Das Wappen und die Flagge von Deutschland

Der Bundesadler

Wappen-DeutschlandDas deutsche Wappen zeigt einen rot bewehrten schwarzen Adler auf goldenen Grund. Er ist eines der ältesten Staatssymbole der Welt und das älteste heute noch bestehende europäische Hoheitszeichen. Karl der Große hat im Jahr 800 das Symbol des römischen Weltreichs, den Adler, übernommen, als er das römische Kaisertum erneuerte und auf das Frankenreich übertrug.Der Adler symbolisierte damals keinen bestimmten Staat unter anderen, sondern die Idee einer staatlichen Ordnung überhaupt, den Reichsgedanken, so wie das Römisch-Deutsche Reich überregional war.
Im 12. Jahrhundert nahm der Adler mit dem Aufkommen des Wappenwesens heraldische Farben und Formen an: Er wurde schwarz in einem Schild mit der goldenen kaiserlichen Farbe gestellt. Ab dem 14. Jahrhundert wurden Fänge und Schnabel rot tingiert. Die erste heraldische Darstellung des Adlers befindet sich auf einer Münze Friedrich Barbarossas aus den Jahren 1172 bis 1190, die erste farbige Wiedergabe (schwarz in goldenem Feld) unter Kaiser Otto IV. (1198-1218)

Schwarz–Rot-Gold

Der Legende nach stammen die alten deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold aus der Zeit Kaiser Barbarossas:
„Als dieser im Jahr 1152 in Frankfurt am Main zum deutschen Kaiser gekrönt wurde, legte man auf Anordnung der Hohenstaufen den Weg vom Dom zum Römer, dem ehemaligen Kaiserhof und heutigem Rathaus, mit einem Teppich aus schwarz-rot-goldenem Tuch aus. Nach der Krönung schnitt man das dreifarbige Tuch in kleine Stücke und verteilte diese, sozusagen als Souvenir, an das Volk. Die improvisierten Fähnchen wurden an Stangen gebunden und so zog die Menge durch die Stadt, um den neuen Kaiser stürmisch Hoch leben zu lassen.“

Doch dies ist wie schon erwähnt nur Legende, das zeigt sich schon daran, dass Barbarossa in Wahrheit 1152 in Aachen zum deutschen König und 1155 in Rom zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt wurde. In Wirklichkeit ist die Entstehungsgeschichte der „Deutschen Farben“ viel komplizierter:

Flagge-DeutschlandDie deutschen Farben sind um 1818 als Freiheitsfarben im Volk entstanden. Sie wurden nicht durch einen staatlichen Hoheitsakt geschaffen, sondern durch die öffentliche Meinung im Ringen um demokratische Freiheiten und nationale Einheit. Seit der französischen Revolution war es üblich geworden, dass die Nationalstaaten ihre Identität durch Farben ausdrückten. Die Geburt von Schwarz-Rot-Gold vollzog sich in einem komplizierten Meinungsbildungsprozess, in den mehrere Ursprungslinien einflossen. Unzutreffend ist die oft wiedergegebene Ansicht, die deutschen Farben seien in der Uniform des Freikorps Lützow (schwarz mit roten Aufschlägen und goldenen Knöpfen) angelegt gewesen. Allerdings gewannen die Farben Schwarz und Rot in der Jenaer Burschenschaft, in der sich mehrere ehemalige Lützower zusammenfanden.
Die Verfassungsurkunde der Jenaer Burschenschaft vom 12.Juni 1815 Legte den Farben Schwarz und Rot erstmalig einen Sinn bei: “Eingedenk, dass bei den jugendlichen Freunden stets auch der Ernst des Lebens zu bedenken sein, bestimmen sie (die Stifter) Rot und Schwarz zu den Farben ihren Paniers”. Demgemäß erhielt die Urburschenschaft am 31.3.1816 von Jenaer Frauen und Mädchen eine rot-schwarz-rot gestreifte Fahne, verziert mit einem goldenen Eichenzweig. Eine nationale symbolische Bedeutung erhielt die Fahne jedoch erst als sie mit der in der Öffentlichkeit gehegten Auffassung zusammentraf, die Farben des alten deutschen Reiches, die man in der studentischen Bewegung nach dem Wartburgfest 1817 anlässlich der Vereinigung von 1818 als allgemeine Farben annehmen wollte, seinen Schwarz, Rot und Gold gewesen, wobei man an den alten Reichsadler dachte.

Ein Höhepunkt symbolpublizistischer Demonstrationen mit schwarz-rot-goldenen Fahnen, Schärpen, Bändern und Kokarden brachte das Hambacher Fest am 27. Mai 1832.
Im Revolutionsjahr 1848 tauchten überall schwarz-rot-goldene Fahnen aus ihren Verstecken auf. Die Fürrsten des Deutschen Bundes versuchten daraufhin, Schwarz-Rot-Gold als Bundesfarben zu übernehmen, um damit der revolutionären Partei eine Waffe zu entreissen. In Berlin ritt König Friedrich-Wilhelm IV. von Preußen mit schwarz-rot-goldener Armbinde hinter einem großen deutschen “Dreifarb” und ließ wie die übrigen Fürsten, sein Heer die “deutsche Kokarde” aufstecken. Im Juli und November 1848 debattierte die Frankfurter Nationalversammlung über eine gesamtdeutsche Flagge, wobei ledich über eine eventuelle Änderung der unheraldischen Reihenfolge diskutierte, aber nicht über die Farben an sich.

Für das deutsche Volk verkörpern die Farben Schwarz-Rot-Gold, sowohl 1818, 1848 und 1989, die Hoffnung auf Einigkeit und Freiheit, die durch die Wiedervereinigung 1990 Wirklichkeit wurde (Quelle: Wappen und Flaggen der Bundesrepublik Deutschland und ihrer Länder, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1994)

Wir haben noch weitere Beiträge zu Staatswappen und Emblemen veröffentlicht. Diese können Sie hier nachlesen:
Algerien
Antigua Barbuda
Argentinien
Aserbaidschan
Belize
Brasilien
Frankreich
Ghana
Kamerun
Namibia
Portugal
Südsudan

geschrieben von: Dr. Rolf E. Sutter

Seit 1980 wissenschaftlicher Leiter bei PRO HERALDICA. Dr. Rolf Sutter ist Mitglied der Académie Internationale d’Héraldique, Mitglied der Académie Internationale de Généalogie, Präsident des Wappen-HEROLD, Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V., Vorsitzender des Stiftungsrates der Gerhard Tietz-Stiftung Heraldik Internationale, Mitglied des Verbandes Deutschsprachiger Berufsgenealogen

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