Johann R. irrtümlich für tot erklärt

Was man durch eine Familienforschung über seine Vorfahren erfährt, ist manchmal wirklich erstaunlich und fast nicht zu glauben.

So ging es Familie R. aus der Eifel. In der IV. Generation der Stammreihe R. (Urgroßeltern des Probanden) wurden anhand unserer Recherchen insgesamt 10 Kinder eruiert, fünf Mädchen und fünf Jungen. Drei der Söhne zogen als Soldaten in den Ersten Weltkrieg und wurden laut der noch existierenden Verlustlisten leicht verwundet. So weit, so gut und nichts Besonders.

Allerdings fand sich im historischen Zeitungsarchiv der Artikel einer regionalen Eifel-Zeitung zu Johann R., einer dieser Söhne der Familie R. Dessen außergewöhnliche Geschichte wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.

Johann wurde 1897 geboren und war somit zu Beginn des Ersten Weltkrieges (1914) 17 Jahre alt. Aufgrund seiner Größe wurde er in die kaiserliche Garde aufgenommen. Gegen Ende des Krieges, beim Rückzug von den Franzosen und Engländern am Ärmelkanal (zwischen England und Frankreich), erlitt er einen Lungendurchschuss. Seine deutschen Kameraden glaubten, es sei tot, ließen ihn auf dem Schlachtfeld liegen und flohen vor den Feinden. Johann R. wurde als gefallen gemeldet, in seinem Heimatort hielt man für ihn eine Totenmesse. Die Eltern, Geschwister, Verwandte und Bekannte trauerten um ihn.

Doch am Ärmelkanal hatte sich nach der Flucht der deutschen Kameraden Ungewöhnliches zugetragen. Als Johann durch den Schuss zu Boden gegangen war, folgten kurz darauf englische Soldaten. Sie sahen, dass der Getroffene noch lebte und transportierten ihn ins nächste Lazarett. Obwohl er zur Feindesseite gehörte, wurde er exzellent verarztet und fürsorglich gepflegt. Am liebsten hätte er sich in eine der Krankenschwestern verliebt, wie er später seinen Kindern erzählte (so laut Zeitungsartikel, den sein Sohn später verfasste).

Johann R. erholte sich von seiner Verwundung und wurde nach der Zeit in Gefangenschaft schließlich entlassen. Er machte sich auf den Heimweg und erreichte sein Heimatdorf in der Eifel. Man kann sich vorstellen, wie seine Familie reagierte, als der vermeintlich Tote leibhaftig vor ihnen stand. Sie feierten tatsächlich seine „Auferstehung“. 1923 heiratete Johann und hatte mit seiner Frau zusammen fünf Kinder.

Auch im Zweiten Weltkrieg (1939 – 1945) wurde Johann R. zum Kriegsdienst eingezogen, jedoch schon nach drei Tagen aufgrund eines Lungenschusses wieder entlassen. Er starb 1985 im hohen Alter von 88 Jahren.

Die Familienforschung hat somit in diesem Fall nicht nur die reinen Fakten ermittelt, sondern weit darüber hinausgehende Informationen zum Leben eines Vorfahren, die sicherlich bei den lebenden Nachfahren besondere Eindrücke und Gefühle hervorrufen. Lebensläufe wie jene des Johann R. transportieren trotz des Kriegsschicksals positive Elemente in die Gegenwart und weiter in die Zukunft der kommenden Generationen.

Präsentiert von DT Author Box

geschrieben von: Konstanze Wandersleb

Kommentar schreiben

  • (wird nicht veröffentlicht)

XHTML: Sie können diese Auszeichnungen nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>