Das Familienwappen von Weizsäcker

Am 31.1.2015 ist der frühere Bundespräsident Freiherr Richard von Weizsäcker (*15.04.1920 in Stuttgart) im Alter von 94 Jahren gestorben. Mit ihm ist ein großer Staatsmann von uns gegangen.

Im Band I des Generalregister Wappenführender Familien haben wir das Wappen von Weizsäcker gezeigt und sind ausführlich auf die Geschichte des Wappens eingegangen.

Übrigens hat Dr. Ottfried Neubecker, der maßgeblich an der Gründung und Entwicklung von Pro Heraldica beteiligt war und im Jahr 1982 in Anerkennung der um Volk und Staat erworbenen Besonderen Verdienste das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland erhielt, auch die Wappen der beiden Bundespräsidenten Heinrich Lübke und Gustav Heinemann gestaltet. Für den ehemaligen Bundespräsidenten Roman Herzog hat Pro Heraldica unter Harald Heimbach die Familienforschung übernommen.

Hier ein Auszug aus dem Generalregister Wappenführender Familien Band I, 1945-1985:

Das Familienwappen von Weizsäcker mit Signatur von Richard v. Weizsäcker

Handsigniertes Exemplar des Generalregister Wappenführender Familien, Band I, 1945-1985. Das Familienwappen von Weizsäcker mit Signatur von Richard v. Weizsäcker

 

Eine historische Wappenstiftung:

Das Familienwappen des Bundespräsidenten Freiherrn von Weizsäcker

Die genealogische Übersicht über das Geschlecht von Weizsäcker ist an mehreren leicht zugänglichen Orten veröffentlicht. Zweck der folgenden Zeilen soll, sein, unbeantwortet gebliebene Fragen zu beantworten. Diese sind:

1. Schrieb sich der Erwerber des Freiherrnstandes Karl oder Carl?

2. Wann und auf welche Weise ist das freiherrliche Wappen entstanden?

3. Worauf gründet sich die “Adelspartikel” in der Zeit vor 1916?

 

1. Die Durchsicht der württembergischen Staatshandbücher und der Personalakten ergibt eindeutig: Karl mit K. Alle genealogischen Publikationen schreiben voneinander ab: Carl mit C.

2. Das freiherrliche Wappen ist erst im Jahre 1916 anlässlich der Erteilung des erblichen Freiherrenstandes geschaffen worden. Dass es auf einem überlieferten Wappen beruht, außerdem Elemente des Wappens von Meibom verwertet hat, ist bekannt. Auf welche Weise die Anleihen vorgenommen und kombiniert worden sind, wurde bisher noch nicht dargelegt.

3. In allen genealogischen Publikationen, die den württembergischen Personaladel erwähnen, welcher die Erhebung in den erblichen Freiherrnstand vorausging, fehlen die Tagesdaten, zum Teil sogar die Jahreszahlen.

Der Erwerber des Freiherrntitels, der Großvater des jetzigen Bundespräsidenten, hat eine bemerkenswert konsequente Laufbahn durchlebt, die hier nur soweit nötig heranzuziehen war.

Er war der Sohn von Karl Heinrich Weizsäcker, geboren in Öhringen am 11.12. 1899 (2), seit dem 29.3.1861 durch Verleihung des Ritterkreuzes des Ordens der württembergischen Krone personaladlig, d.h. befugt, seinem Namen ein “v” voranzusetzen. Dieser Zusatzbuchstabe wurde in allen Personalbogen, wo es angängig war, nachgetragen.

Der Personaladel

Der Personaladel war eine württembergische Spezialität, die neben der Einteilung der Untertanen in Rangklassen durch das Statut des am 23.9.1918 gestifteten Ordens der württembergischen Krone geschaffen worden war. Bis 1892 stand der Personaladel allen Inhabern dieses Ordens, ursprünglich: Großkreuzen, Kommenthuren und Rittern zu.

Seit der Umorganisation vom 19.09.1870 verbleib dieses Privileg, nur den nunmehrigen vier oberen Klassen, Großkreuzen, Kommenthuren mit bzw. ohne Stern, Ehrenrittern (ab 1892 Ritttern erster Klasse gleichzusetzen). Der am 11.8.1892/1.9.1892 geschaffenen Stufe der Ritter zweiter Klasse wurde dieses Vorrecht ebenso wenig zuteil wie allen Klassen des Friedrichs-Ordens.

Den personaladligen Personen  war neben der Titelführung gestattet, das Ordenszeichen ihrem Wappen beizufügen. Wenn ein Wappen fehlte, so wurde es nicht verliehen, wie überhaupt so wenig Konsequenzen im gewandelten bürgerlichen Leben aus dem Personaladel erwuchsen, dass die Kritik an dieser Einrichtung etwa seit der Jahrhundertwende nicht verstummte und schließlich am 1. September 1913 mit der Aufhebung durch königliche Verordnung (3) erfolgte.

Wie weit der Personaladel den Ehefrauen zugute kam, ist in der spärlichen Literatur (4) umstritten. Aus den Ordenslisten geht aber hervor, dass Damen ebenfalls mit “v” eingetragen werden konnten.

Der Personaladel stand gemäß der am 18.10.1821 gegebenen Rangordnung der Königlichen Diener und Beamten der ersten bis vierten Rangstufe zu (5). Es war hier nicht zu untersuchen, ob es Personen gab, die ohne Verleihung des Kronenordens bereits dank der Rangordnung personaladlig waren.

Da der Freiherrntitel an Karl von Weizsäcker zu einem Zeitpunkt verliehen worden ist, als er bereits die Adelspartikel führen durfte, erhebt sich die Fragen, aus welchem Anlass er und eventuell seine Vorfahren im Mannesstamm bereits als “von Weizsäcker” zu titulieren waren.

Karl Heinrich Weizsäcker (1822-1899) erhielt am 29.3.1861 den Kronenorden und war von da an personaladlig. Hieran änderte sich natürlich nichts durch die Beförderung zum Kommenthur am 7.8.1877.

Sein Sohn Karl Hugo, geboren Stuttgart 25.2. 1853, gestorben ebd., 2.2.1926, erhielt 1900 das Ehrenkreuz des Kronenordens, anscheinend im Zusammenhang mit seiner Ernennung zum Chef des Departements des Kirchen- und Schulwesens, die ihm ohnehin den Personaladel bescherte, dann Präsidenten des Staatsministeriums usw. und am 2.2.1906 das Großkreuz dieses Ordens. Dessen ältester Sohn Karl Viktor ist am 4.9.1914 in Frankreich gefallen und kam also nicht mehr in den Genuss des erblich verliehenen Freiherrntitels. Das gilt natürlich auch für ERnst Viktor, geboren, 24.1., gestorben 3.2.1915. Alle anderen Nachkommen von Karl Hugo Freiherrn von Weizsäcker sind Freiherrn bzw. Freiinnen von Weizsäcker mit dem gleichen, seit 1916 neu gestalteten Wappen. Nur diese Träger des Namens von Weizsäcker sind zur Führung des Wappens befugt, besonders nicht die verschiedenen personaladligen von Weizsäcker, z.B.: Theodor (1880, 1889 Kommenthur, 1899 Kommenthur mit Stern, 1906 Großkreuz), Wilhelm (1895 Ehrenkreuz). Karl Hugo (1853-1926) war, wie bekannt, seit dem 8.7. 1879 mit Viktorie Wilhelmine Sofie Pauline v. Meibom verheiratet. Bei der Gestaltung des Familienwappens wurde das Wappen des Geschlechts v. Meibom herangezogen und war in einer Form, die von allen einschlägigen Publikationen so sehr abweicht, dass man annehmen möchte, die Weizsäcker´sche Form sei aufgrund von Beschreibungen ohne Einsichtnahme in heraldische Literatur entstanden. Zu dieser Vermutung darf man gelangen, weil die Abbildungen in der Literatur mit Originalsiegelabdrucken in der großen Siegelsammlung des Deutsche Museums für Familienwappen übereinstimmen (6).

Die Erhebung in den Freiherrnstand

Aus Anlass seines 25jährigen Regierungsjubiläums erhob König Wilhelm II. unter dem 5. Oktober 1916 den Präsidenten des Württembergischen Staatsministeriums mit folgendem Schreiben in den erblichen Freiherrnstand:

Mein lieber Präsident des Staatsministeriums, Staatsminister der Auswärtigen Angelegenheiten Dr. von Weizsäcker!

Um Ihnen für die langjährigen und ausgezeichneten Dienste, die Sie dem Lande und der Krone in den höchsten staatlichen Ämtern geleistet haben und Ihrer gegenwärtigen Stellung in schwerer verantwortungsvoller Zeit noch leisten, eine besondere Anerkennung und Auszeichnung, sowie einen Beweis meiner persönlichen Dankbarkeit und Wertschätzung zu Teil werden lassen, habe ich mich bewogen gefunden, Sie am Vorabend meines 25jährigen Regierungsjubiläums in den erblichen Freiherrnstand des Königreichs sportelfrei zu erheben.

Indem ich hoffe, Ihnen und Ihrer Familie durch diese Ehrung eine Freude zu bereiten, bin ich mit der Versicherung meiner unwandelbaren wohlwollenden Gesinnung

Ihr gnädiger König

m.p. Wilhelm.

Stuttgart,

den 5. Oktober 1916.

 

An den Präsidenten des Staatsministeriums,

Staatsminister der auswärtigen Angelegenheiten

Dr. von Weizsäcker

 Wappen von Weizsäcker

Die hierüber ausgestellte Urkunde lautet:

 

WIR

WILHELM II.

von Gottes Gnaden König von Württemberg, tun kund zu wissen:

 Da wir die Absicht haben, dem Präsidenten unseres Staatsministeriums, Unserem Staatsminister der auswärtigen Angelegenheiten, Minister der Familienangelegenheiten unseres Hauses und Ordenskanzler Karl Hugo von WEIZSÄCKER, Dr. jur. et med.hon.c. der Universität Tübingen, Großkreuz Unseres Ordens der Württembergischen Krone und Unseres Friedrichsordens, Inhaber Unseres Wilhelmskreuzes, unserer goldenen Militär-Verdienst-Medaille, der Landeswehrdienstauszeichnung zweiter Klasse, der silbernen Jubiläumsmedaille und Unserer silbernen Hochzeitsmedaille, Großkreuz, des königlich Preußischen Roten Adler-Ordens, Inhaber des Eisernen Kreuzes zweiter Klasse mit der Spange und der Deutschen Kriegsdenkmünze für Kombattanten, Ritter des königlich Bayerischen Haus-Ritterordens vom heiligen Hubert, Großkreuz des königlich Bayerischen Verdienst-Ordens der Krone, des Großherzoglich Badischen Ordens Berthold des Ersten, des Großherzoglich Mecklenburgischen Hausordens der Wendischen Krone mit der Krone in Gold und des Herzoglich Braunschweigischen Hausordens Heinrichs des Löwen, Inhaber des Fürstlich Lippischen Ehrenkreuzes erster Klasse, Großkreuz des Österreichisch-kaiserlichen Leopold-Ordens , für die langjährigen und ausgezeichneten Dienste, die er dem Lande und der Krone in den höchsten staatlichen Ämtern geleistet hat und in seiner gegenwärtigen Stellung in schwerer verantwortungsvoller Zeit noch leistet, eine besondere Anerkennung und Auszeichnung sowie einen Beweis unserer persönlichen Dankbarkeit und Wertschätzung zu Teil werden zu lassen, haben wir uns in Gnaden bewogen gefunden, ihn am Vorabend Unseres fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläums für sich uns seine ehelichen Nachkommen in den erblichen Freiherrnstand des Königreiches zu erheben.

Indem wir demzufolge ihm und seinen ehelichen Nachkommen alle mit dem Freiherrnstand verbundenen Rechte und Vorzüge hiermit verleihen, wollen Wir ihnen zugleich gestattet haben, in allen Verhandlungen, sei es vor Gericht oder außergerichtlich, den Freiherrntitel zu führen und des hiernach beschriebenen und hierneben abgebildeten Wappen sich zu bedienen.

In Blau drei goldene Weizenähren auf grünem Boden. Auf dem gekrönten Helme mit blau-goldenen Decken der aus einem schräg nach vorne stehenden Stamme hervorwachsende naturfarbene Birken- oder Maibaum des von Meibom´schen Wappens.

Wir gebieten nun hierdurch, dass alle Unsere Staatsdiener und Beamte sowie alle Unsere Untertanen den genannten Freiherrn von Weizsäcker samt seinen ehelichen Nachkommen nicht nur für Freiherrn unseres Königreichs anerkennen, sondern solche auch, wo es ihr Amt und Pflicht erfordert, bei der ihnen andurch verliehenen Freiherrnwürde jederzeit unverweigerlich handhaben sollen.

Zur Bestätigung alles dessen haben wir die gegenwärtige Urkunde eigenhändig unterzeichnet und derselben Unser großes Königliches Insiegel anhängen lassen.

So gesehen in Unserer Königlichen Residenzstadt Stuttgart am fünften Tage des Monats Oktober nach Christi Geburt im Eintausend neunhundert und sechzehn, Unserer Regierung im fünf und zwanzigsten Jahre.

gez. Wilhelm

 

Für den Staatsminister

der auswärtigen Angelegenheiten.

Staatsrat

ggez. Freiherr von Linden

 

Ob das Ausfertigungsdatum chronologisch korrekt ist, lässt sich aus den Akten des Hauptstaatsarchivs nicht herauslesen. Eher das Gegenteil. Der zeitliche Ablauf beginnt mit der Anfrage der Redaktion des Staats-Anzeigers für Württemberg. Professor Haug, welcher der begnadeten Excellenz am 6.10.1916 “eherbietigste Glückwünsche auszusprechen sich (mir) gestattet(t)”, ob die Erhebung in den Freiherrnstand im Staats-Anzeiger amtlich bekanntgegeben, in welcher Form “nichtamtlich” erwähnt werden solle” Innerdienstlich wurde festgehalten: “Exzellenz haben durch Fernsprecher danken und sagen lassen, dass eine ausdrückliche Veröffentlichung im amtlichen oder nichtamtlichen Teil des Staats-Anzeigers unterbleiben müsse, dass Exzellenz jedoch nichts dagegen erinnern wolle, wenn die Verleihung durch Einfügung der Worte “der anlässlich des Regierungsjubiläums in den Freiherrnstand erhobene Ministerpräsident Dr. von Weizsäcker an einer geeigneten Stelle der Beschreibung der weiteren Jubiläumsfeierlichkeiten erwähnt werde”.

So gesehen, indem der Staats-Anzeiger vom 7. Oktober von 1916 meldet: “Den Beginn machten die am K. Hofe beglaubigten Gesandten…”, die Handschreiben ihrer hohen Souveräne überbrachten. Es folgten die Staatsminister, in deren Namen der aus Anlass des Regierunsjubiläums in den Freiherrnstand erhobene Ministerpräsident Dr. von Weizsäcker das Königspaar in feierlicher Ansprache beglückwünschte, sodann…”Das Königspaar dankte huldvoll auf alle Glückwünsche.”

Der nächste Schritt war die Beschaffung einwandfreier Wappenvorlagen, die wegen der Kriegsverhältnisse auf Schwierigkeiten stieß. Auftraggeber war der Direktor der Königlich Württembergischen Archivdirektion in seiner Eigenschaft als Wappenzensor (7), Dr. von Schneider, welchem unter dem 24.1.1917 der damalige Unteroffizier der Ersatz-Kompanie Horb in Oberndorf am Neckar schrieb:

Der Wappenentwurf

Sehr geehrter Herr Direktor!

Anbei eine Zeichnung des Freiherr von Weizsäcker´schen Wappens. Eine zweite Zeichnung habe ich beinahe fertig. Aber das Original auf Pergament! Wenn nun die beiliegende Zeichnung allen Wünschen entspricht, so stände der Ausführung für das Diplom selbst nichts mehr im Wege. Aber nun ist Urlaubssperre bis 19.2. und man bekommt nur Urlaub, wenn amtlich belegt werden kann, dass der Urlaub nötig oder dringend ist. Hier könnte ich das Diplom kaum fertigen, da mir nicht einmal Raum und Licht zur Verfügung steht, auch die nötigen Utensilien fehlen. Ihr freundlicher Rat wäre mir ebenfalls erwünscht, ja nötig. Ihren weiteren Dispositionen sehe ich entgegen.

Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank ergebenst

Gustav Hoetzer

Der Wappenzensor erbat sich unter dem 26.1.1917 einen Bescheid seitens der Kanzleidirektion des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten, über deren Beantwortung ein Randvermerk vom 26.1.1917 aussagt: “Seine Excellenz sind mit der beiliegenden Ausfertigung des Wappens und der von dem Archivdirektor in Aussicht genommenen Anweisung an den Wappenmaler einverstanden, wollen aber nicht, dass für letzteren ein Urlaub zur Fertigung des Wappens für das Diplom erbeten wird. Hiervon habe ich den Archivdirektor mündlich verständigt.”

Wappen v. Meibom

Wappen v. Meibom
aus: H. Grote, Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogthums Braunschweig, Hannover 1852. Tafel F6.

 

Im Mai konnte der Geschäftseingang wieder aufgenommen werden, indem das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten (Staatsrat von Linden) dem Ministerium des Inneren eine Abschrift des Freiherrendiploms und eine Skizze des dem Staatsminister Dr. Freiherrn von Weizsäcker verliehenen Wappens mit dem Erfolg zur Verfügung stellte, dass nunmehr die Eintragung in die Personal-Matrikel des nichtbegüterten Erbadels im Königliche Württemberg erfolgen konnte. Darüber wurden am 14.Januar 1918 ein Aktenvermerk folgenden Inhalts angelegt: “Seiner Exzellenz vorzulegen.”

Nach Rektor W. in Calw. aus: O. v. Alberti, Württemberg. Adels- und Wappenbuch 2. Bd., Stuttgart 1899-1916 Nr. 3820

Nach Rektor W. in Calw.
aus: O. v. Alberti, Württemberg. Adels- und Wappenbuch 2. Bd., Stuttgart 1899-1916 Nr. 3820

 

Nach Mitteilung S.E. des Herrn Staatsrats von Linden ist die Erhebung in den Freiherrnstand sportelfrei erfolgt. Das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten ging bei seinem Antrag in die Personal-Matrikel davon aus, dass diese auch sportelfrei erfolgt. Ich teile diese Ansicht und bitte Seine Exzellenz um geneigte Zustimmung.” Als Begründung wird festgehalten “der Nachlass, der gemäß Sporteltarif Nr. 2,1,c im Mindestbetrag von 30M angesetzten Sportel wird im Gnadenweg verfügt, da auch die Erhebung in den Freiherrnstand sportelfrei erfolgt ist.”

Die Sachkosten für das Wappen

Nun konnte auch abgerechnet werden. Trotz der sportelfreien Verleihung des Freiherrntitels sind dennoch Sachkosten entstanden und vom Begnadeten mit 411,50 Mark erstattet und am 14. und 15. Mai folgendermaßen verwendet worden:

Es erhielten

der Wappenzensor die übliche Gebühr 24M

der Zeichenlehrer Gustav Hoetzer, Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbeschule in Stuttgart für Entwurf und Ausführung des Freiherrlich von Weizsäcker´schen Adelswappens 90M

Gustav Gläser, Werkstätte für kunstgewerbliche Lederarbeiten, Stuttgart, für ein Adelsdiplom in ff roten Seidensammet gebunden die Innenseite der Decke mit 1a weißer Moiréseide ausgestattet, hierzu geliefert ein Blatt und drei Doppelblatt echte Kalbspergament-Haut extra stark zusammen 126 M 50 Pf

Wilhelm Schauffler, Hofdrehers Erben in Stuttgart (Hermann Fußlocher) für eine Adelskapsel, randiert und galvanisch vergoldet 45 M plus Teuerungszuschlag 5 M, zusammen 50M

Hermann Mergenthaler, Posamentfabrik, Stuttgart (A. Nothdurft), für Schnur und Quasten (1Paar) 6 M

Louis Bode, Lithographische Anstalt und Steindruckerei in Stuttgart, für den Druck des Kopfbogens (Pergamentdruck) 6M

C.F. Authenrieth, Stuttgart, für 1/4 kg Siegellack 8 M

Summe 310 M 50 Pf

 

Hinzu kamen 101 Mark “Kanzleigeschenk”, das gemäß einem Vorschlag von Staatsrat von Linden folgendermaßen verteilt wurde: Sekretär Weber, der das Diplom geschrieben hat 46 M

Sektretär Bander 40M

Hausverwalter Dobler 10M

Portier Boldt 5M

zusammen 101M

 

Anmerkungen:

(1) vor allem: Genealogisches Handbuch der freiherrlichen Häuser B, Bd.1, Bd. 7 der Gesamtreihe, Glücksburg 1954, S. 461-464; Bd. 62 der Gesamtreihe, Freiherrn B, Band VI, S. 446-448

(2) Allgemeine Deutsche Biographie, 55. Band, Leipzig 1910, S. 27-38

(3) Regierungsblatt für das Königreich Württemberg, Dienstag, den 2. September 1913, S. 221

Schwäbischer Merkur, Mittwoch 3. September Nr. 408 Mittagsblatt, kommentarlose Meldung, “Aufhebung des Personaladels in Württemberg” a.a.O. Schwäbische Kronik, des Schwäbischen Merkurs zweite Abteilung, Mittwoch, 3. September 1913, Nr. 409, Abendblatt. Kommentar, eine Kurze Schilderung der Bemühungen, die Regierung zur Abschaffung des “alten Zopfes” zu bewegen und Genugtuung über den plötzlichen Erfolg.

(4) Friedr. Freiherr von Gaisberg-Schöckingen: Das Königshaus und der Adel von Württemberg, Pforzheim o.J. (1908), S. 21 und S. 69: “Der Personaladel ist von Hause aus natürlich nur für die für ihre Verdienste um den Staat damit geehrte Person gedacht, er wird aber ohne weiteres auf die Ehefrau übertragen, was ohne Zweifel eine Überschreitung des Begriffes Personaladel bedeutet, wenn sie auch wohl von jeher geduldet worden zu sein scheint, eine Bestimmung hierüber ist mir nicht bekannt.” Hingegen v. Owstien: Adelsrechtliche Fragen, in: Deutsches Adelsblatt, Nr. 49,3.12.1932, S. 692, Ziff. 14. “In Württemberg war der persönliche Adel mit der Bezeichnung “von” verbunden mit der Verleihung des Militär-Verdienst-Ordens und der vier obersten Klassen des Ordens der Württembergischen Kräne und an alle Inländer, die die Staatsämter der vier obersten Rangstufen erlangten. In Württemberg war der persönliche Adel deshalb sehr verbreitet; er wurde durch Königliche Verordnung vom 1. September 1913, jedoch verbleib er denjenigen, die ihn vorher bereits erlangt hatten, es leben daher noch zahlreiche Träger des württembergischen persönlichen Adels. Die Frauen der persönlichen Adligen nahmen in Bayern gewohnheitsrechtlich an dem Adel teil, in Württemberg wurde dagegen der persönliche Adel nicht auf die Ehefrau des Beliehenen ausgedehnt.”

(5) Die Rangordnung ist bis zum Ende der Monarchie u.a. in den Staatshandbüchern von Württemberg abgedruckt.

(6) Der angeblich 1580 verliehene Reichsadel wurde 1755 bestätitgt und erneuert. Die Angaben in der heraldischen Literatur variieren stark und sind an manchen Stellen offensichtlich ungenau und nur auf Siegelabdrucke gestützt, die von der Urform weitgehend abweichen.

(7) Das Amt des Wappencensors erscheint im Hof-und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg

geschrieben von: Alexandra Rittner

Kommentar schreiben

  • (wird nicht veröffentlicht)

XHTML: Sie können diese Auszeichnungen nutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>