Nachruf Dr. Sc. Zdenko G. Alexy

Dr. Alexy und Papst Johannes Paul II

Dr. Zdenko Alexy, Michal Kováč (damals Staatspräsident der Slowakischen Republik), Papst Johannes Paul II.

Die zeitgenössische Heraldik hat eine ihrer bedeutenden Persönlichkeiten verloren: Unser hochgeschätzter Kollege Dr. Zdenko Alexy ist in den Abendstunden des 10. Januar 2016 im 94. Lebensjahr in seiner Heimatstadt Bratislava verstorben. Er war als Mensch ebenso beeindruckend wie als Wissenschaftler, Politiker und Wirtschaftsfachmann. Ich kannte Dr. Alexy seit 35 Jahren und durfte viele Jahre mit ihm zusammenarbeiten. Ich bedauere sehr, dass er die Vollendung unserer gemeinsamen Arbeit, den zweiten Band der Edition von Familienwappen der von ihm geführten kirchlichen Wappenrolle, nicht mehr erleben konnte. Der Band ist wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 2015 erschienen, aber noch nicht in seine Hände gelangt. Die heraldische Welt verliert mit ihm einen international anerkannten Spezialisten.

Nachruf

Die Originale der Urkunden-Auszüge der MATRICULA ARMALIS sind mit dem Namenszug SIDONIUS unterzeichnet und tragen das notarielle Trockensiegel des Notarii Episcopalis Reginae Gradecensis. SIDONIUS ist ein Amtsname, der bürgerliche Name des Amtsinhabers lautete Dr. Sc. Zdenko G. Alexy. Dr. Alexy war nicht nur einer der renommiertesten europäischen Heraldiker des zwanzigsten und beginnenden einundzwanzigsten Jahrhunderts, sondern auch eine respektable Persönlichkeit im politischen Leben seiner Heimat. Seine Verdienste in aller Ausführlichkeit zu würdigen, würde mehr Raum beanspruchen, als uns hier zur Verfügung steht. Doch steht es den Herausgeber wohl an, ihn als spiritus rector der Matricula Armalis, − wenn auch in geraffter Form − mit seiner Persönlichkeit vorzustellen.

Geboren wurde Zdenko G. Alexy in Bratislava am 9. September 1922. Die Allgemeine Hochschulreife erwarb er 1941. Es folgte der Militärdienst bei der Tschechoslowakischen Armee in Großbritannien. Die Jahre 1945-1947 verbrachte er als Botschaftsattaché bei der Tschechoslowakischen Botschaft in Bern, gleichzeitig studierte er an den Handelshochschulen in Bratislava und Sankt Gal-len und erwarb 1946/1947 den Titel eines Dr. sc. écon. et comm. an der Université Neuchâtel. 1947/1948 studierte er an der Karlsuniversität Prag Geschichte und war zugleich bis 1949 im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in Prag tätig. Es folgten leitende Tätigkeiten bei Exico Bra-tislava, BEZ Co. (ehem. Siemens), bei der Außenhandelsgesellschaft Omnia und im Bundesministerium der Finanzen, wo er 1989-1990 nach der „Samtenen Revolution“ Berater des Ministers wurde. Die Jahre 1990- 2002 bis zu seinem Ruhestand sahen ihn als Gründer und Direktor der Börse Bratislava, als Protokollchef im Büro des slowakischen Staatspräsidenten und als Mitglied des Aufsichtsrates von Ludová Banka, Bratislava.

Zdenko G. Alexy betrieb seit 1958 Forschung auf dem Gebiet der Heraldik und der Emblematik, insbesondere zu bürgerlicher und kirchlicher Heraldik, die er durch wichtige neue Kreationen bereicherte. Er ist Gestalter zahlreicher heraldischer Bucheignerzeichen. Zu diesem Thema brachte Alexy zwischen 1983 und 1985 ein dreibändiges Werk unter dem Titel „Ex libris Armales“ heraus. Seine Beiträge auf dem Gebiet der Heraldik erschienen in zahlreichen europäischen Fachzeitschriften. Er hielt Vorträge auf internationalen Kongressen, allen voran zur Entwicklung zeitgenössischer Gestaltung von Wappen und Flaggen in der Slowakei. Seit 1978 betreibt er Studien zu ordensartigen Brustschmuck-Abzeichen kirchlicher Würdenträger, die er in seinem Werk „Ehrenzeichen der Kapitel in vormals habsburgischen Ländern“ edierte und die einen lange vernachlässigten Aspekt der Phaleristik in Zentraleuropa beleuchten.

Seine Mitgliedschaften in internationalen Fachgremien waren vielfältig; hier seien nur die wichtigsten genannt: Mitglied der Académie Internationale d’Héraldique, Mitglied der Heraldischen Kommission des Ministeriums des Inneren der Slowakei, Vizepräsident der slowakischen Gesellschaft für Genealogie und Heraldik, Korrespondierendes Mitglied der heraldisch-genealogischen Gesellschaften „Adler“ in Wien und des Vereins Herold in Berlin sowie Distinguished Fellow of the American College of Heraldry.

1979 wurde Dr. Alexy zum bischöflichen Notar bestellt und war trotz aller zahlreichen beruflichen Verpflichtungen nicht nur in dieser Funktion, sondern auch als Berater auf dem Gebiet der kommunalen und kirchlichen Heraldik unermüdlich tätig. Mehrere hundert Familienwappen wurden dabei in die notariellen Matrikeln aufgenommen, nach althergebrachter Manier in der besonderen Sprache des heraldischen Lateins blasoniert, wie zu Guttenbergs Zeiten mit einzelnen Lettern gesetzt, auf handgeschöpftem Büttenpapier gedruckt und mit einer handgemalten Abbildung des Wappens versehen.

Dr. Alexy verdanken wir zwei Bände der MATRICULA ARMALIS und damit nahezu vier Jahrzehnte engagierter, überkonfessioneller Protokolltätigkeit im Geiste lebendiger Heraldik.

geschrieben von: Dr. Rolf E. Sutter

Seit 1980 wissenschaftlicher Leiter bei PRO HERALDICA. Dr. Rolf Sutter ist Mitglied der Académie Internationale d’Héraldique, Mitglied der Académie Internationale de Généalogie, Präsident des Wappen-HEROLD, Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V., Vorsitzender des Stiftungsrates der Gerhard Tietz-Stiftung Heraldik Internationale, Mitglied des Verbandes Deutschsprachiger Berufsgenealogen

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