Eine Erfolgsgeschichte: Heraldik und die Sammelleidenschaft – Teil 1

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts – etwa um 1890 – wurden die sogenannten Sammelalben populär. Darunter versteht man ohne Bilder auf den Markt gebrachte Hefte, Broschüren oder Bücher, die dazu bestimmt sind, mit Sammelbildern oder anderen Sammelobjekten gefällt zu werden. Diese Sammelobjekte waren bzw. sind nur als Beigaben zu Verkaufsartikeln erhältlich. Der Gedanke – heute würde man von einer „Marketing-Idee“ sprechen -, der hinter dieser Maßnahme stand, war einfach. Man konnte die Sammelleidenschaft des Menschen (und hier besonders der Kinder und der Jugend) aktivieren und damit den Absatz des gewünschten Produkts intensivieren oder ein neues Produkt in den Markt einführen.

Dass die Idee überaus erfolgversprechend war, zeigt eine interessante Hochrechnung, die darüber Auskunft gibt, wie viele Bilder (und damit Exemplare des jeweiligen Produkts) benötigt werden, um ein Sammelalbum komplett zu füllen.

n ist die Anzahl der unterschiedlichen Sammelbilder. Es wird angenommen, da? die Sammelbilder unabhängig erscheinen und jedes dieselbe Wahrscheinlichkeit hat. Weiterhin wird angenommen, dass keine Tauschpartner zur Verfügung stehen. Dann werden durchschnittlich n ? H(n), H(n) = 1/1 + 1/2 + … + 1/n ? In n Sammelbilder benötigt, bis das Sammelalbum komplett gefüllt ist. Bei einem Sammelalbum mit 50 Bildern bedeutet dies durchschnittlich 224,96, als nahezu fünfmal so viele Bilder, wie im Album vorgesehen sind.

Zahlreiche Firmen der produzierenden Industrie in der ganzen Welt begannen damit, Serien von Bildern, Kärtchen oder anderen Objekten für die unterschiedlichsten Produkte herauszugeben. In den Folgejahren wurden neben anderen Themen auch zahlreiche Serien mit heraldischen Inhalten kreiert. Eine Auflistung finden Sie am Ende des Beitrages.

An erster Stelle der Produkte, die mit diesen Sammelalben gefördert wurden, standen der Kaffee (durch die riesige Sammlung Kaffee HAG) und die Zigaretten. Thematisch sind die Wappenbilder-Sammlungen vorwiegend – man kann sagen fast ausschließlich – auf die Bereiche Städte- und Staatsheraldik ausgerichtet. Inhaltlich, was die Qualität der Abbildungen anbelangt, sind sie höchst unterschiedlich; Texte und Erläuterungen sind teilweise gar nicht vorhanden. Trotzdem haben viele von ihnen der wissenschaftlichen Heraldik große Dienste geleistet.

Soweit erkennbar, ist die einzige Serie, die sich mit deutscher Familienheraldik beschäftigt, in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstanden und wurde von der Firma Garbáty-Zigaretten in Berlin ediert. 1881 hatte Josef Garbáty-Rosenthal, ein Deutscher jüdischen Glaubens, sein Zigarettenunternehmen gegründet.
Berlin wurde um 1900 zunehmend Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie. 1906 verlegte Garbáty-Rosenthal seine Firma nach Pankow. In vielen Staaten Europas gab es bereits vor dem Ersten Weltkrieg Garbáty-Niederlassungen, und Garbáty-Zigaretten wurden auch in den damaligen deutschen Kolonien, in
Asien und in Amerika geraucht.

Abadie:
Flaggen und Wappen der Welt (I und II)
Abdulla:
Deutsche Städtewappen
Die Staatswappen aller Wappenführenden Staaten der Erde (I und II)
Wappen der Bekanntesten und Bedeutendsten Ausländischen Hauptstädte
Aurelia:
Staats-Wappen und Flaggen (Unter dem Olympia-Banner)
Deutsche Zunftwappen
Brioschi, Achille:
Stemmi delle citté d’Italia
Brooke Bond:
Flags and Emblems of the World
Danziger Tabakmonopol:
Länderwappen der Ganzen Welt
EFFKA Margarinewerk:
Länder/Flaggen und Wappen Serie I und II
Garbáty (Kurmark):
Wappenschau
Länderwappen und Nationalfarben
Von Friedrich dem Großen bis Hindenburg
Hacienda Pùblica C.A.F.:
Escudos provinciales de Espana
HAG (Kaffee HAG, Koffie HAG, Kawa HAG, Kaffe HAG, Coffee HAG, Caf? HAG, Café
Sanka):
Die Wappen der Republik Oesterreich
Znaky Republiky Československá, Wappen der Tschechoslowakischen Republik
Nederlandsche Gemeentewapens, Nederlandsche Heraldiek
Grbovi Jugoslavije
Die Wappen der Schweiz, Armorial de la Suisse
Deutsche Ortswappen
Kongeriket Danmarks Byvaabener
Danziger Wappenwerk
Herbarz Polski
Norske by- og adels våben
Sveriges Riksvapen, Landskaps- och Stadsvapen
Coat of arms of Cities and towns of the British Isles
Wapens van het Koninkrijk Belgie en het Groothertogdom Luxemburg, Armorial du Royaume de Belgique en du Grand Duché de Luxembourg
La France héraldique (25 Alben mit mehr als 12.500 Bildern)
Kosmos:
Städte, Fahnen und Wappen
Deutsche Stadtwappen aus West und Ost
Newa:
Dutch municipal arms
Oldenkott:
Wapen-Albums
Wappen-Album Städte der Schweiz
Orion:
Album A and B
Quick-Lait, Regilait:
Les plus beaux écussons de France
Redua:
Sbrka znaku mest Republiky Ceskoslovenská
Roger:
Heraldik
Union:
Autogramm- und Ansichtskarten
Unbekannte Herausgeber:
Auslanddeutsche Städte und ihre Wappen
Escudos y Banderas
Wapens y Vlaggen

geschrieben von: Dr. Rolf E. Sutter

Seit 1980 wissenschaftlicher Leiter bei PRO HERALDICA. Dr. Rolf Sutter ist Mitglied der Académie Internationale d’Héraldique, Mitglied der Académie Internationale de Généalogie, Präsident des Wappen-HEROLD, Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V., Vorsitzender des Stiftungsrates der Gerhard Tietz-Stiftung Heraldik Internationale, Mitglied des Verbandes Deutschsprachiger Berufsgenealogen

2 Responses

  1. Anton 1

    Klasse Geschichte, interessant dass sich gerade die Zigaretten- und Tabakindustrie inhaltlich mit der Heraldik besch?ftigt hat.

    Antworten
  2. Zefir

    Hallo Anton 1!
    Es gibt noch andere Genußmittelhersteller, die sich – übrigens lange und sehr umfangreich – mit Heraldik beschäftigt haben. Ab 1913 gab die Firma Kaffee Hag eine Sammelmarken-Serie von Orts- und Regionalwappen heraus, die fast die ganzen Länder in Zwentraleuropa umfaßt.
    Zefir

    Antworten

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