserem Globus 193 Staaten und ca. 12 teilautonome, nicht allgemein anerkannte Territorien.

Über 60% aller Staaten sind jünger als 50 Jahre

Schauen wir zurück bis ins Jahr 1960, so stellen wir fest, dass es in diesem Zeitraum  insgesamt 117 Staatlichee Neu- oder Wiedergründungen gegeben hat. Dies bedeutet: Über 60% aller Staaten weltweit sind erst nach 1960 entstanden!!! In deren Verlauf konnten nicht nur die Kartographen kaum mit den rasanten Neuentwicklungen Schritt halten, sondern auch der Markt der Nationalflaggen und -symbole hatte Hochkonjunktur. Es mag also der Erinnerung an weltpolitische Ereignisse ebenso dienlich sein wie der Freude an Neuentdeckungen oder bisher kaum Wahrgenommenem, wenn wir diese Neugründungen mit ihren Zeichen und Symbolen hier einmal in toto Revue passieren lassen.

Hauptgründe für Staatenneubildungen

Im Wesentlichen gibt es 3 Hauptgründe für die Neu- und Wiedergründung dieser 117 Staaten:

  • Dekolonisierung mit Schwerpunkt in den 60er und 70er Jahren
  • Zusammenbruch des “Ostblock” zu Beginn der 90er Jahre
  • Ethnischer Separatismus, der in jüngerer Zeit ständig an Dynamik gewinnt

Ordnet man die 117 Staatsentstehungen diesen Hauptursachengruppen zu, ergibt sich folgendes Bild:

  • 80 Staatsbildungen im Zusammenhang mit der Dekolonisierung
  • 27 Staatsbildungen im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Ostblocks
  • 10 Staatsbildungen im Zusammenhang mit ethnischem Separatismus bisher

Hier kann man – nicht ganz unberechtigt – unterstellen, dass letzten Endes bei allen Unabhängigkeitsbestrebungen, auch bei denen der Dekolonisierung, einer der treibenden Impulse die Frage der ethnischen Identität ist.

Das ist richtig. Richtig ist aber auch, dass die aus diesen Impulsen entstehenden Entwicklungen bestimmter politischer und historischer Rahmenbedingungen bedürfen, um sich tatsächlich durchsetzen zu können, womit der Bogen zum Thema des XXXI. Weltkongresses der heraldischen und genealogischen Wissenschaften gespannt wurde. Dieses Thema lautete “Influence on Heraldry of Major Events in the History of a Nation.”

Serie zu Staatenneugründungen im Pro Heraldica Blog

Wir haben uns entschlossen, die Inhalte des Vortrags in den nächsten Wochen in einer Blogposting-Serie vorzustellen. Hier eine Vorschau auf die verschiedenen Teile:

Teil 1: Neu entstandene Staaten durch Dekolonisierung

Teil 2: Neu entstandene Staaten durch den Zusammenbruch des Ostblocks

Teil 3: Neu entstandene Staaten durch ethnischen Separatismus

Teil 4: Formen der 117 Identitätszeichen

geschrieben von: Alexandra Rittner

Ein Kommentar

  1. Charles Ross of Biggar

    Vielen Dank für die Berichte aus Oslo! Leider konnte ich nicht dabei sein.
    In eigener Sache möchte ich einen Beratungstermin mit meinem Freund Rolf demnächst vereinbaren (Themen: weitere Ahnenforschung + Aufbereitung der eigenen Ergebnissen).
    Herzliche Grüße
    Charles

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