Hexenwerk in der Rauschenberger Mühle

Halloween_HexeNicht das ach so finstere Mittelalter, nein, die aufgeklärte Frühe Neuzeit ist das Zeitalter der Hexen und Hexenprozesse in Europa. Es waren unter anderem die ihnen zugeschriebenen Zauberkräfte, die Hexen in den Augen der Zeitgenossen zu solch furchteinflößenden Wesen machten. Unter Anwendung von schwarzer Magie seien sie fähig Unheil und Tod über Mensch und Tier zu bringen. Auch unerklärliche Naturphänomene, Unwetter und Missernten wurden zuweilen auf das Treiben einer Hexe zurückgeführt. Entsprechend harte, ja drakonische Strafen drohten bei einer Verurteilung wegen Hexerei. Im Zuge einer Familienforschung bei PRO HERALDICA stießen unsere Genealogen auf eine Ahnin, die genau eines solchen Vergehens angeklagt wurde. Auch zeigt der nachfolgende Fall, dass nicht jede Hexenjagd ihr Ende auf dem Scheiterhaufen fand.

Im Jahre 1668 soll sich in einer Mühle zu Rauschenberg in Hessen Erstaunliches ereignet haben. Wie aus dem Auszug aus der überlieferten Akte wegen Zaugerei hervorgeht, sei es zwischen der Müllerin und ihrem Sohn zu einem Streit gekommen, woraufhin beide ins Obergeschoss der Mühle gegangen waren.

Als unterdessen die „[…] Mahlgäste in der Unterstube auf dem Tisch gekochte Rüben essen wollten, seien ein ziemlicher Haufen Läuse von der Decke herunter auf den Tisch und in und um die Schüssel gefallen, und als dies besagter Müllersohn […] gesehen hatte, habe er mit einem Beil etliche Stücke aus der Decke, woraus die Läuse herunter gefallen waren, herausgeschlagen, woraufhin dann noch weitere etliche unterschiedliche Haufen Läuse in der Größe von Hühnereiern auf den Tisch und um die Schüssel gefallen seien, welche auch so groß gewesen, daß sie die Strohhalme auf dem Rücken fort getragen hätten. Die obgenannten Mahlgäste aber haben die Läuse ins Feuer geworfen und verbrannt […].[1]

Der Läusespuk wurde der Müllerin angekreidet, woraufhin sie angezeigt wurde. Das Ergebnis der sich anschließenden Untersuchung hat die Zeiten leider nicht überdauert, jedoch gibt es Anzeichen dafür, dass sie glimpflich davongekommen ist. Kurz zuvor, im Jahre 1661, war dieselbe Gemeinde gegen eine gewisse Catharine Thielen vorgegangen. Über sie wurde erzählt, ihr Kind habe der Teufel gezeugt, sie wurde der Hurerei und Zauberei bezichtigt und soll auch für einen Brand im Dorf verantwortlich gewesen sein. Jedoch sann man in Rauschenberg nicht auf Blut, sondern die Gemeinde befand, dass sie schnellstmöglich der Stadt zu verweisen sei. So konnte wohl auch unsere Müllerin wegen ihres minderschweren Vergehens mit einer milden Strafe, wenn nicht sogar mit Freispruch rechnen. Sie scheint noch einmal mit dem Schrecken davongekommen zu sein.

(Familienarchiv der Freiherrn von Knoblauch zu Hatzbach; http://de.wikipedia.org/wiki/Hexe)

[1] Zur besseren Lesbarkeit wurden Orthographie und einzelne Begriffe des Originaltextes bearbeitet.

geschrieben von: Clemens Kech

Clemens Kech

Geboren 1985 in Ulm studierte Clemens Kech Englisch und Geschichte am Connecticut College, USA und an der Universität Stuttgart. Seit 2007 mit unserem Haus verbunden, hat er 2016 die Leitung der Abteilung Genealogie übernommen.

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