Archivforschung in der Ahnenforschung

Wir werden immer wieder gefragt, was man eigentlich unter Archivforschung in Bezug auf Ahnenforschung verstehen kann. Und warum das so lange dauert. Das sind Fragen, die natürlich für einen Außenstehenden nicht so leicht zu beantworten sind, deshalb möchte ich dem einmal nachgehen. Grundsätzlich muss man sich vorstellen, wir gehen physisch in die Archive, und zwar dort wo die Vorfahren ansässig waren.

Die Suche nach dem richtigen Archiv

Es handelt sich dabei teilweise um kirchliche Archive, teilweise weltliche Archive und die Suche nach den Vorfahren ist oftmals erst einmal eine Suche nach den Archivalien. Es ist ja nicht immer gesagt, dass die Archivunterlagen dort verblieben sind, wo die Familie gewohnt hat. Teilweise haben politische gewechselt, insofern tauchen unterschiedliche Unterlagen zu ein und derselben Familie in unterschiedlichen weltlichen Archiven auf. Dann wurden Unterlagen immer wieder mal zentral archiviert, mikroverfilmt, digitalisiert heute oder wieder ausgelagert.

Wunschdenken vs. Realität in Archiven

Uns Historikern ist es natürlich am liebsten, wir finden Unterlagen in großen Zentralarchiven. Dort gibt es ganz normale Öffnungszeiten, dort sind sie registriert, dort kann man sich anmelden, dort geht man pfleglich mit den Unterlagen um. Das ist der Wunsch, denn mit so einer Realität sind wir vielleicht in 20-30% aller Fälle konfrontiert. Zum Größten Teil ist es nämlich so, dass die Unterlagen in vielen kleinen Archiven, Gemeindearchiven, Pfarrarchiven verblieben sind. Da kommen Sie irgendwo aufs Land in eine Gemeinde mit 1000 Einwohnern, wo es schon längst keinen Pfarrer mehr gibt, da müssen Sie sich durchfragen, wo sind die Unterlagen abgeblieben in welchem Dachboden sind sie gelandet, in welchem Keller sind sie. Natürlich sind die nicht sortiert. Das ist manchmal sehr mühsam und sehr zeitintensiv.

Wenn Archivforschung zur Flächenforschung wird

Vor allem dann, wenn Vorfahren sich bewegt haben, wird ganz schnell aus der Punktforschung eine Flächenforschung. Das heißt, Sie müssen einen größeren Radius auch regional durchsuchen um herauszubekommen, wo sind die Personen ursprünglich hergekommen. Und spätestens das ist so eine klassische Toter-Punkt-Situation für viele private Forschungen, da kommt man in der Regel nicht weiter.

Latein, Sütterlin und Kurrentschrift

Weitere Unwegsamkeiten sind natürlich auch die alten Handschriften. Recherchieren Sie im katholischen Bereich, so haben Sie auch noch das Latein in den Kirchenbüchern. Die protestantischen Kirchenbücher sind dagegen in Deutsch geschrieben worden. Sie müssen Sütterlin, Sie müssen Kurrentschrift lesen können. Dann hat der eine Pfarrer einigermaßen sauber, der andere weniger sauber geschrieben. Das erschwert solche Arbeiten natürlich ungemein und natürlich auch das detektivische Vorgehen.

Archivforschung dauert mindestens ein Jahr

Wir müssen hier ja beweisbare Filiationen erstellen, wir müssen nachweisen können, das sind die Eltern von, das sind die Eltern von… und das sind einfach intensive Arbeiten. Dann sind manche Archive teilweise über Wochen und Monate nicht zugänglich, warum Anfragen länger dauern. Deshalb rechnen wir für solche Arbeiten, auch wenn wir von Pro Heraldica sie durchführen, mit Bearbeitungszeiten von mindestens einem Jahr, darunter ist so etwas ganz selten machbar. Wir haben oftmals schon Kunden kennengelernt, die Jahre oder Jahrzehnte mit Vorarbeiten und Recherchen verbracht haben und dann ganz dankbar waren, dass sie die restlichen Arbeiten in professionelle Hände legen konnten. Das macht so das Besondere unserer Archivarbeit aus.

Koordination erfolgt in Stuttgart

Hier befinden wir uns in einem Raum bei Pro Heraldica, in dem wir Arbeiten vor Ort koordinieren, in dem wir Ergebnisse die wir von auswärts bekommen wieder auswerten und redaktionell aufbereiten. Hier laufen dann die Fäden zusammen, hier wird das ganze entsprechend koordiniert. Das ist ein Grund, warum solche Arbeiten entsprechend zeit- und kostenintensiv sein können, wobei wir im Wesentlichen wenn wir mit einer Familienforschung beauftragt werden, auf Erfolgshonorarbasis arbeiten. Das heißt, für die neu recherchierten Personen oder Generationen wird ein vorab vereinbartes Erfolgshonorar berechnet. Deshalb ist es sinnvoll, dass man sich am Anfang zusammensetzt und klärt, was ist vorhanden, was ist die Zielsetzung, wie groß oder wie klein sind überhaupt die Erfolgschancen, denn auch wir bei Pro Heraldica können den Erfolg nicht garantieren, wir sind abhängig von den Quellen, die die Kriege überstanden haben müssen.

Forschungen bis ins 16. Jahrhundert

Eine ganz wichtige Frage im Zusammenhang mit einer Familienforschung ist die Frage, wie weit kann man bei einer Familienforschung grundsätzlich zurückkommen? Das ist sehr schwierig pauschal zu beantworten, weil das tatsächlich von der jeweiligen Archiv- und Quellen- und Regionalsituation abhängig ist. Der 30jährige Krieg ist eine Hürde über die wir in 50% der Familienforschungen nicht hinwegkommen, weil einfach zu viel zerstört wurde in dieser Zeit. Dann haben wir teilweise schon Forschungen, die gehen bis ins 16. Jahrhundert, aber je weiter wir zurückgehen, desto mehr müssen wir auf kirchliche Unterlagen zurückblicken, und die ersten Kirchenbücher sind so in der Zeit der Nachreformation um 1530 in evangelischen Gegenden geführt worden. Die katholischen haben erst so ab 1565 nach dem Trienter Konzil mit dem Führen von Kirchenbüchern begonnen.

Ältere Forschungen die absolute Ausnahme

Wenn man darüber hinauskommen möchte, zumindest in der beweisbaren Filiation, dann wird es sehr schwierig. Dann müssen die Vorfahren einen relativ hohen sozialen Stand gehabt haben, um vielleicht noch ins 15. oder 14. Jahrhundert zu kommen, aber das sind absolute Ausnahmen.

Das ist so grundsätzliches zum Thema wie geht man das Thema Familienforschung an, was sind die Unwegsamkeiten, damit Sie ein bisschen eine Vorstellung haben, wie das bei uns von statten geht.

geschrieben von: Harald Heimbach

Harald Heimbach ist seit 1997 geschäftsführender Gesellschafter bei Pro Heraldica. Geboren in Ehingen an der Donau, 1984/85 leistete er bei der Luftwafffe seinen Bundeswehrdienst ab. Es folgte ein Wirtschaftsingenieur-Studium in Esslingen; 1991 erhielt er das Diplom.

3 Responses

  1. Volker Henning

    Würden Sie eine Ahnenforschung für mich betreiben und mit welchen Kosten müßte ich dann rechnen? Mitvorzüglicher Hochachtung, Volker Henning

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    • Alexandra Rittner

      Sehr geehrter Herr Henning, unsere Kundenbetreuung wird sich mit Ihnen in Verbindung setzen. Mit freudlichen Grüßen Alexandra Rittner

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  2. Markus Fugger von dem Rech

    Ein sehr guter und vollständiger Beitrag zum Thema Archivarbeit in der Familienforschung! Schön, dass dieser wichtige Themenbereich hier einmal ausführlich Raum bekommt! Ergänzend kann ich aus meiner Erfahrung noch hinzufügen, dass es Archive gibt, die man als Privatmann ohne offiziellen wissenschaftlichen Forschungsauftrag gar nicht nutzen kann. Andere hingegen, wie z. B. das Vatikanische Geheimarchiv, verlangen eine wissenschaftliche Hochschulausbildung von mindestens zehn Semestern! Erst dann darf man ins „Allerheiligste“! Ganz wichtig: Familienforschung geht nur über die Forschung in den Archiven! Sich am PC seinen Stammbaum in kurzer Zeit zusammenzubasteln, wie das von einigen sehr fragwürdigen Firmen angeboten wird, entbehrt jedem wissenschaftlichen Anspruch. Derartig „recherchierte“ Daten sind kaum belastbar und schon deshalb meist wertlos.

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