Das Wappen der Heiligen 3 Könige

Stadtwappen-KoelnDer 23. Juli 1164 ist für Köln ein hochbedeutsamer Tag: Erzbischof Rainald von Dassel hält der rund 50 Jahre später entstandenen Kölner Königs-Chronik zufolge unter Glockengeläut und dem Jubel der Bevölkerung in der Stadt Einzug. Der Grund des Triumphs: Er bringt die Gebeine der Heiligen Drei Könige „zum ewigen Ruhme Deutschlands nach Köln“.

(Kölner Stadtanzeiger, Dienstag, 07.01.2014)

Daher erscheinen – so die Überlieferung – auch drei goldene Kronen im Kölner Stadtwappen.

 

Das ist noch nicht weiter aufregend.

Aber wer hätte gedacht, daß die heiligen drei Könige auch Wappen hatten?

Hier der „Beweis“:

Der Ingeram-Codex

Der Ingeram-Codex, nach einem seiner Vorbesitzer auch „Codex Cotta“ genannt, ist ein Wappenbuch des Österreichischen Herzogs Albrecht VI., datiert auf 1459. Es befindet sich heute unter der Inventarnummer A 2302 im Besitz der Waffensammlung des Kunsthistorischen Museums in Wien.

Ingeram Codex

Ingeram Codex

Das Wernigeroder Wappenbuch

Das Wernigeroder Wappenbuch (auch Schaffhausener/Schaffhausensches Wappenbuch) gilt als das besterhaltene Wappenbuch des 15. Jahrhunderts. Es entstand zwischen 1486 und 1492. Ursprünglich bestand es aus zwei Bänden, wobei der zweite als verloren gilt. Ein dritter Band mit dem Namensregister zu den Bänden 1 und 2 befindet sich heute als Fürstlich Stolberg-Wernigeroder Depositum in der Universitäts- und Landesbibliothek Halle.

Wernigeroder Wappenbuch
Wernigeroder Wappenbuch

 

Wappenbuch Codex Haggenberg

Hans Haggenberg kam um 1450 zur Welt und trat 1469/70 in den Dienst des St. Galler Abtes Ulrich Rösch – dort war er mindestens bis 1488 angestellt. In dieser Zeit schuf er das einzige mit Sicherheit ihm zugeschriebene Werk, das Wappenbuch Codex Haggenberg (Codex 1084 der Stiftsbibliothek St. Gallen). Im Buch bezeichnet er sich als Autor des Werkes und als Bürger von St. Gallen.

Wappenbuch Codex Haggenberg

Wappenbuch Codex Haggenberg

Nachträgliche Zuteilung von Wappen

Wie kann das denn aber sein, werden Sie als Heraldik-Kundiger fragen? Die heraldische Zeit beginnt doch erst im zweiten Drittel des 12. Jahrhunderts. Das ist richtig. Aber das wappenselige Mittel- und Spätmittelalter hat auch historischen, mythologischen und biblischen Persönlichkeiten Wappen zugeteilt, die lange vor dieser Zeit lebten.

 

In der Ausgabe des Siebmacher’schen Wappenbuches von 1705 finden sich sogar Wappen des Urvaters Adam, von Alexander dem Großen, Julius Caesar, König Artus und Kaiser Karl dem Großen:

Siebmachers-Wappenbuch

Auffällig, aber nicht verwunderlich ist, daß die Farbgebung der Drei-Königs-Wappen unterschiedlich ist, das kommt bei „angedichteten“  Wappen immer wieder vor, weil es hierbei natürlich an einer Kontinuität der aktiven Wappenführung über längere Zeiträume fehlt.

geschrieben von: Dr. Rolf E. Sutter

Seit 1980 wissenschaftlicher Leiter bei PRO HERALDICA. Dr. Rolf Sutter ist Mitglied der Académie Internationale d’Héraldique, Mitglied der Académie Internationale de Généalogie, Präsident des Wappen-HEROLD, Deutsche Heraldische Gesellschaft e.V., Vorsitzender des Stiftungsrates der Gerhard Tietz-Stiftung Heraldik Internationale, Mitglied des Verbandes Deutschsprachiger Berufsgenealogen

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