Die Inka-Prinzessin

Oder: Von waschechten Berlinern, schottischem Adel und spanischen Conquistadoren.
Wir forschten und fanden: nur dieses Mal fanden wir etwas vollkommen Unerwartetes! Alles fing im nördlichen Teil Mitteleuropas an, genauer gesagt in der deutschen Hauptstadt: Berlin. So war der Vater unseres Mandanten und damit unsere Ausgangsperson – gebürtiger Berliner. Er war zugleich Sohn eines chilenischen Kaufmanns, dessen Vorfahren im frühen 19. Jahrhundert von der Insel Jersey nach Südamerika gekommen waren.

Einer dieser Vorfahren machte eine gute Partie, denn seine Braut kam aus der schottischen Adelsfamilie McLean. Die McLeans wiederum waren in Peru mit den Nachfahren einstiger Conquistadoren verwandt, der Familie Portocarrero – Calderon y Ego – Aguirre.

Die Conquistadoren (span. Eroberer) waren Entdecker, Abenteurer oder Militärs spanischer oder portugiesischer Herkunft, die im 16. und 17. Jahrhundert große Teile Süd- und Nordamerikas für die spanische Krone einnahmen. Sie hatten oft nicht nur atemraubende Namen, sondern sie raubten selbigen (also den Atem) auch der einheimischen Bevölkerung, indem sie mit ihnen kurzen Prozess machten. Schließlich ging es um indianische Gold- und Silberreiche, Land und jede Menge wirtschaftliche und politische Macht. In der Neuen Welt, fernab vom direkten Zugriff der spanischen Krone, konnte man leicht zu Reichtum, Ehre und Macht gelangen.

Wehte unseren Forschern bei den McLeans noch die kühle Brise der nördlichen Erdhalbkugel entgegen, befanden wir uns nun plötzlich bei ihren Vorfahren mitten im tropisch-schwülen Peru.

Man muss wissen, dass family-business für die Conquistadores ein regelrechtes Heimspiel war. Jedes große oder kleine Geschäft wussten die hombres mit eleganter Diskretion unter sich abzuwickeln. Ein besonders nachhaltiges Geschäft, um sich Einfluss zu sichern war: Eine kluge Heiratspolitik. Dabei blieb man – wie auch sonst – gerne unter sich. Diese Angewohnheit, alle seine Geschäfte nur mit seinesgleichen zu machen, führte letztlich dazu, dass die verwandtschaftlichen Beziehungen unseres Mandanten immer weiter in Conquistadore-Kreise reichten. So bewegte sich unsere Forschung ab einem bestimmten Zeitpunkt der Familiengeschichte nur noch von Erobererfamilie zu Erobererfamilie und liest sich wie ein Who-is-Who des spanischen Hochadels. Hatte man dort einmal eingeheiratet, gab es kein Entrinnen mehr.

Einer dieser Conquistadoren wiederum wusste sich besonders vornehm zu verheiraten und ehelichte eine Inkaprinzessin aus dem indianischen Herrschergeschlecht Perus. So fand unsere Forschung einen ihrer Höhepunkte bei Prinzessin Tocto. Als wir Tocto fanden, hieß sie jedoch schon Dona Magdalena – ihren Inkanamen hatte sie bei der Taufe verloren. Wer allerdings annimmt, es wäre hier nur um Standesdünkel gegangen, der irrt. Auch diese Heirat war eine strategische Allianz, sicherte sie doch den Einfluß auf die maßgebliche einheimische Macht und somit auf das Volk der Inkas.

geschrieben von: Dr. Rolf E. Sutter

Seit 1980 wissenschaftlicher Leiter bei PRO HERALDICA. Dr. Rolf Sutter ist Mitglied der Académie Internationale d’Héraldique, Mitglied der Académie Internationale de Généalogie, Präsident des Wappen-HEROLD, Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V., Vorsitzender des Stiftungsrates der Gerhard Tietz-Stiftung Heraldik Internationale, Mitglied des Verbandes Deutschsprachiger Berufsgenealogen

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